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US-Kongress zu Ufos: Politiker spricht von „häufigen und kontinuierlichen“ Sichtungen über den USA

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Von: Tanja Banner

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Das Standbild eines vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichten Videos zeigt ein unidentifiziertes Flugobjekt, das von Piloten der US-Marine gesichtet wurde. Worum handelt es sich tatsächlich?
Das Standbild eines vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichten Videos zeigt ein unidentifiziertes Flugobjekt, das von Piloten der US-Marine gesichtet wurde. Worum handelt es sich tatsächlich? © U.S. Department of Defense/dpa

Im US-Kongress gibt es eine öffentliche Anhörung zu „Ufos“. Ein Politiker spricht von „häufigen und kontinuierlichen“ Sichtungen.

+++ 16.45 Uhr: Bei der Anhörung im US-Kongress hat der stellvertretende Direktor der Naval Intelligence, Scott Bray, den anwesenden Politikerinnen und Politikern ein Video gezeigt, das aus dem Jahr 2021 stammt. Damals hatte ein Navy-Pilot ein „spherisches Objekt“ wahrgenommen, das „schnell am Cockpit des Flugzeugs vorbeiflog“, berichtet CBS. „Ich habe keine Erklärung dafür, was dieses spezielle Objekt ist, betont Bray bei der Anhörung. Die Berichte über sogenannte UAP (unidentified aerial objects) seien „häufig und kontinuierlich“ und treten Bray zufolge häufig in militärischen Übungsgebieten und anderen ausgewiesenen Lufträumen auf.

Der demokratische Abgeordnete André Carson, der die Anhörung leitet, betont: „Zu lange stand das Stigma, das mit UAP verbunden ist, einer guten Geheimdienstanalyse im Weg. Piloten vermieden es, Bericht zu erstatten, oder wurden ausgelacht, wenn sie es taten. Beamte des Verteidigungsministeriums verwiesen das Thema ins Hinterzimmer oder kehrten es ganz unter den Teppich, aus Angst vor einer skeptischen nationalen Sicherheitsgemeinschaft“. Doch heute wisse man es besser, so Carson, der fortfährt: „UAP sind unerklärlich, das ist wahr. Aber sie sind real. Sie müssen untersucht werden. Und alle Bedrohungen, die sie darstellen, müssen entschärft werden.“

Ufos über den USA – US-Kongress mit öffentlicher Anhörung

Erstmeldung vom Dienstag, 17. Mai, 12.45 Uhr: Washington D.C. – Im vergangenen Jahr waren sie in den USA ein großes Thema: UAP. Hinter der wenig geläufigen Abkürzung steckt ein Thema, das polarisiert: Es geht um „Ufos“ und „Aliens“, möglicherweise aber auch um ausländisches Kampf- oder Spionagegerät oder etwas ganz anderes. Dass man nicht genau weiß, worum es eigentlich geht, spiegelt auch die neue Abkürzung UAP wider, denn sie steht für „unidentified aerial phaenomena“, also „nicht identifizierte Luftphänomene“.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte die US-Regierung einen mit Spannung erwarteten Bericht zu UAP – lieferte darin jedoch so gut wie keine Antworten. Nun soll eine öffentliche Anhörung vor dem US-Kongress US-Politikerinnen und Politikern die Möglichkeit geben, Fachleute zu dem Thema zu befragen. „Das amerikanische Volk erwartet und verdient, dass die Verantwortlichen in Regierung und Geheimdiensten alle potenziellen Risiken für die nationale Sicherheit ernsthaft bewerten und darauf reagieren – insbesondere solche, die wir nicht vollständig verstehen“, betonte der demokratische Abgeordnete André Carson, der die Anhörung leiten wird, vorab in einer Erklärung.

USA: Kongress befragt Geheimdienstler zu UAP oder Ufos

An der Anhörung, die am Dienstag (17. Mai) um 15 Uhr (MESZ) beginnen soll, sollen zwei hochrangige Zeugen teilnehmen: Ronald Moultrie, der oberste Geheimdienstbeamte des Pentagon und Scott Bray, stellvertretender Direktor der Naval Intelligence. In Moultries Zuständigkeitsbereich wurde in den vergangenen Monaten ein neues Büro eingerichtet, das sich mit UAP befassen soll. Die Airborne Object Identification and Management Synchronization Group (AOIMSG) soll Informationen rund um die Sichtung von UAP sammeln und untersuchen. Außerdem soll es künftig einen jährlichen Bericht und halbjährliche Briefings für den US-Kongress geben.

