Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schulkinder mit Masken: Corona könnte zukünftig zu einer Kinderkrankheit werden.
+
Schulkinder mit Masken: Corona könnte zukünftig zu einer Kinderkrankheit werden.

Corona-Pandemie

Studie: Corona könnte vermehrt zur Kinderkrankheit werden

  • VonMirko Schmid
    schließen

Laut einer Studie eines internationalen Forschungsteams könnte sich Corona zu einer Kinderkrankheit entwickeln. Dies könnte eine gute Nachricht sein.

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der University of Oslo in Norwegen und der Pennsylvania State University in den USA hat eine Studie veröffentlicht. In der Forschungsarbeit heißt es, dass sich die Krankheitslast des Coronavirus in den nächsten Jahren vor allem auf Kinder verlagern wird.

Sollten die Forschenden, die ihre Arbeit im wissenschaftlichen Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht haben, mit ihrer Annahme Recht behalten, würde dies eine spürbare Entspannung der Lage bedeuten. Denn eine solche Verlagerung auf Kinder würde laut des Internet-Fachmagazins „heilpraxis.net“ bedeuten, dass die Gesamtbelastung durch Corona zurückgehen würde. Dies läge daran, dass der Schwergrad einer Erkrankung mit dem Coronavirus bei Kindern deutlich geringer ist.

In einem solchen Fall könnte es zur Entwicklung weg von einer Pandemie hin zur einer Endemie kommen. Als Endemie wird eine sich schnell ausbreitende ansteckende Infektionskrankheit bezeichnet, die im Unterschied zu einer Pandemie auf kleinere Gebiete begrenzt ist. Im Gegensatz zu einer Pandemie gilt eine Endemie darüber hinaus als nicht zeitlich begrenzt, sondern dauerhaft. Beispielhaft für eine endemische Seuche stehen unter anderem Cholera und Malaria, welche sich vor allem in Afrika dauerhaft ausgebreitet haben.

Bereits zwischen 1889 und 1890 rollte eine Coronavirus-Welle

Ottar Bjornstad von der University of Oslo berichtete, dass es im Zusammenhang mit dem Coronavirus klare Anzeichen für einen mit dem Alter zunehmenden Schweregrad gebe. Die zutage förderten Modellierungsergebnisse des Forschungsteams würden jedoch darauf hindeuten, dass sich das Infektionsrisiko wahrscheinlich auf jüngere Kinder verlagern werde, da „die erwachsene Bevölkerung entweder durch Impfung oder Exposition gegenüber dem Virus immun wird“.

Dies würde Beobachtungen entsprechen, welche bereits bei anderen Viren aus der Familie Corona oder Influenza gemacht worden seien. Auch diese hätten zunächst zu heftigen Infektionswellen geführt, seien aber im späteren Verlauf endemisch geworden. Historische Aufzeichnungen über Atemwegserkrankungen würden zeigen, dass sich die Muster der Altersinzidenz bei neuen Epidemien stark von der endemischen Verbreitung unterscheiden könnten, so Bjornstad.

Als Beispiel führen die Forschenden die als als asiatische oder russische Grippe bezeichnete Pandemie in den Jahren 1889 und 1890 an. Auch in diesem Fall habe es sich um ein Coronavirus gehandelt, das heute als HcoV-OC43 bezeichnet wird. Rund eine Millionen Erwachsene hätten ihr Leben aufgrund einer Infektion mit dieser Krankheit verloren, vor allem im Alter von über 70 Jahren sei die Sterblichkeit hoch gewesen. Heute sei das Virus noch immer endemisch und befalle vor allem Kinder im Alter von sieben bis 12 Monaten endemisch.

Eine frühkindliche Ansteckung mit dem Coronavirus könnte künftige Infektionen signifikant abmildern

Eine bereits frühkindliche Ansteckung mit dem aktuell grassierenden Coronavirus COVID-19 hätte zum Vorteil, dass verschiedene Studien zu dem Schluss kommen, dass mit jeder weiteren Infektion mit dem Virus der Schweregrad der Erkrankung sinke. Zwar lasse die Immunität nach einer ersten Erkrankung nach einiger Zeit nach, jedoch würden im Falle einer endemischen Entwicklung deutlich seltener schwere Krankheitsverläufe auftreten.

InstitutUniversity of OsloPennsylvania State University
StudierendeRund 30.500Rund 86.000
StandortOslo, NorwegenPennsylvania, USA
Gründung18111855
TrägerschaftStaatlichStaatlich

Trotzdem zeige die Forschung, dass eine Impfung einen stärkeren Schutz biete als eine Exposition gegenüber dem Virus, so Bjornstad. Von daher empfiehlt der Wissenschaftler weiterhin, „sich so bald wie möglich“ impfen zu lassen. Grundlage der Forschungsergebnisse sei ein „realistisches altersstrukturiertes mathematisches Modell“ (RAS), das sowohl den Grad der sozialen Durchmischung auch die Demografie und Dauer der Immunität berücksichtige. So sei es möglich, eventuelle künftige Szenarien mit Bezug auf die Altersinzidenz und die Sterblichkeit infolge einer Infektion mit dem Coronavirus zu untersuchen.

Insgesamt habe das norwegisch-amerikanische Jointventure Prognosen für ein Jahr, zehn Jahre und 20 Jahre durchgeführt und dabei die Umstände in insgesamt elf Ländern berücksichtigt, darunter China, die USA, Japan, Brasilien, Frankreich und Deutschland. Laut Ruiyun Li, die wie Bjornstad an der Universität Oslo forscht, ermögliche ein solcher Modellrahmen robuste Vorhersagen des altersabhängigen Risikos angesichts kurz- oder langfristig schützender Immunität, der Verringerung des Schweregrads der Krankheit bei vorheriger Exposition sowie der Berücksichtigung der verschiedenen Länder mit ihren unterschiedlichen demografischen Gegebenheiten.

Grundlage der Studie ist, dass eine zweite Infektion mit Corona milder verläuft

Bei vielen infektiösen Atemwegserkrankungen steige die Prävalenz in der Bevölkerung während einer jungen Epidemie sprunghaft an, gehe dann aber in einem abnehmenden Wellenmuster zurück, während sich die Ausbreitung der Infektion im Laufe der Zeit zu einem endemischen Gleichgewicht entwickele, so Li.

Allerdings sei für die Aussagekraft des Modells grundlegend, dass Reinfektionen tatsächlich nur leichte Erkrankungen verursachen, ergänzte Professorin Jessica Metcalf von der Princeton University im US-Bundesstaat New Jersey. Sollte eine erstmalige Infektion jedoch nicht zu einer Verhinderung oder zumindest einer Abmilderung einer weiteren Infektion führen, könnte die Sterblichkeitsrate im Laufe der Zeit unverändert bleiben. In einem solchen Fall würde die „übermäßige Sterblichkeit aufgrund ständiger schwerer Reinfektionen“ so lange anhalten, bis „wirksamere pharmazeutische Mittel“ zur Verfügung stünden. (Mirko Schmid)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare