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Die Oberfläche der Venus erlaubt kaum einen Einblick in ihre Vergangenheit. Um ihre Entwicklung zu verstehen, werden Computersimulationen benötigt. Diese Ansicht zeigt den Meteoritenkrater Cunitz. Am Horizont ist der drei Kilometer hohe Vulkan Gula Mons zu erkennen. Das Bild entstand aus Radarmessungen der US-amerikanischen Venussonde Magellan.

Raumforschung

Treibhauseffekt auf der Venus

Für unsere Begriffe ist es noch heute auf der Venus extrem heiß und lebensfeindlich: 470 Grad ist dabei aber schon die abgekühlte Variante. Vorher erzeugten heiße Temperaturen eine Verschiebung der Venus-Kruste.

470 Grad heiß und doch reglos zeigt sich die Oberfläche des Planeten Venus den Forschern durch ihre Teleskope. Doch neue Modellrechnungen zeigen: Ein heftiger Treibhauseffekt hat in der Vergangenheit die Kruste auf der Venus in Bewegung gesetzt. "Mit unseren Berechnungen haben wir einen Blick in die Vergangenheit der Venus geworfen, als die Temperatur ihrer Oberfläche noch deutlich über dem heutigen Wert von 470 Grad Celsius lag. Dabei sind wir auf einen erstaunlichen Effekt gestoßen", sagt Lena Noack, Doktorandin am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof. "Die Venuskruste bleibt bei solchen Temperaturen nicht starr, sondern kommt an einigen Stellen in Bewegung. Sie dehnt und streckt sich ohne zu zerbrechen, wie bei einer Schokolade, die im Sommer etwas weich wird."

"Ein besonders starker Treibhauseffekt kann die Regungslosigkeit einer Planetenoberfläche überwinden. Wahrscheinlich ist genau das im Verlauf der Venusgeschichte geschehen", ergänzt die Planetenforscherin. Und das lässt nach Ansicht der Forscher auch den Schluss zu, dass Wärme aus dem Kern der Venus nach außen dringen und so die Hülle abkühlen konnte. Ähnliche Effekte beobachten die Wissenschaftler auf der Erde und im Erdinneren durch die Plattentektonik.

Der Unterschied liegt in der Geschwindigkeit: "In unseren Berechnungen erhielten wir meist nur eine Geschwindigkeit von wenigen Millimetern im Jahr", erzählt Prof. Dr. Doris Breuer, Leiterin der Abteilung Planetenphysik am DLR-Institut für Planetenforschung. "Die Platten unserer Erde schieben sich dagegen mit einigen Zentimetern im Jahr voran." Die im Fachmagazin Icarus unter dem Titel "Coupling the atmosphere with interior dynamics: Implications for the resurfacing of Venus" veröffentlichten Forschungsergebnisse sind im Rahmen der Forschungsallianz "Planetenentwicklung und Leben" entstanden. (kho)

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