Die „Starlink“-Satelliten von SpaceX sorgten nach den ersten Starts 2019 für einen Aufschrei.
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Die „Starlink“-Satelliten von SpaceX sorgten nach den ersten Starts 2019 für einen Aufschrei.

Nachthimmel

„Starlink“-Satelliten von SpaceX können „extreme“ Auswirkungen haben

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Satelliten-Konstellationen wie „Starlink“ von SpaceX sollen für schnelles Internet sorgen, allerdings gibt es schon jetzt negative Folgen. Experten warnen: Es könnte noch viel schlimmer werden.

  • Satelliten-Konstellationen wie „Starlink“ von SpaceX können am Nachthimmel für Störungen sorgen – schon jetzt gibt es negative Folgen
  • Experten warnen vor einer ernsthaften Gefahr durch die Konstellationen.
  • Wissenschaftliche Untersuchungen können durch die „Starlink“-Satelliten gestört werden.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben astronomische Sehenswürdigkeiten wie der Komet Neowise (C/2020 F3) und der Sternschnuppen-Regen der Perseiden viele Menschen den Blick zum Sternenhimmel richten lassen. Was den meisten von ihnen nicht klar gewesen sein dürfte, während sie den Anblick der Sterne, Planeten und des Kometen genossen haben: So, wie sie den Sternenhimmel jetzt sehen, wird er nie mehr sein. In Zukunft umkreisen noch mehr Satelliten die Erdkugel, einen Teil davon kann man als leuchtende Punkte über den Nachthimmel ziehen sehen.

SpaceX und Co. planen riesige Satelliten-Konstellationen wie „Starlink“

Unternehmen wie Amazon, OneWeb und allen voran SpaceX planen riesige Satelliten-Konstellationen, die für schnelles Internet aus dem All sorgen sollen. SpaceX, das private Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, hat bereits mehr als 600 Satelliten der Konstellation „Starlink“ ins All gebracht und plant alleine für das Jahr 2020 noch mehrere Raketenstarts mit jeweils um die 60 „Starlink“-Satelliten. Insgesamt plant SpaceX, zehntausende „Starlink“-Satelliten in Erdumlaufbahnen zu schicken.

Gleich nach dem ersten Start von „Starlink“-Satelliten gab es einen Aufschrei von Amateurastronomen und Profis: Die Satelliten waren deutlich am dunklen Himmel zu sehen. Die Kritik riss nicht ab und mittlerweile arbeitet SpaceX mit Experten daran, den Einfluss der Satelliten auf die Wissenschaft und den Nachthimmel zu verringern. Unter anderem werden neue „Starlink“-Satelliten nun mit einer Art „Sonnenschirm“ versehen, der die Stellen der Satelliten, die Sonnenlicht reflektieren, abschirmt. Außerdem wurde das Verhalten der Satelliten im Flug verändert, so dass sie allgemein weniger Sonnenlicht reflektieren sollen.

Kritik an „Starlink“ von SpaceX bleibt: Satelliten stören Astronomie

Trotz dieser ersten Schritte, die die Satelliten am Nachthimmel deutlich verdunkelt haben, bleibt die Kritik. Schließlich sind die großen Teleskope der professionellen Astronomie deutlich lichtempfindlicher als das bloße Auge eines Beobachters oder auch das Teleskop eines Amateurastronomen. Um die aktuelle Situation zu analysieren und Lösungswege zu finden, haben sich 250 Astronomen, Satellitenbetreiber und Verfechter eines dunklen Himmels zusammengefunden und ihre Ergebnisse in einem Bericht zusammengefasst.

Die „Starlink“-Satelliten von SpaceX sorgten nach den ersten Starts 2019 für einen Aufschrei.

Ihr Fazit: Im schlimmsten Fall hätten die Satelliten-Konstellationen „extremen“ Einfluss auf Wissenschaftsprogramme. Die beste Lösung, die die Experten gefunden haben, dürfte für die Unternehmen der Branche jedoch nicht in Frage kommen: „Startet weniger oder keine Konstellationen“, steht ganz oben auf der Liste der Vorschläge. „Das ist die einzige Option, die dafür sorgt, dass es keine Auswirkungen gibt“, so die Autoren des Berichts weiter. Alleine die „Starlink“-Satelliten könnten die Zahl der Objekte, die sich durch das Weltall bewegen und mit bloßem Auge in der Dämmerung wahrgenommen werden können, verdoppeln, warnen die Experten in ihrem Bericht.

