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„Starlink“-Satelliten von SpaceX hinterlassen „beunruhigende“ Spuren auf Aufnahmen

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Von: Tanja Banner

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„Starlink“-Satelliten von SpaceX sind deutlich am Himmel zu sehen. Das stört Astronom:innen. (Archivbild)
„Starlink“-Satelliten von SpaceX sind deutlich am Himmel zu sehen. Das stört Astronom:innen. (Archivbild) © imago/photothek

Die Satelliten der „Starlink“-Konstellation von SpaceX könnten in Zukunft die Suche nach gefährlichen Asteroiden stören, mahnen Forschende in einer Studie.

Frankfurt – Seit das private Raumfahrtunternehmen SpaceX von Milliardär Elon Musk im Mai 2019 die ersten „Starlink“-Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen hat, ist die Sorge bei Astronom:innen groß: Sie befürchten, dass die Satelliten – SpaceX will mehrere zehntausend der kleinen Internet-Satelliten ins All schießen, um in allen Ecken der Erde schnelles Internet anzubieten – den Blick an den Himmel verändern. Bald könnten bei jedem Blick an den Nachthimmel „Starlink“-Satelliten zu sehen sein, so eine Sorge.

Der Aufschrei in der Astronomie-Community war groß, SpaceX versprach eine Lösung und stattet nun jeden Satelliten mit einer Art „Sonnenschirm“ aus. Die Blende sorgt dafür, dass die Teile des Satelliten, die Licht reflektieren, möglichst wenig Sonnenlicht abbekommen und dadurch dunkler sind. Tatsächlich sind die Satelliten am Himmel weniger hell – doch sind sie dunkel genug, um die astronomische Arbeit nicht zu stören? Eine Studie zeigt nun, wie sich die immer weiter zunehmende Zahl an „Starlink“-Satelliten auf die Astronomie auswirkt.

„Starlink“-Satelliten von SpaceX hinterlassen Spuren auf Teleskop-Aufnahmen

Forschende um den polnischen Astronomen Przemek Mróz haben sich dafür Aufnahmen angeschaut, welche die Zwicky Transient Facility (ZTF) am kalifornischen Palomar Observatory zwischen November 2019 und September 2021 gemacht hat. Das Teleskop durchmustert innerhalb von zwei Tagen einmal den gesamten Himmel, die Aufnahmen werden mit einer extremen Weitwinkelkamera gemacht.

Im gesamten Studienzeitraum konnten die Forschenden um Mróz mehr als 5300 sogenannte „Starlink“-Trails in den ZTF-Aufnahmen entdecken. Die meisten Satelliten-Spuren waren auf Bildern zu sehen, die in der Morgen- oder Abenddämmerung gemacht wurden.

„Starlink“-Konstellation: 2021 waren auf jedem fünften Teleskop-Bild Spuren zu sehen

Dabei konnten die Forschenden genau nachvollziehen, wie sich die Zahl der „Starlink“-Satelliten von SpaceX veränderte: „Die Zahl der betroffenen Bilder erhöht sich klar mit der Zeit: Von mehr als einem Bild pro Nacht im Jahr 2020 zu fast 20 Bildern pro Nacht im zweiten Halbjahr 2021“, schreiben die Forschenden. Während im Jahr 2019 nur 0,5 Prozent der Dämmerungs-Bilder „Starlink“-Spuren aufwiesen, waren es Ende 2020 sechs Prozent; im August 2021 waren die Spuren bereits auf etwa jedem fünften Bild aus der Dämmerung zu finden, listen die Forschenden auf.

Kein Wunder: Während SpaceX im gesamten Jahr 2019 nur 120 „Starlinks“ in die Erdumlaufbahn brachte, gab es 2020 bereits 14 Raketenstarts mit jeweils etwa 60 „Starlink“-Satelliten. Im Jahr 2021 brachte es SpaceX gar auf 19 „Starlink“-Starts. Mittlerweile hat das Unternehmen von Elon Musk 2042 „Starlink“-Satelliten in den Erdorbit geschickt, 1879 davon befinden sich nach Informationen des Astrophysikers Jonathan McDowell noch in der Erdumlaufbahn.