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André Carson möchte, dass die Anhörung „dem amerikanischen Volk die Möglichkeit gibt, alles über diese Vorfälle zu erfahren“. Tatsächlich hatten in den letzten beiden Jahrzehnten unter anderem Piloten der US-Navy von aufsehenerregenden UAP-Sichtungen berichtet. In der US-Fernsehsendung „60 Minutes“ äußerten sich im vergangenen Jahr auch zwei frühere Navy-Pilot:innen zu ihren UAP-Sichtungen. Während eines Übungsflugs hätten sie ein „unidentifiziertes Luftphänomen“ entdeckt und versucht, es zu verfolgen. Es habe etwa die Größe der Kampfflugzeuge, aber keine Flügel gehabt, so die Augenzeugen. Die Form wurde als „Tic Tac“-förmig beschrieben. Das Objekt habe so schnell beschleunigt, dass es zu verschwinden schien, so die beiden Augenzeug:innen. Sekunden später sei es in 60 Meilen Entfernung (ca. 97 Kilometer) wieder aufgetaucht.

Pentagon-Bericht zu UAP konnte kaum Phänomene erklären

Der Pentagon-Bericht zu UAP konnte nur eines von 144 untersuchten Phänomenen erklären. Ein Problem bei der Untersuchung seien vor allem nicht ausreichende Daten, hieß es. Gleichzeitig stellten die Autor:innen des Berichts fest, dass die Phänomene ein Sicherheitsrisiko für den Flugverkehr seien und möglicherweise auch ein nationales Sicherheitsrisiko für die USA darstellen könnten.

Glaube an Außerirdische und Ufos ist in den USA weit verbreitet

Der Glaube an Außerirdische und Ufos ist in den USA weit verbreitet, wie Gallup-Umfragen aus dem Jahr 2019 zeigen: Etwa ein Drittel der Befragten glaubt demnach, dass einige gesichtete UAP tatsächlich außerirdischen Ursprungs waren. Noch deutlicher fällt das Ergebnis aus, wenn Menschen in den USA generell nach Außerirdischen gefragt werden: 49 Prozent der Befragten einer weiteren Gallup-Umfrage von 2019 gehen davon aus, dass „Menschen irgendwie ähnlich wie wir“ auf anderen Planeten leben. 75 Prozent der Befragten vermuten, dass „Leben in irgendeiner Form“ irgendwo im Universum existiert.

Doch auch die Forschung winkt nicht pauschal ab, wenn es darum geht, ob es Außerirdische gibt – schließlich sprechen die Zahlen dafür, wie der Astronom Seth Shostak vom SETI-Institut gegenüber CBS erklärte: „Es gibt zwei Billionen andere Galaxien, die wir sehen, jede mit 100 Milliarden erdähnlichen Welten. Es ist schwer zu glauben, dass diese Welten alle steril sind“. Das SETI-Institut ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich mit der Suche nach intelligenten außerirdischem Leben beschäftigt.

Ufo-Meldestelle im Odenwald

Die Ufo-Meldestelle im Odenwald verzeichnet hunderte „Ufo“-Sichtungen im Jahr – meist gibt es eine logische Erklärung für die gesichteten Phänomene.

Astronom: Forschende sollen UAP-Daten wissenschaftlich auswerten

Der Harvard-Astronom Avi Loeb, der dafür bekannt wurde, dass er hinter dem interstellaren Objekt ‘Omuamua ein „Alien-Raumschiff“ vermutete, hofft, dass die Anhörung im US-Kongress zum Thema UAP dafür sorgen wird, dass „hochqualitative UAP-Daten“ zu Forschenden gelangen, die diese Daten „methodisch und quantitativ“ auswerten können. Das schreibt der Astronom in einem Meinungsbeitrag für das Portal The Hill.

Loeb fährt fort: „Wir investieren große Summen in die Suche nach der Natur der dunklen Materie, die nur minimale Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat, aber nur minimale Summen in die wissenschaftliche Erforschung der UAP, die viel mehr bewirken könnte.“ Der Astronom schreibt weiter: „Wir könnten die Natur von UAP herausfinden, bevor wir die dunkle Materie verstehen, wenn wir nur mutig genug wären, UAP-Daten öffentlich zu sammeln und zu analysieren, basierend auf der wissenschaftlichen Methode.“ (tab)

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