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Ständiges Nachsalzen erhöht das Risiko für Herzleiden

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Von: Pamela Dörhöfer

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Wer bei den Mahlzeiten ständig zum Salzstreuer greift, tut seiner Gesundheit vermutlich nichts Gutes.
Wer bei den Mahlzeiten ständig zum Salzstreuer greift, tut seiner Gesundheit vermutlich nichts Gutes. Getty © getty

Zu viel Natriumchlorid kann sogar den positiven Effekt gesunder Ernährung zunichte machen, wie eine US-Studie zeigt

Salz zu reduzieren dürfte vielen Menschen schwerer fallen als der Verzicht auf Süßigkeiten. Von klein auf ist unser Geschmack auf Salziges geprägt, bereits bei den alten Hochkulturen im Zweistromland und im Ägypten der Pharaonen war Natriumchlorid ein teures Handelsgut. Tatsächlich ist Salz für Menschen und Tiere der wichtigste Mineralstoff, da der Körper täglich eine gewisse Menge verliert, die ersetzt werden muss. Gleichwohl nehmen die meisten Menschen heute weit mehr Salz zu sich, als ihr Organismus braucht.

Dass zu viel Salz der Gesundheit nicht gut tut und insbesondere die Entwicklung von Bluthochdruck sowie als Folge der von Herzerkrankungen und Schlaganfall fördern kann, ist seit langem die in der Wissenschaft vorherrschende, nahezu einhellige Ansicht. Ebenfalls diskutiert werden negative Auswirkungen auf das Immunsystem und die Darmflora. Sehr große Mengen von Salz können außerdem das Risiko für Magenkrebs erhöhen. Allerdings kann zu wenig Salz ebenfalls der Gesundheit schaden.

Eine kürzlich publizierte große Studie eines US-amerikanischen Forschungsteams mit mehr als einer halben Million Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigt, dass auch das Nachsalzen von gesunden, unverarbeiteten Lebensmitteln das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schlimmstenfalls den vorzeitigen Tod erhöht. Im konkreten Fall richteten die Forschenden den Fokus auf einen Ernährungsstil, der als geeignet gilt, Bluthochdruck vorzubeugen. Eine solche Kost schränkt den Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch zugunsten von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, fettarmen Milchprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten stark ein. Die Ergebnisse des Teams um Lu Qi von der Tulane University New Orleans wurden im „Journal of the American College of Cardiology“ und im „European Heart Journal“ veröffentlicht.

Die Studie basiert auf den Daten von mehr als 500 000 Menschen aus der UK Biobank Großbritannien. Die im Schnitt 56,5 Jahre alten Frauen und Männer wurden zwischen 2006 und 2010 unter anderem zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. 28 Prozent gaben an, gelegentlich ihre Speisen nachzusalzen, zwölf taten das regelmäßig und fünf Prozent immer.

Die Forschenden setzten diese Angaben dann mit den Todesfällen in den folgenden neun Jahren in Beziehung. Sie stellten fest, dass das Sterberisiko bei jenen, die ihr Essen regelmäßig nachsalzten, um sieben Prozent und bei jenen, die ständig nachsalzten, um 28 Prozent erhöht war. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berechneten auf dieser Basis, dass diese Gewohnheit die Lebenserwartung von 50-jährigen Frauen um durchschnittlich eineinhalb Jahre und die gleichaltriger Männer um durchschnittlich 2,28 Lebensjahre verkürzen kann.

Bei einer weiteren Analyse nahmen die Forschenden die Folgen für das Herz-Kreislauf-System in den Blick – und zwar bei jenen knapp 170 000 Frauen und Männern, die zum Zeitpunkt der Befragung noch gesund waren. Knapp 10 000 davon erlitten in den folgenden zwölf Jahren nach der Befragung ein kardiovaskuläres Ereignis, also etwa einen Herzinfarkt. Frauen und Männer, die bei ihren Mahlzeiten niemals zum Salzstreuer griffen, hatten im Vergleich zu jenen, die es ständig taten, ein um 27 Prozent verringertes Risiko, zu erkranken. Bei denen, die nur gelegentlich nachsalzten, verringerte sich das Risiko im Vergleich zu den ständig Nachsalzenden um 21 Prozent, bei denen, die es regelmäßig, aber zumindest nicht immer taten, um 19 Prozent.

Besonders ausgeprägt scheint der Effekt vor allem im Hinblick auf den Schutz vor Herzinsuffizienz zu sein: Völliger Verzicht aufs Nachsalzen reduzierte das Risiko im Vergleich zum ständigen Nachsalzen um 37 Prozent, gelegentliches Nachsalzen reduzierte es im Vergleich zum ständigen Nachsalzen um 35 Prozent. Regelmäßiges Nachsalzen brachte im Vergleich zu ständigem Nachsalzen immerhin noch eine Reduktion um 30 Prozent.

Bei der Frage, wie viel Salz genau man höchstens zu sich nehmen sollte, um der Gesundheit nicht zu schaden, ist sich die Wissenschaft nicht ganz einig. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt täglich fünf Gramm, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ist etwas weniger streng und beziffert die Menge auf sechs Gramm, das entspricht etwa einem Teelöffel. Eine im vergangenen Jahr im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichte Studie eines Forschungsteams der kanadischen McMaster University kam hingegen zu dem Schluss, dass eine Menge von bis zu zwölf Gramm Salz täglich unbedenklich sein soll. In Deutschland nehmen laut Robert Koch-Institut 70 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer in Deutschland mehr als die hierzulande empfohlenen sechs Gramm täglich zu sich. Knapp die Hälfte der Männer und 39 Prozent der Frauen kommt demnach auf mehr als zehn Gramm pro Tag.

Unabhängig davon, welcher Wert der ideale ist, sind die Vorgaben im Alltag freilich nicht ganz leicht umzusetzen, da man – anders als bei Kalorien – die enthaltene Salzmenge in Lebensmitteln meist nicht kennt. Grundsätzlich gilt: Verarbeitete Produkte wie Wurst, Fertiggerichte und Fast Food enthalten oft reichlich davon, da kann eine Portion locker den ganzen Tagesbedarf decken. Diese Lebensmittel zu reduzieren, ist deshalb sinnvoll – nicht allein wegen des Salzes.

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