Arbeiter in Abu Dhabi an der Marssonde „Hope“: Noch ist sie auf der Erde.
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Arbeiter in Abu Dhabi an der Marssonde „Hope“: Noch ist sie auf der Erde.

Weltraum

Ein Symbol der Hoffnung

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    vonTanja Banner
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Und ein ambitioniertes Projekt: Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen die Raumsonde „Al-Amal“ zum Mars schicken - der erste Starttermin musste allerdings verschoben werden.

Der Mars ist ein hartes Pflaster für die Raumfahrt, maximal die Hälfte aller Missionen zum roten Planeten sind bisher gelungen. Trotzdem haben sich die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ausgerechnet den Mars ausgesucht als Ziel ihrer ersten Sonde, die den Erdorbit verlassen soll. „Emirates Mars Mission“ (EMM) heißt die erste interplanetare Mission der Vereinigten Arabischen Emirate und die erste arabische Mission überhaupt.

Die Raumsonde „Al-Amal“ („Hope“) sollte nach der ursprünglichen Planung eigentlich in der vergangenen Nacht um 22.51 Uhr mitteleuropäischer Zeit an Bord einer MH-II-A-Rakete vom Tanegashima Space Center im Südwesten Japans ins All aufbrechen. Daraus wurde erst einmal nichts: der Start musste wegen schlechten Wetters verschoben werden, teilte die Regierung der Emirate am Dienstag via Twitter mit. Als neuer Starttermin wurde wenig später Donnerstag, 22.43 Uhr (mitteleuropäische Zeit) festgelegt.

Die Raumsonde soll ein günstiges Startfenster ausnutzen: Im Juli 2020 sind Mars und Erde optimal zueinander positioniert, um einen Flug zum Mars deutlich zu verkürzen. Dieses günstige Startfenster entsteht nur alle 26 Monate, weshalb nicht nur die Vereinigten Arabischen Emirate, sondern auch die US-Raumfahrtorganisaton Nasa und die chinesische Raumfahrtbehörde noch in diesem Monat Starts zum Mars geplant haben.

Doch „Hope“ soll die Mars-Saison 2020 einläuten – ein Symbol der Hoffnung. 495 Millionen Kilometer hat die Mars-Sonde vor sich. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 38 000 Kilometern pro Stunde wird sie von der Rakete in einen Erdorbit transportiert. Von dort aus beginnt der siebenmonatige Flug zum Mars mit einer Geschwindigkeit von rund 121 000 Kilometern pro Stunde.

Im Februar 2021 soll „Al-Amal“ den Mars erreichen und in die Umlaufbahn eintreten. Dort soll die rund 1350 Kilogramm schwerre Sonde, die etwa so groß ist wie ein kompakter SUV ist, vollkommen autonom den Planeten umkreisen. Ihre Aufgabe: Die „Emirates Mars Mission“ soll die Mars-Atmosphäre und das Verhältnis zwischen den oberen und den unteren Schichten untersuchen. Weil es bis zu 26 Minuten dauert, bis Signale von der Erde bei der Raumsonde ankommen, muss sie in der Lage sein, vollkommen autonom zu agieren.

„Bis heute war rund die Hälfte aller Mars-Expeditionen nicht erfolgreich“, betont Omran Sharaf, der die EMM-Mission leitet. Das mache ein solche Vorhaben für eine junge Raumfahrtnation wie die VAE natürlich „besonders ambitioniert“, so Sharaf weiter. Ein wichtiges Ziel der Mission ist auch ein Wissenstransfer im Bereich der Raumfahrt und Forschung. Man habe bereits „unglaublich viel gelernt und erreicht“, sagt Sharaf. “ Die Mission hat die Fähigkeiten der VAE in den Bereichen Raumfahrtsystemtechnik, Wissenschaft und Forschung grundlegend verändert.“

Doch der Wissenstransfer ist nicht nur in eine Richtung ausgelegt. Die Emirate wollen nicht nur vom Wissen von Forschern aus aller Welt, die an der Mission beteiligt sind, profitieren. Sie wollen auch etwas zurückgeben. „Die Emiratis waren sehr daran interessiert, dies nicht nur zu einer Technologie-Demonstration zu machen, sondern zum wissenschaftlichen Verständnis des Mars beizutragen“, lobt Richard Zurek, Wissenschaftler im Mars-Programm der Nasa, gegenüber „Nature“.

Gelingt die Mission, wird „Hope“ die erste Raumsonde sein, die ein vollständiges Bild des Mars-Klimas über ein komplettes Jahr erfasst. Bisher konnten Raumsonden nie den kompletten Planeten gleichzeitig beobachten – doch „Hope“ soll das nun möglich machen. Geplant ist ein sehr elliptischer Orbit, bei dem die Sonde 55 Stunden für eine Umrundung des Planeten benötigt. „Wir werden in der Lage sein, den ganzen Mars zu jeder Tageszeit und während eines ganzen Jahrs zu beobachten“, erklärt Sarah Al Amiri, wissenschaftliche Leiterin des Projekts und VAE-Wissenschaftsministerin in Personalunion.

Mit einer Kamera, die sichtbares Licht aufnimmt und einem Infrarot-Spektrometer soll „Hope“ die Wolken und Sandstürme in der Atmosphäre des Mars untersuchen. Ein UV-Spektrometer soll Gase in der Atmosphäre messen. Während der auf zwei Jahre angelegten Missionsdauer soll „Hope“ die täglichen Wetterveränderungen und den Wechsel der Jahreszeiten beobachten. So hoffen Forscher herauszufinden, wie Wasserstoff und Sauerstoff aus der Atmosphäre des roten Planeten ins Weltall verschwinden – was dabei helfen könnte, ein Rätsel zu entschlüsseln: Wie hat der Mars seine einst dicke Atmosphäre verloren? Die Daten, die „Hope“ sammelt, sollen der internationalen Wissenschaftscommunity ohne Sperrfristen zur Verfügung gestellt werden, betont Al Amiri gegenüber „Nature“.

Auch wenn die emiratische Mission zum Mars wertvolle wissenschaftliche Daten sammeln soll: Der Hintergrund der Mission ist nicht nur rein wissenschaftlicher Natur, denn von Anfang an stand ein weiters Ziel fest: Die Raumsonde „Hope“ soll den Mars spätestens am 2. Dezember 2021 erreichen, dem Tag, an dem die Vereinigten Arabischen Emirate ihr 50-jähriges Bestehen feiern.

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