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Diabetes: So wirkt sich die Erkrankung auf das Gedächtnis aus

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Von: Tanja Koch

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Ein an Diabetes erkrankter Mensch misst seinen Blutzuckerwert.
Ein an Diabetes erkrankter Mensch misst seinen Blutzuckerwert. © nehru/Imago

Kognitive Tests und Tomografien ergaben: Typ-2-Diabetes lässt die graue Substanz im Gehirn schrumpfen – und somit auch das Gedächtnis.

New York – Offenbar gehen kognitive Fähigkeiten bei Patient:innen mit Typ-2-Diabetes, das auch kurzzeitig infolge einer Corona-Infektion auftreten kann, im Alter schneller zurück als bei gesunden Menschen. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Lilianne Mujica-Parodi von der Stony Brook University School of Medicine im US-Staat New York hat anhand der US-Biobank-Studie untersucht, inwiefern Diabetes und Erkrankungen wie Demenz zusammenhängen. Veröffentlicht wurde die Studie via eLife.

18.829 Menschen im Alter von 50 bis 80 Jahren hatten für die US-Biobank-Studie an kognitiven Tests teilgenommen. Neben abstraktem Denken wurde auch beispielsweise das Zahlengedächtnis, die Reaktionszeit und die Verarbeitungsgeschwindigkeit überprüft. Auch zum zielgerichteten Handeln, zum Treffen von Entscheidungen sowie der Impulskontrolle – sogenannte Exekutivefunktionen – sammelten die Forschenden Daten. 

US-Studie zeigt: Kognitive Leistungen nehmen bei Menschen mit Diabetes schneller ab

All diese Dinge funktionieren mit steigendem Alter schlechter. Im Normalfall gehen etwa die exekutiven Fähigkeiten um 1,9 Prozent pro Jahr zurück. Bei der Reaktionszeit beträgt der Wert normalerweise 1,5 Prozent pro Jahr. 

Diabetes mellitus (dt.: Zuckerkrankheit)
Art:Gruppe von Stoffwechselstörungen der Kohlenhydrate
Beruht auf:Mangel an Insulin

Die Forschenden beobachteten bei den 914 Typ-2-Diabetiker:innen jedoch einen um 13,1 Prozent über das normale Altern hinaus gehenden Rückgang der exekutiven Fähigkeiten. Bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit fiel der Rückgang um 6,7 Prozent stärker aus. Das Zahlengedächtnis wurde um zusätzliche 3,7 Prozent schlechter. Beim abstrakten Denken erreichten die Testpersonen mit und ohne Diabetes durchweg ähnliche Werte.

Typ-2-Diabetes stört die Hirnversorgung – das fördert wohl Gewebeschwund

Die Forschenden erklären sich diese Ergebnisse mit einem beschleunigten Gewebeschwund der jeweiligen Hirnareale bei Diabetiker:innen. Magnetresonanztomografien bei 4775 Teilnehmer:innen der UK Biobank bestätigten dies: Die Altersatrophie des Gehirns verliert bei den Diabetiker:innen schneller. Der Rückgang der grauen Substanz im ventralen Striatum, das an Exekutivfunktionen des Gehirns beteiligt ist, fiel bei Diabetes-Typ-2 um 6,2 Prozent stärker aus.

Im Kleinhirn lag der Unterschied bei 4,9 Prozent, im Putamen, der nervliche Signale verarbeitet, bei 4,7 Prozent. Insgesamt geschieht der Gewebeschwund bei Typ-2-Diabetikern im Alter um 26 Prozent schneller als bei gesunden Menschen. Bei Diabetikern fiel der Rückgang stärker aus als bei Diabetikerinnen.

Die Ursache dessen ist, dass es sich bei Diabetes Typ 2 um eine Störung der Energieversorgung handelt – die Zellen werden mit weniger Glukose versorgt. Die Nervenzellen im Gehirn sind aber genau darauf angewiesen. Mit Diabetes einhergehender hoher Blutdruck sowie hohe Cholesterinwerte stören aufgrund der Atherosklerose zudem die Durchblutung des Gehirns. Auch das Medikament Metformin, das den Blutzucker senkt, kann den Gewebeschwund der Studie zufolge wohl nicht aufhalten. Wird Diabetes früh erkannt – es gibt diverse Anzeichen wie etwa Abgeschlagenheit – können viele Schäden der Krankheit aber rechtzeitig vorgebeugt werden. (tk)

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