1. Startseite
  2. Wissen

Studie aus Großbritannien: Telefonieren am Handy erhöht das Krebsrisiko nicht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Handys sind Quellen hochfrequenter elektromagnetischer Felder.
Handys sind Quellen hochfrequenter elektromagnetischer Felder. © Friso Gentsch/dpa

Seit Jahrzehnten läuft in Großbritannien eine Studie zu Handys und Hirntumoren. Nun zeigt sich: Mobiltelefonieren geht nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einher.

Schon kurz nachdem die ersten Handys auf den Markt waren, kam die Sorge auf, dass ihre Nutzung das Entstehen von Hirntumoren fördern könnte. Forschende aus Großbritannien entkräften diesen Verdacht mit einer aktuellen Studie. Demnach geht das Mobiltelefonieren nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einher.

Die Sorge scheint nicht unplausibel: Die Geräte sind Quellen hochfrequenter elektromagnetischer Felder. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft Hochfrequenzwellen als „möglicherweise krebserregend“ ein. Handys erzeugen sie beim Telefonieren direkt am Kopf. Die Wellen dringen dabei mehrere Zentimeter in das Gehirn ein, am stärksten tangiert sind Schläfen- und Parietallappen. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät, lieber vom Festnetz aus zu telefonieren, Gespräche am Handy kurz zu halten und bei schlechtem Empfang möglichst ganz darauf zu verzichten, weil dann die Intensität des hochfrequenten Feldes besonders stark sein müssen.

Studie zu Krebsrisiko und Telefonieren mit dem Handy

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich bereits mehrere Studien mit diesem Thema beschäftigt, zu einem eindeutigen Ergebnis kamen sie jedoch nicht. Zudem handelt es sich bei den meisten um retrospektive Studien, in denen Menschen, die bereits eine Krebsdiagnose hatten, zu ihren Handygewohnheiten befragt wurden. Die Ergebnisse können deshalb verzerrt sein.

Forschende der Oxford University und der Internationalen Agentur für Krebsforschung haben sich der Frage nun mit einer großen prospektiven Studie genähert. Das bedeutet: Die Studie startete, bevor Teilnehmende die im Fokus stehende Krankheit entwickeln – in diesem Fall Hirntumore. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im „Journal of the National Cancer Institute“. Sie verwendeten dafür Daten aus der UK Million Women Study, einer laufenden Studie, an der Frauen teilnehmen, die zwischen 1935 und 1950 geboren wurden. 776 000 Teilnehmerinnen füllten vor 21 Jahren Fragebögen zu ihrer Handynutzung aus, rund die Hälfte wurde 2011 erneut befragt. Die Frauen wurden im Schnitt 14 Jahre lang nachbeobachtet. Die Handynutzung setzten die Forschenden dann in Bezug zu verschiedenen Hirntumoren.

Studie zu Handynutzung und Krebsrisiko

Die Ergebnisse: Bis 2011 nutzten fast 75 Prozent der Frauen zwischen 60 und 74 und knapp 50 Prozent der 75- bis 79-Jährigen ein Handy. Während der Nachbeobachtungszeit entwickelten 3268 – 0,42 Prozent – einen Hirntumor. Es gab damit keinen signifikanten Unterschied zu jenen Frauen, die noch nie ein Mobiltelefon benutzt hatten. Auch war die Inzidenz von rechts- und linksseitigen Hirntumoren gleich hoch, obwohl das Handy tendenziell eher rechts gehalten wird.

Einschränkungen gibt es allerdings auch bei dieser Studie: Nur 18 Prozent der Teilnehmerinnen gab an, pro Woche 30 Minuten oder länger mit dem Handy zu telefonieren; das dürfte kaum dem heutigen Verhalten vieler Menschen entsprechen. Auch schloss die Studie keine Kinder und Jugendlichen ein. Der leitende Forscher Joachim Schüz von der IARC sagt: „Mobile Technologien verbessern sich ständig, so dass die neueren Generationen wesentlich weniger Ausgangsleistung abgeben.“ Angesichts des Mangels an Beweisen für starke Nutzer bleibe der Rat, „unnötige Expositionen zu reduzieren“ jedoch ein „guter Vorsorgeansatz“. (Pamela Dörhöfer)

Auch interessant

Kommentare