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Warnung vor Pandemie: Klimawandel könnte gefährliche Bakterien aus dem Eis befreien

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Von: Tanja Banner

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Im Hochland von Tibet haben Forschende das Eis von Gletschern untersucht. Sie warnen: Durch den Klimawandel schmelzendes Eis könnte gefährliche Bakterien freisetzen. (Archivbild)
Im Hochland von Tibet haben Forschende das Eis von Gletschern untersucht. Sie warnen: Durch den Klimawandel schmelzendes Eis könnte gefährliche Bakterien freisetzen. (Archivbild) © IMAGO/bbbar

Durch den Klimawandel tauendes Gletscher-Eis könnte gefährliche Bakterien freisetzen, warnt eine neue Studie. So könnten Pandemien entstehen.

Peking – Trockenheit, Dürre, Überflutungen und heftige Unwetter – der Klimawandel sorgt bereits jetzt in vielen Regionen der Erde für Probleme. Und es könnten noch zahlreiche weitere Probleme hinzukommen, die viele Menschen nicht direkt mit dem sich wandelnden Klima in Verbindung bringen würden: So könnten zahlreiche neue Zoonosen entstehen, da Tiere dem Klimawandel ausweichen und sich erstmals treffen – Viren hätten dann die Chance überzuspringen und zu mutieren, zeigt eine Studie.

Auf eine ähnliche Gefahr im Zusammenhang mit dem Klimawandel machen auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften aufmerksam. Sie haben Eis-Proben von 21 Gletschern im Hochland von Tibet – einer hoch gelegenen Region zwischen dem Himalaya-Gebirge und der Taklamakan-Wüste – genommen und untersucht. Dabei haben die Forschenden mehr als 900 nie zuvor beobachtete Mikroben-Spezies entdeckt, die im Eis der Gletscher im Hochland von Tibet vorkommen.

Forschende warnen: Klimawandel könnte gefährliche Bakterien aus Gletschern freisetzen

Die Forschenden warnen: „Im Eis eingesperrte moderne und alte Mikroben könnten zur nächsten lokalen Epidemie oder sogar Pandemie führen“ und führen weiter aus: „Die Freisetzung von potenziell gefährlichen Bakterien könnte die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt betreffen: China und Indien.“ Um zu diesem Schluss zu kommen, analysierten die Forschenden die DNA der Mikroben, die im Eis eingeschlossen waren – entstanden ist eine große Datenbank der Mikroben, die im Eis gefunden wurden.

Insgesamt 968 mikrobielle Spezies fanden die Forschenden im Eis – hauptsächlich Bakterien, aber auch Algen, Archaeen und Pilze, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachjournal Nature Biotechnology. 98 Prozent der entdeckten Mikroben waren zuvor unbekannt. Dass so viele verschiedene Mikroorganismen gefunden wurden, kam für die Forschenden offenbar überraschend. Schließlich seien die Lebensbedingungen dort „extrem“: niedrige Temperaturen, hohe Sonneneinstrahlung, periodische Frost-Tau-Zyklen und eine Begrenzung der Nährstoffe hielten die Mikroben offenbar nicht davon ab, dort zu leben, berichten die Studienautorinnen und -autoren.

Klimawandel setzt Gletschern zu – und könnte gefährliche Mikroben freisetzen

Die überraschende mikrobielle Vielfalt in Gletschern – gepaart mit dem verstärkten Schmelzen von Gletschereis durch den Klimawandel – erhöht der Studie zufolge die Chancen, dass möglicherweise gefährliche Mikroben – am wahrscheinlichsten sind der Studie zufolge Bakterien – freigesetzt werden und zu lokalen Epidemien oder gar Pandemien führen. Tatsächlich könnten einige der neu entdeckten Bakterien sehr gefährlich für Menschen oder andere Organismen sein, berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Studie.

In dem neu erstellten Katalog gibt es 27.000 potenzielle Virulenzfaktoren – Moleküle, die Bakterien dabei helfen, einen potenziellen Wirt zu befallen. Etwa 47 Prozent dieser Faktoren habe man vorher noch nie gesehen, sodass es keine Möglichkeit gebe zu wissen, wie gefährlich die Bakterien sein könnten.

Studie: Hochland von Tibet könnte Hotspot für künftige Pandemien sein

Das Hochland von Tibet könnte ein Hotspot für die Entstehung künftiger Pandemien sein, berichten die Forschenden in ihrer Studie. Von dort werden eine Reihe von Flüssen mit Frischwasser versorgt – unter anderem der Jangtse, der Gelbe Fluss und der Ganges. Flüsse, die zwei der bevölkerungsreichsten Länder der Welt versorgen: China und Indien. Doch nicht nur diese beiden Länder sind von diesem potenziellen Problem betroffen: Auf der Erde gibt es mehr als 20.000 Gletscher, die etwa zehn Prozent der irdischen Landmasse bedecken. Jeder dieser Gletscher dürfte seine eigenen mikrobiellen Bewohner haben.

Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigte, dass beinahe jeder Gletscher auf der Erde zwischen 2000 und 2019 einen beschleunigten Eisverlust hatte – was das Risiko vergrößert, dass gefährliche Mikroben aus dem Eis irgendwo auf dem Planeten auftauen. Auch ein Gletscherbruch mit mehreren Toten in den italienischen Alpen könnte durch klimatische Veränderungen in der Region verursacht worden sein. (tab)

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