Jahrneue Starlinks im Orbit
20192 Testsatelliten, 60 Prototypen, 60 Satelliten – 3 Raketenstarts
2020173 Satelliten – 14 Raketenstarts
2021989 Satelliten – 19 Raketenstarts
202298 Satelliten – 2 Raketenstarts (Stand: 20.01.2022)

„Starlink“-Satelliten von SpaceX können astronomische Arbeit stören

Die Zahl der Satelliten-Spuren in den ZTF-Aufnahmen sei derzeit nicht hoch genug, um die astronomische Arbeit zu stören, schreiben die Autor:innen in ihrer Studie, die im Fachjournal Astrophysical Journal Letters veröffentlicht wurde. „Erreicht die Zahl der ‚Starlink‘-Satelliten 10.000, dürften alle ZTF-Bilder aus der Dämmerung betroffen sein“, berichten die Autor:innen weiter. Es sei „beunruhigend“, dass die meisten der „Starlink“-Trails auf Bildern aus der Dämmerung auftauchen, so die Forschenden.

Hintergrund ist die Suche nach erdnahen Objekten wie beispielsweise Asteroiden. Zahlreiche automatisierte Systeme durchmustern den Himmel nach Asteroiden, die der Erde eines Tages gefährlich werden könnten. Befindet sich in solcher Himmelskörper in der Himmelsregion, in der sich die Sonne befindet, ist er nur schwer zu entdecken – der Meteor von Tscheljabinsk, der im Februar 2013 über der russischen Stadt explodierte, kam aus Richtung der Sonne und konnte deshalb vorher nicht bemerkt werden.

Eine „Falcon 9“-Rakete von SpaceX bringt „Starlink“-Satelliten in die Erdumlaufbahn.
Eine „Falcon 9“-Rakete von SpaceX bringt „Starlink“-Satelliten in die Erdumlaufbahn. © NurPhoto/Imago Images

Fachleute warnen: „Starlink“ können Suche nach gefährlichen Asteroiden gefährden

Aus diesem Grund ist die Morgen- und Abenddämmerung so wichtig für die Suche nach Asteroiden: Es ist die einzige Chance, gefährliche Asteroiden, die aus Richtung der Sonne kommen, zu entdecken. Sind die Teleskop-Aufnahmen in Zukunft mit Satelliten-Spuren übersät, könnten Astronom:innen mögliche gefährliche Asteroiden übersehen. Deshalb heißt es in der Studie auch: „Dämmerungs-Aufnahmen sind für die Suche nach erdnahen Asteroiden von entscheidender Bedeutung.“ Die Daten der Forschenden zeigen auch, dass die „Starlink“-Satelliten, die eine Sonnenblende haben, weniger hell sind. Allerdings seien etwa 67 Prozent der beobachteten sogenannten „Visorsats“ heller als von der Astronomie-Community empfohlen.

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Fachleute kritisieren „Starlink“ nicht nur wegen der Helligkeit der Satelliten, sondern auch aus anderen Gründen: Die zahlreichen Raketenstarts, die für den Aufbau der großen Satelliten-Konstellation nötig sind und ausrangierte Satelliten, die in der Erdatmosphäre verglühen, könnten die Atmosphäre schädigen, befürchten sie. Außerdem geht vielen Fachleuten die Zahl der Satelliten zu weit – teilweise ist sogar von einer „Vermüllung“ des Erdorbits die Rede. Und auch für Menschen, die sich nicht professionell mit der Astronomie und dem Nachthimmel beschäftigen, sind die „Starlink“-Satelliten längst bemerkbar: Seit dem ersten „Starlink“-Start sind die „Ufo“-Meldungen in die Höhe geschnellt. (tab)

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