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Die „Starlink“-Satelliten von SpaceX ziehen über den Nachthimmel – manch ein Beobachtender denkt an Ufos und ruft die Hotline an.
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Die „Starlink“-Satelliten von SpaceX ziehen über den Nachthimmel – manch ein Beobachtender denkt an Ufos und ruft die Hotline an.

Mega-Konstellation

Satelliten im Formationsflug sorgen für „Ufo“-Meldungen

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
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Hell leuchtende „Starlink“-Satelliten von SpaceX sind immer wieder am Himmel zu sehen. Seit dem ersten Start schnellen die „Ufo“-Meldungen in die Höhe.

Wer in diesen Tagen zur richtigen Zeit in den dunklen Himmel schaut, der könnte sie sehen: Helle Lichtpunkte, die wie an einer Schnur aufgezogen über den Himmel rasen. Sieht man das Phänomen zum ersten Mal und weiß nicht, was dahintersteckt, wirkt diese „Lichterkette“ am Himmel etwas unheimlich – schließlich gibt es erst einmal keine logische Erklärung dafür. Sterne bewegen sich nicht so schnell und erst Recht nicht akkurat hintereinander, auch Planeten machen diese Bewegung nicht. Flugzeuge blinken im Dunkeln – außerdem würden nicht so viele Flugzeuge hintereinander über den Himmel fliegen. Doch was steckt dann hinter dem Schauspiel am Himmel?

Wer sich gelegentlich mit den Themen Astronomie und Raumfahrt beschäftigt, kennt die Antwort möglicherweise: Bei der „Lichterkette“, die über den Himmel zieht, handelt es sich um „Starlink“-Satelliten. „Starlink“ ist ein Projekt von SpaceX, dem privaten Raumfahrtunternehmen des Milliardärs Elon Musk, das schnelles Internet aus dem Weltall überall auf der Erde verfügbar machen soll. Musks Plan hat es in sich: Mehrere zehntausend Satelliten sollen in Zukunft die Erde umkreisen, um in allen Ecken der Welt für schnelles Internet zu sorgen. Ende Mai befanden sich etwa 1600 der kleinen Satelliten im Erdorbit; SpaceX ist damit bereits heute der größte Satellitenbetreiber der Welt.

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„Starlink“-Satelliten sorgen für besorgte „Ufo“-Meldungen

Und geplant ist noch viel mehr: Bis zum Jahr 2027 verfügt das Unternehmen von Elon Musk über befristete Genehmigungen für den Start von maximal 11.927 „Starlink“-Satelliten. Außerdem hat SpaceX Anträge für weitere bis zu 30.000 Satelliten gestellt. Etwa alle zwei bis drei Wochen bringt SpaceX jeweils bis zu 60 „Starlink“-Satelliten an Bord einer „Falcon 9“-Rakete ins All. Dort fliegen die Satelliten zuerst sehr nah hintereinander, im Laufe der Zeit entfernen sie sich weiter voneinander und steigen weiter nach oben, bis sie ihre geplante Umlaufbahn in einer Höhe von etwa 550 Kilometern erreichen.

Gerade in der ersten Phase nach dem Start sind die „Starlink“-Satelliten meist hell und auffällig am Himmel zu sehen. „Starlink Train“ wird dieses Phänomen genannt, das immer wieder für besorgte Anrufe bei der Ufo-Meldestelle von Hansjürgen Köhler in Michelstadt im Odenwald sorgt. Das „Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene“ (CENAP), das Köhler betreibt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Meldungen von Himmelsphänomenen zu überprüfen und sich kritisch mit angeblichen Ufo-Sichtungen auseinanderzusetzen.

„Als die ersten Starlink-Satelliten in den Orbit kamen, sprangen bei uns die Meldungen in die Höhe“, erzählt Köhler. Innerhalb von sechs Wochen seien damals 219 „Ufo“-Meldungen auf die Satelliten zurückzuführen gewesen – bei normalerweise 300 bis 400 Meldungen im Jahr. Im Jahr 2020 seien gar 602 von insgesamt 895 „Ufo“-Meldungen auf die „Starlink“-Satelliten zurückzuführen gewesen, so Köhler.