Empfehlung der Experten: Was die Auswirkungen von „Starlink“ und Co. abmildert

Generell haben die Experten folgende Tipps, um die Auswirkungen von Satelliten-Konstellationen wie „Starlink“ von SpaceX abzumildern:

  • Satelliten-Konstellationen gar nicht erst starten
  • Satelliten dunkler machen
  • Satelliten möglichst niedrig fliegen lassen (nicht höher als etwa 600 Kilometer)
  • Satelliten so orientieren, dass sie wenige Sonnenlicht reflektieren
  • Spuren von Satelliten in Bildern mit Hilfe von Software entfernen
  • Flugbahnen von Satelliten mit Hilfe genauer Satelliten-Daten vermeiden

Satelliten-Konstellationen wie „Starlink“ von SpaceX stören die Wissenschaft

Doch nicht nur Amateurastronomen und gelegentliche Sternengucker dürften von der zunehmenden Zahl von Satelliten gestört werden. Vor allem die wissenschaftliche Arbeit wird dadurch beeinträchtigt. Die Autoren des Berichts greifen acht Bereiche heraus, für die sie detailliert den Einfluss der „Starlink“-Satelliten und anderer, geplanter Satelliten-Konstellationen, erläutern. Darunter ist auch der Bereich „erdnahe Objekte (NEOs)“. Der Himmel wird von Teleskopen automatisiert nach solchen Objekten - Asteroiden und Kometen - abgesucht, um mögliche Bedrohungen rechtzeitig zu entdecken.

Suche nach erdnahen Asteroiden wird durch Satelliten-Konstellationen gestört

Die Suche von erdnahen Objekten findet unter anderem im Auftrag des US-Kongress statt und wird auch von den Vereinten Nationen unterstützt - denn dass Asteroiden für die Erde gefährlich werden können, zeigt die Vergangenheit. Die Suche nach Asteroiden findet hauptsächlich in den Stunden der Dämmerung statt, erklären die Autoren in ihrem Bericht. Innerhalb kurzer Zeit würden mehrere Aufnahmen gemacht, um die Bewegung eines Objektes zu sehen. Allerdings sei gerade in der Dämmerung auch die Störung durch Satelliten am größten und die Wahrscheinlichkeit, dass eine Satelliten-Kette diesen Prozess störe, sei hoch, so die Experten.

Satelliten im niedrigen Erdorbit (LEO) verursachen bereits Datenverluste bei NEO-Programmen wie Pan-STARRS oder dem Catalina Sky Survey, berichten die Forscher. Außerdem würden die Spuren der Satelliten die automatische Analyse verwirren. Generell sehen die Autoren des Berichts ein „signifikantes“ Risiko für die Suche nach erdnahen Asteroiden in der Zukunft. Zwar könnte man mit entsprechender Software gegensteuern - jedoch könnte solche Software versehentlich auch die Daten von erdnahen Objekten für Satelliten halten und sie entfernen.

Satelliten in weniger als 600 Kilometern Höhe stören weniger

Zu den anderen wissenschaftlichen Bereichen, die durch Satelliten-Konstellationen wie die von SpaceX gestört werden, zählen die Forscher unter anderem Ereignisse, auf die schnell reagiert werden muss (wie beispielsweise die Entdeckung von Gravitationswellen), die Erforschung dunkler Materie und andere kosmologische Studien, bei denen die Teleskope tief ins Universum hineinblicken oder auch die Suche nach Exoplaneten.

Generell gehen die Forscher davon aus, dass Satelliten, die in einer Höhe von weniger als 600 Kilometern fliegen, die Wissenschaft (mit Ausnahme der Wissenschaft, die in der Dämmerung aktiv ist) am wenigsten beeinträchtigt. Die meisten Sorgen machen sich die Forscher daher um künftige Satelliten-Konstellationen wie die von OneWeb, die sich in einer Höhe von 1200 Kilometern bewegen sollen. (Von Tanja Banner)

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