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Nur zum Anschauen: Im Watt wächst leckerer Queller. Das neue Trend-Gemüse?
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Nur zum Anschauen: Im Watt wächst leckerer Queller. Das neue Trend-Gemüse?

Salzwiesen

Spargel wächst auch vor dem Deich

Eine Studie befasst sich mit der Zerstörung der Jadebusen-Salzwiesen.

Von FRAUKE HAß

Rucola ist durch. Der Trend geht zu Queller. Könnte er jedenfalls gehen, sagt Sandra Vöge. Denn aus dem Meeresspargel (Salicornia)lässt sich leckerer Salat machen, versichert die Meeresbiologin am Forschungsinstitut Senckenberg in Wilhelmshaven. In Frankreich gibt es ihn längst auf Märkten zu kaufen. In Niedersachsen. . . Fehlanzeige. Dabei wächst das Zeug an der Küste überall - allerdings in der Schutzzone I des Nationalparks Wattenmeer. Und da dürfen Menschen nicht ran.

Auch ohne Spargel-Ernte rückt der Mensch dem Lebensraum des Queller zu Leibe: Um Baumaterial für die Deicherhöhung zu gewinnen, wurden 1998/99 eine riesige Grube in der wertvollen Salzwiese vor dem Deich ausgehoben. Naturschützer tobten. Ein Langzeitforschungsprojekt, das die ökologischen Folgen untersucht, kommt nun zu einem überraschenden Ergebnis: Alles deutet darauf hin, dass die Grube, eine sogenannte Pütte, sich von dem Eingriff vor zehn Jahren prächtig erholt.

"In großem Stil Klei aus den Salzwiesen zu gewinnen, ist ein extremer Eingriff", sagt Vöge: "Der Lebensraum wird vernichtet." Um so verblüffender die Erkenntnis: "Langfristig könnte ein naturnaherer Lebensraum mit mäandernden Prielen entstehen, der viel mehr Vielfalt zu bieten hat."

Pütte erholt sich langsam

Warum? "Weil man das Watt dort seit zehn Jahren in Ruhe lässt." Das war in den Jahrzehnten zuvor nicht der Fall. "Ein künstliches Gräbensystem entwässerte früher die von Menschenhand entstandenen Salzwiesen." Die Forscherin ist für eines von vier Teilprojekten der seit 2000 laufenden Studie zuständig, die sich die zehn Hektar große Pütte im Petersgroden vorgenommen hat. Finanziert wird sie vom Dritten Oldenburgischen Deichband und von der Niedersächsischen Wattenmeer Stiftung - voraussichtlich bis Dezember.

Nach und nach, so beobachteten die Forscher, erholte sich die Pütte. "In den ersten drei Jahren wanderten Meerestiere als Pionierarten ein, die mit jeder Flut eingeschwemmt wurden." Darunter der Wenigborstenwurm Paranais litoralis, Seeringelwurm (Hediste diversicolor) und Wattschnecke (Hydrobia ulvae). "In der zweiten Phase bis 2006 näherte sich die Pütte in ihrer Artenzusammensetzung mit Vielborstenwurm (Manayunkia aestuarina) und und Muschelkrebs (Cyprideis torosa)dem vorgelagerten Schlickwatt an", fasst Vöge zusammen.

Von den 24 in der Pütte nachgewiesenen Arten der Makrofauna (Bodentiere, die größer sind als ein halber Millimeter), wurden 22 auch im Watt gefunden, in dem es insgesamt 27 Arten gibt. "Jetzt, in der dritten Phase, ist die zu Beginn 1,5 Meter tiefe Pütte zur Hälfte gefüllt. Die Sedimente sind so hoch aufgelagert, dass das Land nicht mit jeder Flut bedeckt wird", erläutert die Forscherin. Landarten wie die Wenigborstenwürmer Enchytraeidae siedeln sich an, auch Queller, Schlickgras und Strandaster etablieren sich. "Das ist ein Indikator für die Veränderung Richtung Landleben."

Wenn es nach Vöge geht, wird die Langzeitbeobachtung fortgesetzt. "Es dauert 40 Jahre, bis die Verlandung so hoch ist, wie die umliegenden Salzwiesen. Es wäre interessant, diesen Prozess nachzuvollziehen." Beginnen könnte man damit, die Ergebnisse der Langzeitstudie mit den Kurzzeit-Untersuchungen anderswo zu vergleichen. "Daraus könnte man Bewertungskriterien entwickeln, um künftig entscheiden zu können, ob und wann es sinnvoll ist, per Kleigrube zu renaturieren."

Auch der Meeresspargel ist ein Signalgeber für die Verlandung des Watts. Queller wächst seit 2007 wieder im Petersgroden. Doch erst wenn Klassikerpflanzen wie der Rotschwingel sowie Spinnen und Käfer wieder heimisch sind, könne man von einer höherliegenden Salzwiese sprechen: "Wahrscheinlich kommt es so", sagt Vöge. "Sicher ist es nicht. Deshalb forschen wir ja: Wir wollen das System verstehen."

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