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Neuer Sternschnuppen-Strom möglich – Erde fliegt durch Bruchstücke eines Kometen

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Von: Tanja Banner

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Mit den Tau-Herculiden könnte Ende Mai 2022 ein neuer Sternschnuppen-Strom am Himmel zu sehen sein. (Archivbild)
Mit den Tau-Herculiden könnte Ende Mai 2022 ein neuer Sternschnuppen-Strom am Himmel zu sehen sein. (Archivbild) © VWPics/Imago Images

Ein Komet zerbricht in viele Teile. Daraus könnte ein neuer Sternschnuppen-Strom entstehen. Ende Mai könnten die Tau Herculiden zu sehen sein.

Frankfurt – Jeden Tag wird die Erde von Millionen Teilchen aus dem Weltall getroffen. Die meisten von ihnen sind nicht größer als ein Staub- oder Sandkorn. Sie dringen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 260.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre ein und verglühen dort – auf der Erde ist eine Sternschnuppe zu sehen. Jede Nacht können im Durchschnitt vier bis acht Sternschnuppen pro Stunde beobachtet werden, schätzt die US-Raumfahrtorganisation Nasa. Der Leiter des Nasa-Büros für Meteoroiden, Bill Cooke, betont: „Meteore sind keine Seltenheit. Die Erde wird jeden Tag von Millionen von interplanetaren Trümmerteilen bombardiert, die durch unser Sonnensystem rasen.“

Besonders viele Sternschnuppen in relativ kurzer Zeit kann man sehen, wenn die Erde sich auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne durch eine Staubspur bewegt, die ein Komet oder Asteroid auf seinem Weg durch das Weltall hinterlassen hat. Die meisten dieser Sternschnuppen-Ströme kehren jedes Jahr wieder, besonders bekannt sind etwa die Geminiden im Dezember oder die Perseiden im August. „Es ist eine perfekte Gelegenheit für Weltraumfans, eine der eindrucksvollsten Lichtshows der Natur zu erleben“, so Cooke.

Neuer Sternschnuppen-Strom Ende Mai möglich: Kommen die Tau-Herculiden?

Im Jahr 2022 könnte sich zu den bisher bekannten Sternschnuppen-Strömen ein „Newcomer“ gesellen, der mit dem Kometen 73P/Schwassmann-Wachmann (SW3) in Verbindung steht. Dieser Komet benötigt 5,4 Jahre, um die Sonne einmal zu umrunden. Seit dem Jahr 1995 zerbricht der Komet in immer mehr Stücke und hinterlässt eine Staubspur auf seiner Umlaufbahn. Im Jahr 2006 bestand er aus knapp 70 Bruchstücken, die seitdem noch weiter zerbrochen sind, berichtet die Nasa.

Sternschnuppen-Kalender

Wann sind die meisten Sternschnuppen am Himmel zu sehen? Mit dem Sternschnuppen-Kalender haben Sie den Überblick.

Der Komet SW3 könnte dieses Jahr für einen ungewöhnlichen Sternschnuppen-Regen sorgen: Die Erde kreuzt die Umlaufbahn des Kometen und fliegt durch Bruchstücke des Kometen, die die Erdatmosphäre treffen dürften – und zwar eher langsam, mit einer Geschwindigkeit von nur knapp 60.000 Kilometern pro Stunde. Im besten Fall kann man mehrere hundert langsame, helle Sternschnuppen pro Stunde sehen, die rötlich oder orange leuchten, erklärt der Astronom Joe Rao bei Space.com. Es sei jedoch auch möglich, dass nur wenige Partikel des Kometen die Erde treffen – oder gar keine. Eine weitere Möglichkeit sieht Rao, der eine Studie über den Kometen SW3 und die möglichen Sternschnuppen veröffentlicht hat, darin, dass es zwar zahlreiche Meteore gibt, die jedoch so langsam sein könnten, dass sie mit bloßem Auge überhaupt nicht zu sehen sind.

Möglicher Sternschnuppen-Strom Tau-Herculiden: „Könnte einen Meteorsturm geben“

Die International Meteor Organization (IMO) zitiert in ihrem Meteorstrom-Kalender für das Jahr 2022 den japanischen Experten Mikiya Sato: „Die Dichte der Staubspur wird gering sein, da sie eine hohe Freisetzungsgeschwindigkeit erfordert, um in Erdnähe zu kommen. Dennoch könnte es einen Meteorsturm wegen der Staubmenge beim Zerfall geben.“ Bei einem Meteorsturm kann es zu tausend oder mehr Sternschnuppen pro Stunde kommen – das geschieht jedoch nur äußerst selten.

Name:Tau-Herculiden
Typ:möglicher Sternschnuppen-Regen
Mutterkörper:Komet 73P/Schwassmann-Wachmann (SW3)
Aktivität:30./31. Mai 2022
Maximum:31. Mai 2022, gegen 7 Uhr MESZ

Neuer Sternschnuppen-Schauer Ende Mai ist möglich

Der potenzielle neue Sternschnuppen-Strom hat bereits einen Namen: Tau-Herculiden. Solle der neue Sternschnuppen-Strom tatsächlich Wirklichkeit werden, kommen vor allem die USA, ein Teil Kanadas, Mexiko, Zentral- und Südamerika sowie ein Teil Westafrikas in den Genuss der Sternschnuppen. In allen anderen Regionen dürfte es für Sternschnuppen zum errechneten Zeitpunkt zu hell sein. In Deutschland liegt dieser am 31. Mai 2022 um 07.00 Uhr. Um diese Zeit ist die Sonne Ende Mai längst aufgegangen, Sternschnuppen können am Himmel nicht mehr gesehen werden.

Wer sich Ende Mai in einer Region aufhält, in der der neue Sternschnuppen-Strom sichtbar sein könnte, sollte am dunklen Himmel den orange leuchtenden Stern Arktur im Sternbild Bärenhüter suchen. Diesen findet man, indem man die Deichsel des Sternbilds Großer Wagen verlängert. Das helle Licht des Monds spielt im Fall des möglichen neuen Sternschnuppen-Stroms übrigens keine Rolle: Am 30. Mai ist Neumond. (tab)

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