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Bisher hat niemand den mutmaßlichen neunten Planeten zu Gesicht bekommen.

Astronomie

Auf der Suche nach dem mysteriösen "Planet 9"

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Vor einem Jahr haben Wissenschaftler überzeugend Hinweise auf einen neunten Planeten im Sonnensystem veröffentlicht. Nun kann sich jeder an der Suche nach Planet 9 beteiligen.

Er hat die zehnfache Masse der Erde, ist zwanzig Mal weiter von der Sonne entfernt als Neptun - und braucht 10.000 bis 20.000 Jahre für einen Umlauf um die Sonne. So beschreiben Forscher den mysteriösen "Planet 9", den sie in unserem Sonnenystem vermuten. Gesichtet wurde er von Menschenaugen bisher noch nicht, denn in die Region, in der der Planet mutmaßlich zu finden ist, dringt nur wenig Sonnenlicht.

Vor gut einem Jahr haben zwei Astronomen eine Forschungsarbeit veröffentlicht, die für die Existenz eines neunten Planeten in unserem Sonnensystem plädiert - und unser Bild vom Sonnensystem für immer verändern könnte. Konstantin Batygin und Michael E. Brown vom California Institute of Technology in Pasadena haben die Eigenschaften des Planeten mittels mathematischer Modelle und Computersimulationen berechnet - und sind seitdem auf der Suche nach dem mysteriösen Planeten.

Brown hat in den Augen mancher Astronomen durchaus etwas gutzumachen: Er war dafür verantwortlich, dass Pluto im Jahr 2006 den Planetenstatus aberkannt bekam. "Alle Leute, die wütend auf mich sind, weil Pluto kein Planet mehr ist, können sich freuen, dass es da draußen noch einen Planeten zu finden gibt", sagte Brown nach der Veröffentlichung der Forschungsarbeit mit einem Augenzwinkern.

Seitdem suchen zahlreiche Wissenschaftler nach dem mysteriösen Planeten - und nun können sich auch Amateure an der Suche im Weltall beteiligen. Auf der Website "Backyard Worlds: Planet 9" kann jeder Internetnutzer dabei helfen, Aufnahmen zu sichten, die das Weltraumteleskop "Wise" im Infrarot-Spektrum gemacht hat. Neben so genannten braunen Zwergen könnte sich auch "Planet 9" in den Daten verbergen, glauben die Astronomen.

"Es liegen vier Lichtjahre zwischen Neptun und dem erdnächsten Stern Proxima Centauri - und viel von diesem großen Gebiet ist noch nicht erforscht", erklärt Mark Kuchner, Astrophysiker bei der US-Raumfahrtorganisation Nasa. "Weil es dort so wenig Sonnenlicht gibt, leuchten auch große Objekte kaum in sichtbarem Licht." Deshalb analysieren die Forscher Daten aus dem Infrarotbereich, die "Wise" in den Jahren 2010 und 2011 aufgenommen hat.

Auf der Website können Nutzer aus aller Welt Animationen anschauen, die zeigen, wie sich ein kleines Stück des Himmels im Laufe der Jahre verändert hat. In den Animationen sollen Objekte identifiziert werden, die sich bewegen. Diese werden anschließend von einem Astronomen-Team genauer unter die Lupe genommen. "Die Website hat das Potential, einmalige Entdeckungen zu machen", freut sich Aaron Meisner von der University of California in Berkeley. "Es ist aufregend, dass diese Entdeckungen zuerst von einem Bürgerwissenschaftler gefunden werden könnten." Sollte ein Nutzer tatsächlich ein bis dato unbekanntes Objekt finden, wird er in wissenschaftlichen Publikationen, die aus der Entdeckung resultieren, als Mitentdecker genannt werden, versprechen die Forscher.

Die Suche nach "Planet 9" in den Bildern des Weltraumteleskops ist eine Aufgabe, die nur menschliche Augen zuverlässig erledigen können. Computer würden sich von den zahlreichen Artefakten in den bewegten Bildern verwirren lassen und falsche Ergebnisse liefern. Das menschliche Auge dagegen kann die Artefakte mit etwas Übung von sich tatsächlich bewegenden Objekten unterscheiden, so der Gedanke hinter der Website.

Je mehr Nutzer mitmachen, desto schneller könnte der mysteriöse "Planet 9" erstmals gesichtet werden. Dann würde es sicher nicht lange dauern, bis die offizielle Zahl der Planeten im Sonnensystem wieder auf neun korrigiert wird. Michael E. Brown, der sich auf Twitter selbst "Plutokiller" nennt, würde den Planeten liebend gern selbst entdecken, wie er nach der Veröffentlichung des Papers im vergangenen Jahr zugegeben hat. "Aber ich wäre auch glücklich, wenn jemand anders ihn findet."

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