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Kälte hebelt Abwehrmechanismus der Nase aus – im Winter erkältet man sich schneller

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Von: Tanja Banner

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Eine neue Studie zeigt, warum Erkältungsviren im Winter weit verbreitet sind – der Grund überrascht.

Boston – Wird es draußen kalt, beginnen die Nasen zu laufen – die Zeit der Erkältungen und der Grippewelle hat begonnen. Doch warum sind Infektionen der oberen Atemwege gerade in der kalten Jahreszeit weit verbreitet? „Üblicherweise ging man davon aus, dass die Erkältungs- und Grippesaison in den kühleren Monaten stattfindet, weil die Menschen dann mehr in geschlossenen Räumen sind, in denen sich die Viren leichter verbreiten können“, erklärt Benjamin S. Bleier vom Massachusetts Eye and Ear, einem Lehrkrankenhaus der Universität Harvard.

Gemeinsam mit einem Forschungsteam hat Bleier eine Studie zum Thema im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht und ist dabei auf eine andere Erklärung gestoßen. „Unsere Studie deutet auf eine biologische Ursache für die saisonalen Schwankungen bei Virusinfektionen der oberen Atemwege hin, die wir jedes Jahr erleben und die sich zuletzt während der Covid-19-Pandemie gezeigt haben“, fährt Bleier fort.

Die neue Studie zeigt den Autorinnen und Autoren zufolge erstmals einen biologischen Mechanismus, der erklärt, warum Erkältungsviren, Grippeviren und das Coronavirus in der kalten Jahreszeit häufiger auftreten.

Erkältungsviren dringen in die Nase ein – die reagiert

Die Nase ist meist der erste Körperteil, in den die Viren eindringen – meist werden sie eingeatmet oder gelangen über die Hände in die Nase. Von dort arbeiten sie sich durch die Atemwege und in den Körper, wo sie Zellen infizieren – was zu einer Erkrankung der oberen Atemwege führen kann.

Dringen Erkältungsviren in die Nase ein, reagiert diese mit einem Abwehrmechanismus. Doch bei Kälte funktioniert er weniger gut. (Symbolbild)
Dringen Erkältungsviren in die Nase ein, reagiert diese mit einem Abwehrmechanismus. Doch bei Kälte funktioniert er weniger gut. (Symbolbild) © imago images/Westend61

Wie genau die Nase Krankheitserreger abwehrt, war lange nicht bekannt. In einer Studie 2018 fand ein anderes Forschungsteam unter der Mitwirkung von Bleier heraus, dass Zellen vorne in der Nase Bakterien erkennen und als Reaktion darauf Milliarden von winzigen, membranumhüllten Sekretkügelchen produzieren. 2018 fanden die Forschenden weiterhin heraus, dass diese Kügelchen antibakterielle Proteine von der Nase bis in die Atemwege schicken, die andere Zellen vor den Bakterien schützen.

Studie: Nase startet Täuschungsmanöver gegen Erkältungsviren

Für die neue Studie untersuchten die Forschenden nun, ob diese Immunreaktion auf Bakterien beschränkt ist, oder auch bei eindringenden Viren aktiv wird. Dabei analysierte das Team unter der Leitung von Di Huang, wie Zellen und Nasengewebeproben auf drei verschiedene Viren reagieren, die alle Erkältungen verursachen: ein Coronavirus und zwei Rhinoviren. Und tatsächlich: Die Immunantwort reagierte auch auf die Viren, jedoch über einen anderen Signalweg als bei den Bakterien.

Dadurch sind die Sekretkügelchen bei der Abwehr von Viren anders zusammengesetzt, wie die Forschenden herausfanden: Die Kügelchen tragen an ihrer Oberfläche genau die Rezeptoren, an die die Viren sich binden, um in die Schleimhäute einzudringen – der Körper hat ein Täuschungsmanöver gestartet. „Je mehr Köder, desto mehr können die Kügelchen die Viren im Schleim auffangen, bevor die Viren eine Chance haben, sich an die Nasenzellen zu binden, was die Infektion unterdrückt“, erklärt Huang in einer Mitteilung.

Erkältung bei tiefen Temperaturen: Täuschungsmanöver funktioniert schlechter

Nach dieser Erkenntnis gingen die Forschenden noch einen Schritt weiter, denn sie wollten herausfinden, wieso Erkältungsviren gerade bei tiefen Temperaturen grassieren. Also reduzierten sie die Temperatur der Nasengewebeproben um fünf Grad Celsius (entspricht einer Außentemperatur von etwa 4,4 Grad Celsius) und machten eine überraschende Entdeckung: Die Anzahl der Sekretkügelchen, die als Köder agierten, war knapp 42 Prozent geringer als zuvor, außerdem waren weniger antivirale Proteine vorhanden.

„Zusammengenommen liefern diese Ergebnisse eine mechanistische Erklärung für die saisonalen Schwankungen bei Infektionen der oberen Atemwege“, erklärt Huang. Sein Co-Autor Mansoor Amiji fasst zusammen: „Wir haben einen neuen Immunmechanismus in der Nase aufgedeckt, der ständig unter Beschuss steht, und wir haben gezeigt, was diesen Schutz beeinträchtigt.“

Dem Forschungsteam stellen sich nach diesen Erkenntnissen sofort wieder neue Fragen. Die wichtigsten davon formuliert Amiji so: „Wie können wir dieses natürliche Phänomen ausnutzen und einen Abwehrmechanismus in der Nase neu schaffen und diesen Schutz verstärken, insbesondere in den kälteren Monaten?“ Die Forschenden können sich unter anderem ein Nasenspray vorstellen, das die Anzahl der Sekretkügelchen erhöht. (tab)

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