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„Starlink“-Satelliten von SpaceX „vermüllen“ Nachthimmel und Erdumlaufbahn

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SpaceX will mit tausenden „Starlink“-Satelliten schnelles Internet anbieten - und nimmt dafür in Kauf, Erdorbit und Nachthimmel zu „vermüllen“. Ein Kommentar.

  • Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX will tausende „Starlink“-Satelliten starten
  • Die Satelliten sollen schnelles Internet in allen Ecken der Erde möglich machen
  • Elon Musk setzt auf Milliarden-Einnahmen - und vermüllt mit seinen Satelliten Erdorbit und Nachthimmel

SpaceX möchte mit dem Projekt „Starlink“ schnelles Internet aus dem All anbieten - über Satelliten soll Internet auch in den abgelegensten Winkeln der Erde verfügbar sein. Doch schon seit dem Start der ersten 60 „Starlink“-Satelliten im Mai 2019 reißt die Kritik an dem Projekt nicht ab. Denn wie sich bereits damals herausstellte, werden die Satelliten bei ihrer Umrundung der Erde immer wieder von der Sonne angestrahlt und sind dann wie eine „Lichterkette“ hell am Himmel zu sehen. Und zwar so deutlich, dass es auch Menschen auffällt, die nicht hobbymäßig oder beruflich den Himmel beobachten.

„Starlink“-Satelliten von SpaceX: Beeindruckend und störend - je nach Perspektive

Während Laien den Anblick der „Starlink“-Satelliten als „Lichterkette“ am Himmel vielleicht sogar ganz spannend finden, stören sich Amateur- und Berufsastronomen an den schnell über den Himmel ziehenden, hellen Lichtpunkten. Ihre Beobachtungen werden von den „Starlink“-Satelliten massiv beeinträchtigt - die Satelliten ziehen sich als helle Lichtstreifen durch die Langzeitaufnahmen von Astronomen und stören die wissenschaftliche Arbeit. Auch die Radioastronomie wird von den Funksignalen der Satelliten gestört. Es gibt hinter den Kulissen Bemühungen, die Situation zu verbessern, doch bisher hat noch nichts gefruchtet.

Für Elon Musk und SpaceX ist das Projekt „Starlink“ wohl in erster Linie ein gutes Geschäft: Weltweit sind etwa vier Milliarden Menschen ohne Internet-Zugang. Sie alle langfristig ins Internet zu bringen, verspricht sich zu lohnen. Ab 1000 Satelliten soll das Projekt „Starlink“ „ökonomisch vertretbar“ sein, erklärte Elon Musk vor einiger Zeit. Er erwartet nach eigenen Angaben, dass „Starlink“ bis zu 30 Milliarden US-Dollar im Jahr einbringen wird, was die weiteren Aktivitäten von SpaceX - allen voran bemannte Flüge zum Mars - finanzieren soll. Auch andere Unternehmen - unter anderem Amazon - haben Pläne, Satelliten-Konstellationen aufzubauen, die Internet aus dem All zur Verfügung stellen sollen.

„Starlink“-Projekt von SpaceX und Elon Musk: Schnelles Internet überall

Sicherlich kann die Verfügbarkeit von Internet in abgehängten Regionen Gutes bewirken, wie unter anderem die BBC recherchiert hat. Doch es stellt sich die Frage, ob sich die Menschen dort das „Starlink“-Internet tatsächlich leisten können. Dazu gibt es bisher keinerlei Informationen von SpaceX. Bisher weiß man nur, dass das Internet per Satellit 2020 in den USA und Kanada und ab 2021 im Rest der Welt verfügbar sein soll.

Abgesehen davon gibt es ein großes Problem in der Erdumlaufbahn: die „Starlink“-Satelliten und andere geplante Satelliten-Konstellationen erhöhen binnen kurzer Zeit die Zahl der aktiven Satelliten massiv - und im Erdorbit wird der Platz auch ohne die Internet-Satelliten schon eng. Dort halten sich nämlich nicht nur die mehr als 2000 aktiven Satelliten auf; auch Weltraumschrott zieht seine Bahnen - unkontrollierbar und potenziell gefährlich.

