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Blutgerinnsel

Thrombose nach Corona-Impfung - Ursache womöglich gefunden

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Warum führen die Corona-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson in seltenen Fällen zu Blutgerinnseln? Ein Forscherteam aus Frankfurt stellt eine Hypothese auf.

Frankfurt – In den letzten Monaten haben viele Länder damit begonnen, Millionen von Menschen mit den vektorbasierten Impfstoffen Astrazeneca und Johnson & Johnson gegen das Coronavirus zu immunisieren. In sehr seltenen Fällen können diese Impfstoffe gefährliche Blutgerinnsel bei geimpften Personen verursachen. Dabei handelt es sich um TTS (Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom), die mit einem Mangel an Blutplättchen einhergehen. Wie die Corona-Impfstoffe die gefährliche Thromboseform auslösen, ist bisher nicht endgültig geklärt.

Eine Gruppe deutscher Forscher:innen der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat nun eine Hypothese präsentiert, wodurch die Blutgerinnsel, die im Zusammenhang mit den Vektorimpfstoffen Astrazeneca und Johnson & Johnson aufgetreten sind, ausgelöst werden könnten.

Auch lieferten die Forschenden eine Anleitung, wie die Impfstoffe verändert werden könnten, damit diese Nebenwirkung nicht mehr auftritt. Die Arbeit des Forschungsteams um Rolf Marschalek wurde preprint veröffentlicht. Das heißt, sie wurde bisher noch nicht begutachtet und noch nicht in einem Fachjournal publiziert.

Thrombose nach Corona-Impfung: Forscherteam aus Frankfurt hat möglicherweise Ursache gefunden

Laut den Forschenden könnte die Ursache des Problems bei der Produktion verkürzter Spike-Varianten liegen, die durch die Corona-Impfung mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson ausgelöst werden kann.

Vektorimpfstoffe gegen Covid-19 enthalten im Gegensatz zu den mRNA-Impfstoffen (Moderna und Biontech/Pfizer) genetische Information in Form von DNA. Dabei wurde in ein für Menschen ungefährliches Trägervirus, den Vektor, ein Teil der Erbinformationen des Coronavirus Sars-CoV-2 eingebaut. Der Vektor gibt diese Information nach der Corona-Impfung an wenige Zellen im menschlichen Körper weiter, die dann mithilfe des Erbguts das sogenannte Spike-Protein, das sich in der Hülle von Coronaviren befindet, herstellen. Dadurch kann der Körper dann die passende Immunantwort, also gezielte Abwehrmechanismen gegen das Spike-Protein, entwickeln – und man ist durch die Impfung gegen Covid-19 geschützt.

AstraZeneca, Johnson & Johnson sowie Sputnik nutzen verschiedene Adenoviren als Vektor. Mit dem russischen Sputnik-Impfstoff hat sich die Arbeit des Forscher:innen-Teams allerdings nicht befasst.

Corona-Impfung: Prozess des Splicing bei Astrazeneca und Johnson & Johnson

Adenoviren und Coronaviren verhalten sich unterschiedlich. Im Gegensatz zu Sars-CoV-2 dringen Adenoviren in den Zellkern ein, wo sie dann ihr Erbgut vervielfältigen lassen. Beim Ablesen des Erbguts passiert im Zellkern ein Prozess, der sich Splicing (vom englischen Wort splice: „miteinander verbinden“, „zusammenkleben“) nennt.

Das Splicing ist ein wichtiger Schritt der Weiterverarbeitung der Ribonukleinsäure (RNA), bei dem aus der prä-mRNA die reife mRNA entsteht. Aus dem Erbgutmolekül mRNA, das später den Zellkern verlässt, um als Blaupause für ein Protein zu dienen, werden dabei Teile herausgeschnitten. Der Erbgut-Code des Spike-Proteins kommt nicht mit dem Splicing in Berührung, wenn sich jemand mit Sars-CoV-2 infiziert oder einen RNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer und Moderna) erhält. Gelangt der Erbgut-Code jedoch mithilfe eines Vektorimpfstoffs in Zelle und Zellkern, findet der Prozess des Splicing beim Spike-Protein statt.

In seltenen Fällen können die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson zu Blutgerinnseln führen. Forschende aus Frankfurt haben möglicherweise die Ursache gefunden. (Symbolbild)

Thrombose nach Corona-Impfung mit Vektorimpfstoff: Problem könnte verkürzte Spike-Variante sein

Im Labor hat die Gruppe um Marschalek anhand eines Adenovirus-Vektors den Prozess des Splicing sowie wie dieser das Spike-Protein beeinflussen kann untersucht. Sie berichten, dass in ihren Experimenten Spike-Varianten entstanden, bei denen ein Teil fehlte, mit dem sich das Protein normalerweise in der Zellmembran verankert. Es bildeten sich also verkürzte Spike-Varianten.

Das Forschungsteam nimmt an, dass diese verkürzten Spike-Varianten aus der Zelle geschleust werden und so in die Blutbahnen gelangen können, wo sie zur Entstehung von Thrombose beziehungsweise TTS beitragen. Früheren Studien zufolge können solche verkürzten Spike-Proteine unter anderem starke Entzündungsreaktionen an den Innenwänden von Blutgefäßen auslösen, schreibt das Team.

Verkürzte Spike-Varianten und Thrombose: Untersuchungen fehlen noch

Um den Zusammenhang der verkürzten Spike-Varianten mit der Entstehung einer Thrombose (TTS) zu belegen, fehlen aber noch Untersuchungen. „Die Daten zeigen, dass die Produktion verkürzter Spike-Varianten passieren kann. Aber die Arbeit zeigt keine klare Verbindung, wie dies zu Blutgerinnseln führt“, kommentiert der Virologe Jonathan Ball von der University of Nottingham laut dem britischen Science Media Centre.

Sollte sich die Hypothese der Forscher:innen bestätigen, könnte das Problem der verkürzten Spike-Varianten jedoch behoben werden, indem die entsprechenden Corona-Impfstoffe angepasst werden.

Thrombose nach Corona-Impfung: 77 Fälle bei Astrazeneca in Deutschland

Laut dem Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für Impfstoffe zuständig ist, liegen derzeit 77 Fällen von TTS (Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom) nach Corona-Impfungen mit AstraZeneca vor. 14 der Betroffenen sind verstorben (Stand: 10. Mai). Nach Impfungen mit Johnson & Johnson wurden in Deutschland bislang keine Fälle gemeldet, jedoch kommt das Vakzin hierzulande selten zum Einsatz.

In den USA, wo der Impfstoff bereits millionenfach verabreicht wurde, registrierten die Behörden bis zum 21. April zwölf Fälle einer seltenen Sinusvenenthrombose, wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete. Daraufhin untersuchte auch die EMA den Zusammenhang zwischen den Thrombose-Fällen und der Corona-Impfung, konnte jedoch zu keinem Ergebnis kommen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, die beiden Impfstoffe nur Menschen ab 60 Jahren zu verabreichen. (Anna Charlotte Groos)

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

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