Internet aus dem All

„Starlink“-Satelliten von SpaceX: Das steckt hinter dem Projekt von Elon Musk

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Das „Starlink“-Projekt von SpaceX und Elon Musk soll schnelles Internet überall verfügbar machen. Dazu sind viele Satelliten nötig - das sorgt für Kritik.

  • Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk will schnelles Internet aus dem All anbieten
  • Dafür sollen tausende Satelliten in Erdumlaufbahnen gebracht werden
  • Das „Starlink“-Projekt wird von Anfang an von Astronomen kritisiert

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX sorgt nicht nur mit seinen Recycling-Raketen „Falcon 9“ für Aufsehen oder damit, dass es sehr wahrscheinlich das erste private Unternehmen sein wird, das Astronauten ins All transportiert. Auch das „Starlink“-Projekt von SpaceX wird heiß diskutiert - unter anderem, weil das Ergebnis bereits jetzt am Himmel zu sehen ist: Lichterketten, die aus Satelliten bestehen, ziehen deutlich sichtbar über den dunklen Himmel.

SpaceX-Projekt „Starlink“: Satelliten sollen schnelles Internet ermöglichen

„Starlink“: dieser Name steht für ein ehrgeiziges Projekt von SpaceX, dessen Gründer der Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk ist. SpaceX nutzt die eigenen Recycling-Raketen „Falcon 9“ nicht nur, um damit die bemannte Raumkapsel „Crew Dragon“ zu transportieren, sondern auch, um unzählige Satelliten ins All zu schicken, die in Zukunft schnelles Internet aus dem Weltall in allen Ecken der Welt ermöglichen sollen. „Starlink“ werde High-Speed-Internet an Orte bringen, „wo ein Internet-Zugang bisher unzuverlässig, teuer oder nicht verfügbar war“, so das Unternehmen.

Dazu sollen in Zukunft tausende Satelliten in Erdumlaufbahnen transportiert werden und dort ein weltumspannendes Netz aufbauen, das Internetzugänge anbieten soll - im Laufe des Jahres 2020 in den USA und Kanada und bereits 2021 weltweit.

„Starlink“-Projekt von SpaceX hat mehrere Stufen - Tausende Satelliten sollen starten

Angedacht sind drei Ausbaustufen für das „Starlink“-Netz:

  • Erste Ausbaustufe: Knapp 1600 „Starlink“-Satelliten sollen in Umlaufbahnen in einer Höhe von 550 Kilometern um die Erde kreisen
  • Zweite Ausbaustufe: Etwa 2800 „Starlink“-Satelliten sollen die Erde zusätzlich in einer Höhe von 1100 bis 1325 Kilometern umkreisen
  • Dritte Ausbaustufe: Bis zu 7500 „Starlink“-Satelliten sollen zusätzlich in 340 Kilometern Höhe in einem Polarorbit um die Erde kreisen
Die „Starlink“-Satelliten von SpaceX sind deutlich am Nachthimmel zu sehen. In diesem Fall als Leuchtspur, weil das Bild langzeitbelichtet wurde.

Insgesamt hat SpaceX bis ins Jahr 2027 befristete Genehmigungen für den Start von bis zu 11.927 „Starlink“-Satelliten erhalten. Außerdem hat SpaceX den Start weiterer 30.000 „Starlink“-Satelliten beantragt, die in Höhen von 330 bis 580 Kilometern die Erde umkreisen sollen.

„Starlink“-Satelliten von SpaceX sollen Hochgeschwindigkeitsinternet ermöglichen

Das Ziel dieses weltumspannenden Satelliten-Netzwerks ist es, auf der Erde Hochgeschwindigkeitsinternet mit bis zu 1 GB/s für jeden Nutzer zur Verfügung zu stellen. Sobald etwa 1000 „Starlink“-Satelliten im All sind, soll das „Starlink“-Projekt nach Angaben von SpaceX-Chef Elon Musk „ökonomisch vertretbar“ sein. „Wenn wir deutlich mehr Satelliten in den Orbit schießen, dann ist das eine sehr gute Sache, das bedeutet dann, dass es eine große Nachfrage gibt“, so Musk weiter.

Jeder „Starlink“-Satellit wiegt etwa 260 Kilogramm und ist sehr flach, so dass die Satelliten für den Start in der „Falcon 9“-Rakete gestapelt werden können. Bisher werden pro Start 60 „Starlink“-Satelliten ins All geschickt. Derzeit befinden sich nach sieben Starts 420 „Starlink“-Satelliten in Umlaufbahnen um die Erde (Stand: 23. April 2020).

„Starlink“-Projekt von SpaceX: Astronomen kritisieren unzählige Satelliten

Die ersten beiden Prototypen der „Starlink“-Satelliten wurden bereits im Februar 2018 ins All geschickt. Der erste Start mit 60 Satelliten fand im Mai 2019 statt - und löste gleich eine große Kontroverse aus. In den Tagen nach dem Start waren die Satelliten sehr hell und deutlich am Abendhimmel zu erkennen. Ein Satelliten-Tracker aus den Niederlanden hatte den weithin sichtbaren Zug der Satelliten am Himmel gefilmt und mit seinem Video eine Diskussion losgetreten: Stören die „Starlink“-Satelliten den Nachthimmel? Wird der Nachthimmel gar „vermüllt“?

