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Nicht ganz Cape Canaveral, aber doch ziemlich ähnlich.

„Reiseziel Mond“

Tim und Struppi: Von Träumen, Traumata und dem Weltall

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Hergé  ließ Tim und Struppi schon Jahre vor Apollo 11 zum Mond fliegen.

Niemand kommt an Hergé vorbei. Auch nicht, wenn es um den Mond, um Science und um Fiction in grafischen Erzählungen – vulgo: Comics – geht. Hergé und seine Serie „Tim und Struppi“ sind Titanen der Comicwelt und die Alben „Reiseziel Mond“ und „Schritte auf dem Mond“ (erschienen 1952 und 1954) sind der Goldstandard aller Bildgeschichten über den Mensch im Kosmos. Dafür suchte Hergé immerhin auch den Rat eines Kosmologen.

Viel deutlicher aber sind Einflüsse wie das aus Fritz Langs „Die Frau im Mond“ (1928) kopierte erzählerische Gerüst und die technische Ästhetik von Wernher von Brauns V2-Rakete. Hergés „ernsthafte“ Bearbeitung des Themas gewinnt vor allem dadurch, dass sie die meisten ihrer Seiten den Vorbereitungen des Mondflugs vorbehält. Dass die Technik, die Abschussrampen, Leitstellenbunker und Observatorien nicht zum bloßen Dekor verkommen, dafür sorgt die Grafik. Diverse übergroße Bilder sprengen die ansonsten regelmäßigen strengen erzählerischen Panelzeilen. Der brillante Selbstvermarkter Hergé lässt keinen Zweifel daran, dass er hier etwas viel Größeres als unsere kleinen irdischen Abenteuer darstellt. 

Zahlreiche weitere Mond-Abenteuer 

15 Jahre später ist es dann nur noch Armstrongs kleiner Schritt, noch kleiner geraten für manchen Comic-Autor durch den amerikanischen Sündenfall in Indochina. Der Vietnam-Veteran Joe Haldeman verarbeitete sein Trauma im SF-Klassiker „Der ewige Krieg“ über einen fernen grotesken Konflikt, der sich auf einem Mond namens Charon zuträgt. 1988 schuf der Belgier Marvano dann davon eine Comicversion, deren gleichzeitig suggestiver wie technisch glasklarer Stil auch heute noch tief beeindruckt.

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Dem aber schon vorangegangen waren das Duo Pierre Christin und Jean-Claude Mézières mit ihrer seit 1967 laufenden Serie „Valerian und Veronique“. Das erste Abenteuer der beiden „Raum-Zeit-Agenten“ aus der Zukunft in Album-Länge war „Die Stadt der tosenden Wasser“, das das Ende der Zivilisation, verursacht vom verantwortungslosen militärisch-industriellen Komplex sowie den Neuanfang der Menschheit darstellt. Die Titelhelden überleben dabei ein überschwemmtes, von schießwütigen Hippies beherrschtes New York. 

2010 endete die Serie nach 21 Alben (das glaubwürdigere Ende war bereits nach zehn Alben 1985 erreicht). Innehalten, Nachdenken und sich kritisch Abwenden von der technologisch machbaren Zukunft hatte sich da aber längst überlebt: 2009 erschien der autobiografische Comicroman „Und wir träumten von der Zukunft“ von Brian Fies, der bei der Weltausstellung in New York 1939 und ihrer Vorstellung von der Welt von morgen beginnt ... und im Kopf und im Comic in der Welt von überübermorgen endet. Oder anfängt. Irgendwo im All. Jenseits des Mondes.

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