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Die Wissenschaftler Lawrence Krauss (l) und Thomas Pickering stellen im Nationalen Presse Club in Washington die sogenannte Weltuntergangsuhr (Doomsday Clock) vor.

Öko-Logisch

Trumps Post-Fakten

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Weg mit den unerwünschten Nachrichten: Die Trump-Regierung hat Berichten zufolge die US-Umweltbehörde EPA angewiesen, ihre Klima-Seiten zu löschen.

Ob Donald Trump in dieser Woche auf die Internet-Seiten der US-Umweltbehörde EPA zum Thema Klimaschutz geklickt hat? In New York, wo sein Trump-Tower steht, so konnte man dort lesen, werden die Versicherungen für Immobilien wohl in Zukunft teurer werden. Grund: Der steigende Meeresspiegel erhöht das Risiko für Stürme und Überflutungen in der direkt am Meer gelegenen Stadt. So etwas zu erfahren, ist unschön. Besser, man weiß es nicht. Macht einen nur verrückt.

Wer will die Fakten schon so genau wissen?! Am besten, die EPA löscht einfach ihre Klima-Seiten. Als jetzt die Nachricht kam, die neue Trump-Regierung habe die Kommunikationsabteilung der EPA angewiesen, genau dies zu tun, passte es wie die Faust aufs Auge. Die Energiewende rückwärts des Immobilienmilliardärs im Präsidentenamt trifft auch die Wahrheit und die Wissenschaft. Bisher sah sich die EPA nicht nur als Regulierungsbehörde, sondern auch als Portal zur Volksaufklärung, und sie lieferte detaillierte Daten zu Emissionen und Internet-Links zu Studien über die globale Erwärmung. Aber so etwas wird in der neuen Ära ja nicht mehr gebraucht.

Schon seitdem feststeht, dass Trump Präsident werden würde, geht unter US-Forschern die Angst um. Der Milliardär hatte ja schon einmal behauptet, der Klimawandel sei von den Chinesen erfunden, um der US-Wirtschaft zu schaden. Wissenschaftler begannen eilig, Daten zum Klimawandel von Regierungsservern zu kopieren und auf anderen Rechnern abzulegen. Sie treibt die Sorge um, dass sie auf Anweisung von ganz oben verschwinden könnten. Die Aktion wuchs sich zu einer groß angelegten Sicherungsaktion aus, koordiniert von der University of Pennsylvania.

Für viele Forscher ist die Trump-Wende ein Déjà-vu-Erlebnis. Sie sind gebrannte Kinder. Denn sie wissen noch wie es war, als mit George W. Bush schon einmal ein Klimawandel-Skeptiker auf dem Präsidentenstuhl saß. Die Bush-Regierung verpasste zum Beispiel den in Fachkreisen weltweit hoch angesehen Wissenschaftlern der nationalen Klima- und Umweltforschungsbehörde NOAA und der Weltraumbehörde NASA einen Maulkorb. Sie mussten selbst Vorträge auf Fachkongressen mit Washington abstimmen. Bush mochte es gar nicht, wenn die Experten Daten veröffentlichten, die seine Politik zur Sicherung des fossilen „American Way of Life“ in Frage gestellt hätten.

Wer am Freitag die EPA-Seite www.epa.gov aufrief, fand „Klimawandel“ und „Treibhausgas“ noch unter den „populären Themen“ auf der Startseite. Aber wer weiß, wie lange noch.

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