Auf Twitter erklärte SpaceX-Gründer Elon Musk schnell, dass es das Ziel sei, „möglicherweise Milliarden von ökonomisch benachteiligten Menschen zu helfen“, doch der Aufschrei ließ sich nicht eindämmen.  Die Internationale Astronomische Union (IAU) äußerte sich „besorgt über diese Satelliten-Konstellationen“. Ihr geht es um „das Prinzip eines dunklen und funkstillen Himmels“, auch als „Ressource für die gesamte Menschheit und auch zum Schutz nachtaktiver Tiere“.

„Starlink“-Satelliten von SpaceX stören die astronomische Arbeit

Viele Astronomen beschwerten sich öffentlich. Auf Twitter melden sich immer wieder Astronomen mit Beispielen, wie die „Starlink“-Satelliten ihre Arbeit beeinträchtigen. Im November 2019 machte Clarae Martínez-Vázquez, die am Cerro Tololo Inter-American Observatory (CTIO) in Chile arbeitet, mit einem Bild deutlich, wie die Satelliten im wahrsten Sinne des Wortes ihre Arbeit durchkreuzen: Gleich 19 „Starlink“-Satelliten hätten eine Langzeitaufnahme gestört, „der Zug der Starlink-Satelliten dauerte länger als fünf Minuten!“, schrieb sie auf Twitter und ergänzte: „Ziemlich deprimierend... Das ist nicht cool!“

Mittlerweile arbeiten die IAU und die American Astronomical Society (AAS) mit Astronomen an dem Problem, auch Gespräche mit SpaceX haben nach Angaben der IAU stattgefunden. Das Unternehmen hat im Januar 2020 einen „Starlink“-Satelliten gestartet, der eine andere Beschichtung trägt und der deshalb den Spitznamen „DarkSat“ erhalten hat. Seine Beschichtung reflektiert möglicherweise weniger Sonnenlicht. Mittlerweile hat SpaceX bekanntgegeben, mit welchen Maßnahmen sie die „Starlink“-Satelliten verdunkeln wollen.

Kritik am „Starlink“-Projekt von SpaceX: Satelliten stören auch Radioteleskope

Wie die IAU weiter berichtet, arbeitet SpaceX außerdem an einer Software, die es Sternwarten ermöglichen soll, „Starlink“-Satelliten zu umgehen, indem entsprechende Programme geschrieben werden.

Doch ob das die Lösung des „Starlink“-Problems ist? Die Experten stört nicht nur das Sonnenlicht, das die Satelliten reflektieren und das empfindliche Teleskope stören kann. Sie sind auch besorgt, welche Auswirkungen die Funksignale der „Starlink“-Satelliten auf astronomische Beobachtungen mit Radioteleskopen haben könnten.

Schnelles Internet aus dem All lässt Zahl der Satelliten in die Höhe schießen

Zwar betonte Elon Musk bereits vor einiger Zeit per Twitter, dass er sicherstellen werde, „dass Starlink keine Auswirkungen auf Entdeckungen in der Astronomie hat“. Doch in der Szene ist man weiterhin skeptisch. Schließlich ist SpaceX nicht das einzige Unternehmen, das Pläne für eine weltumspannende Satelliten-Konstellation hat, die schnelles Internet aus dem All zur Verfügung stellen soll. Auch Amazon verfolgt ähnliche Ziele. Konkurrent OneWeb hatte bereits die ersten Satelliten gestartet, musste im Zuge der Corona-Krise jedoch Insolvenz anmelden.

SpaceX dagegen macht auch in der Corona-Krise unbeirrt weiter: Mittlerweile umkreisen 420 „Starlink“-Satelliten die Erde und es soll immer weitergehen. Kritiker stört am Plan der Mega-Satelliten-Konstellationen vor allem auch, dass die Zahl der aktiven Satelliten in der Erdumlaufbahn um ein Vielfaches erhöht wird. Im September 2019 umkreisten 2218 aktive Satelliten die Erde. Dazu kommen unzählige ausrangierte Satelliten und Weltraumschrott, bis hin zu kleinsten Teilchen.

„Starlink“-Satelliten könnten Zahl der Satelliten im All explodieren lassen

Seit dem Start des ersten Satelliten „Sputnik 1“ im Jahr 1957 wurden mehr als 8500 Satelliten ins All geschossen. Alleine die Pläne von SpaceX würden die Zahl binnen kurzer Zeit deutlich erhöhen. Geht SpaceX mit seinem „Starlink“-Projekt weiter voran wie geplant, könnte es in Zukunft passieren, dass kurzzeitig mehr Satelliten am Nachthimmel zu sehen sind, als man Sterne mit bloßem Auge erkennen kann. Das sind bei perfekten Beobachtungsbedingungen maximal 3000 - in lichtverschmutzten Städten sogar weniger als 100.

Lesen Sie zum „Starlink“-Projekt von SpaceX einen Kommentar: „Starlink“ von SpaceX vermüllt den Nachthimmel und den Erdorbit.

Rubriklistenbild: © picture alliance/John Raoux/AP/dpa

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