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Thyssen Krupp startete in seinem Duisburger Werk einen Testlauf, bei dem in einem Hochofen der sonst dort im Produktionsprozess eingeblasene Kohlenstaub teilweise durch Wasserstoff ersetzt wird.

ÖKO-LOGISCH

Wie der Stahl grün wird

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Der Werkstoff steckt überall drin. Das Problem: Bei seiner Herstellung wird besonders viel vom Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre gepustet.

Stahl ist das Rückgrat der Industriegesellschaft. Autos, Züge, Fahrräder, Schiffe, Schienen, Beton-Bauteile, Träger, Wolkenkratzer, Kräne, Förderanlagen, Turbinen, Pumpen, Rohre, Fräsmaschinen, Druckbehälter, Waffen, Werkzeuge, chemische Apparate, Metallstühle, Messer und so weiter und sofort – überall steckt Stahl drin. Das Problem: Bei seiner Herstellung wird besonders viel vom Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre gepustet. Und für die Stahlindustrie gilt wie für praktisch alle Sektoren, dass sie bis spätesten 2050 klimaneutral produzieren muss.

Der Stahl muss also grün werden. Und zwar nicht nur grün lackiert, sondern klimafreundlich hergestellt. Einen Schritt dorthin hat nun der Stahlkonzern Thyssen-Krupp getan. Das Unternehmen startete in seinem Duisburger Werk einen Testlauf, bei dem in einem Hochofen der sonst dort im Produktionsprozess eingeblasene Kohlenstaub teilweise durch Wasserstoff ersetzt wird. Der Vorteil: Während bei der Nutzung des kohlenstoffhaltigen Staubs große Mengen CO2 frei werden, entsteht bei Wasserstoff nur Wasserdampf.

Hochofen mit Wasserstoff

Freilich ist es noch ein weiter Weg, bis die Stahlherstellung klimafreundlich sein wird. Erst ab 2022 sollen alle vier Hochöfen am Standort teilweise auf die Wasserstoff-Technologie umgestellt werden - und auch dann beträgt das Einsparpotenzial erst rund 20 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes. Und das Duisburger Werk ist neben den großen Braunkohle-Kraftwerken immerhin die Industrieanlage mit dem höchsten Treibhaus-Ausstoß in der Bundesrepublik. Hinzu kommt, dass der Umbau in der Produktion erst dann wirklich klimafreundlich ist, wenn der Wasserstoff durch Elektrolyse mit erneuerbaren Energien produziert wird und nicht etwa aus Erdgas.

Und dafür muss noch viel geschehen. Würde die ganze hiesige Stahlproduktion auf Wasserstoff umgestellt, entstünde ein zusätzlicher Strombedarf für die Elektrolyse von 130 Terawattstunden. Um die zu liefern, müssten rund 12 000 zusätzliche Windräder aufgestellt, die entsprechende Zahl von Solaranlagen installiert werden oder ein Import von Öko-Energie etwa aus dem Nahen Osten oder Nordafrika in Schwung kommen - so wie es früher einmal mit dem Wüstenstromprojekt „Desertec“ geplant war. Eine gigantische Aufgabe, aber lösbar. Es braucht freilich Politiker und Manager mit Visionen dafür.

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