Durch Internet-Satelliten wie „Starlink“ wird der Erdorbit sehr voll

Generell gilt, dass ausrangierte Satelliten entweder kontrolliert zum Absturz gebracht werden oder aber mit dem letzten Treibstoff in einen so genannten „Friedhofsorbit“ gesteuert werden. Dort können sie dann ihre Kreise ziehen und stören aktive Satelliten nicht. Doch bisher gibt es keine Regulierung im Erdorbit und eine solche „Entsorgung“ von Satelliten ist bislang nicht vorgeschrieben. Werden die Umlaufbahnen im niedrigen Erdorbit (LEO), in dem sich die „Starlink“-Satelliten bewegen sollen, zu voll, steigt die Gefahr der Kollision mit anderen Satelliten.

Im niedrigen Erdorbit umkreisen vor allem astronomische Satelliten (wie das „Hubble“-Weltraumteleskop) und die ISS, aber auch Spionagesatelliten, Erderkundungs- und Wettersatelliten sowie Kommunikationssatelliten wie Iridium die Erde. Sie alle könnten Probleme bekommen, wenn es zu voll wird - es besteht die Gefahr, dass Satelliten beschädigt oder gar zerstört werden - bis hin zum so genannten „Kessler-Effekt“, bei dem kleine Objekte kollidieren und kaskadierend immer wieder neue Kollisionen verursachen.

„Starlink“-Satelliten von SpaceX „vermüllen“ Erdumlaufbahn und Nachthimmel

Drastisch formuliert, „vermüllen“ Elon Musk und sein Raumfahrtunternehmen SpaceX die Erdumlaufbahn mit Satelliten. Und auch der Nachthimmel ist betroffen, wie Astronomen immer wieder beklagen: Die „Starlink“-Satelliten zerstören mit dem Nachthimmel ein wichtiges Stück Natur. Der (Nacht-)Himmel hat die Menschheit von Anbeginn beeinflusst, die Erkenntnisse von damals sind immer noch tief in unserer Gesellschaft verwurzelt - beispielsweise im Kalender.

Grundsätzlich gilt: Der Himmel ist allgemeines Gut, er gehört jedem und sollte nicht ohne Rücksicht auf Verluste wirtschaftlich ausgebeutet werden. Ein großer Teil des Nachthimmels ist bereits durch Lichtverschmutzung nicht mehr zugänglich, in Zukunft könnte es durch Satelliten-Konstellationen wie „Starlink“ passieren, dass man am Himmel gleichzeitig mehr Satelliten als Sterne sieht.

„Starlink“-Satelliten: SpaceX will sie weniger auffällig machen - Tests laufen

Wir müssen den Nachthimmel schützen, so gut es geht. Erste Tests, die „Starlink“- Satelliten weniger auffällig zu machen, laufen bei SpaceX bereits. Das Unternehmen von Elon Musk ist in Gesprächen mit Astronomen und Vereinigungen wie der Internationalen Astronomischen Union (IAU). Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Seit Mai 2019 hat SpaceX insgesamt 420 „Starlink“-Satelliten ins All geschossen, die immer wieder am Nachthimmel zu sehen sind, noch im Mai sollen die nächsten 60 „Starlink“-Satelliten starten. Vor Beginn der Corona-Krise war geplant, etwa alle zwei Wochen weitere 60 „Starlink“-Satelliten ins All zu transportieren. Dieser Zeitplan ist durch die Coronavirus-Pandemie etwas ins Stocken geraten, doch SpaceX plant weiterhin mit knapp 12.000 Satelliten, Anträge für den Start weiterer 30.000 Satelliten wurden gestellt.

Zum Vergleich: Seit dem Start des ersten Satelliten „Sputnik 1“ im Jahr 1957 wurden etwa 8500 Satelliten ins All geschossen. Derzeit sind - ohne „Starlink“ - etwas mehr als 2000 aktive Satelliten im Erdorbit. SpaceX könnte die Zahl der Satelliten im All alleine schnell verdoppeln - ein Grund, weiter am Ball zu bleiben und genau zu beobachten, was SpaceX in Sachen „Starlink“ plant.

SpaceX dürfte das erste private Raumfahrtunternehmen werden, das Astronauten zur ISS befördert - der Beginn einen neuen Ära.

Rubriklistenbild: © AFP PHOTO / HO/ MARCO LANGBROEK, LEIDEN, THE NETHERLANDS

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