„Lichter in Formation“: „Starlink“-Satelliten sind hell am Himmel zu sehen

Als im Mai 2019 die ersten 60 „Starlink“-Satelliten ins All geschossen wurden, lösten sie gleich eine große Kontroverse aus: In den Tagen nach dem Start waren die Satelliten sehr hell und deutlich am Abendhimmel zu erkennen. Ein Satelliten-Beobachter aus den Niederlanden hatte den weithin sichtbaren Zug der Satelliten am Himmel gefilmt und mit seinem Video eine Diskussion im Internet losgetreten: Stören die „Starlinks“ den Nachthimmel? Und wird es durch die ambitionierten SpaceX-Pläne nicht sehr voll im Erdorbit? Stand Januar 2021 umkreisten etwa 3300 operative Satelliten die Erde – alleine etwa 900 davon gehörten zur „Starlink“-Flotte von SpaceX. Seither hat sich die Zahl der SpaceX-Satelliten fast verdoppelt.

Naheliegend, dass das am Nachthimmel nicht unbemerkt bleibt. Die Anrufer, die bei Köhler ein „Ufo“ melden wollen, erzählen ihm von „Sternenketten“, „Lichtern in Formation“ oder berichten darüber, dass sich „der Sternenhimmel bewegt“. 2019 hatte Köhler an manchen Abenden bis zu 36 Meldungen per Telefon und E-Mail, auch in den vergangenen Wochen gab es wieder vermehrt Meldungen der vermeintlichen „Ufos“. Auch in anderen Bereichen war das Interesse deutlich zu spüren: Die Facebook-Gruppe „Astronomie für Anfänger und Einsteiger“ wurde ebenfalls mit zahlreichen Anfragen zu dem deutlich sichtbaren Himmelsphänomen überhäuft. Es ist nicht verwunderlich: Wer einmal einen „Starlink Train“ kurz nach dem Start am Himmel beobachtet hat, kann verstehen, dass unbedarfte Augenzeug:innen des Schauspiels zumindest verwirrt sind, was sie da gerade gesehen haben.

StarlinkProjekt von SpaceX
Satelliten im Erdorbit1.663 (Stand: Ende Mai 2021)
Flughöheetwa 550 Kilometer
Anzahl Startsca. alle zwei Wochen
Anzahl Satelliten pro Startmaximal 60 Starlinks
Genehmigung für weitere Satellitenmaximal 11.927 bis 2027
weitere Anträgefür bis zu 30.000 weitere Satelliten

SpaceX-Satelliten sorgen für Ärger bei Astronomie-Organisationen

Bereits nach dem Start der ersten „Starlinks“ beschwerten sich Astronomie-Organisationen und Astronom:innen öffentlich über die störenden Satelliten und sorgten dafür, dass SpaceX begann, an einer Verbesserung der Situation zu arbeiten. Seit einiger Zeit sind neue „Starlink“-Satelliten mit einer Art „Visier“ ausgerüstet, das Sonnenstrahlen von den Teilen abhalten soll, die stark reflektieren. Außerdem wurde verändert, wie die Satelliten sich beim Aufstieg in ihren Orbit verhalten, sodass sie auch hier weniger auffällig sein sollen.

Ufo-Meldungen zeigen, dass das „Starlink“-Problem nicht gelöst ist

Doch ganz ist das Problem nicht gelöst, wie die zahlreichen Facebook-Posts und Anrufe bei der Ufo-Meldestelle zeigen. Er habe gehofft, dass sich etwas ändern würde, „aber das hat sich bisher nicht bestätigt“, ärgert sich Köhler. „Die Handy- und Video-Aufnahmen zeigen gut, wie so ein Starlink-Satelliten-Train noch Tage nach dem Start sehr auffällig am Himmel ist“. Und auch professionelle Astronom:innen sind nicht ganz zufrieden: Zwar sind die „Starlink“-Satelliten nach ihrem Aufstieg in die Umlaufbahn irgendwann mit bloßem Auge kaum noch zu sehen – empfindliche Teleskope nehmen sie jedoch immer noch wahr.

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Ein Problem, das gelöst werden muss – auch, weil weitere Organisationen riesige Satelliten-Konstellationen planen. Amazon will für das „Project Kuiper“ mehr als 3000 Satelliten für schnelles Internet ins All schießen, das Unternehmen OneWeb plant ebenfalls eine Satelliten-Konstellation und auch die ersten Staaten wollen mitmischen: Die EU hat eine Studie für ein europäisches Breitband-Satellitennetzwerk in Auftrag gegeben und China hat ein Unternehmen gegründet, das eine Mega-Konstellation mit knapp 13.000 Satelliten im niedrigen Erdorbit errichten soll. Es scheint, als würde in Zukunft mehr Arbeit auf Hansjürgen Köhler und seine Ufo-Meldestelle zukommen. (Tanja Banner)

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