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Der Erdbeobachtungssatellit „Aeolus“ musste einem „Starlink“-Satelliten von SpaceX ausweichen.

Beinahe-Kollision von Satelliten

SpaceX macht Software verantwortlich für mangelhafte Kommunikation mit Esa

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Ein SpaceX-Satellit befindet sich auf Kollisionskurs mit einem Wettersatelliten der Esa. Die verhindert den Zusammenstoß durch ein manuelles Ausweichmanöver.

Update vom 04.09.2019, 9.00 Uhr: Nachdem der Esa-Satellit „Aeolus“ einem SpaceX-Satelliten ausweichen musste, macht SpaceX eine Software für die mangelhafte Kommmunikation verantwortlich. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, verweist das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk auf einen Fehler in seinem Nachrichtensystem, der dazu geführt habe, dass ein Mitarbeiter nicht mitbekommen habe, dass die Kollision der beiden Satelliten hochgestuft wurde. „Hätte der Mitarbeiter die Korrespondenz gesehen, hätten wir uns mit der Esa abgestimmt, um den besten Lösungsansatz zu ermitteln“, teilte SpaceX mit. Man werde das Problem untersuchen und beheben.

Eine Absprache ist nach Angaben von Holger Krag, dem Leiter des Esa-Büros für Raumfahrtrückstände wichtig. Sonst könnte es im schlimmsten Fall passieren, dass beide Satelliten in die gleiche Richtung ausweichen.

Esa-Chef Jan Wörner kündigt an, das Thema bei der Ministerratskonferenz im November auf die Tagesordnung zu setzen. „In Zeiten, in denen Megakonstellationen geplant und etabliert werden, werden neue Regelungen notwendig“, betonte Europas Raumfahrtchef. Kollisionen seien nicht nur für die direkt Betroffenen kritisch, sondern könnten weiteren gefährlichen Weltraummüll zur Folge haben. „Der künftig dichte Satellitenverkehr allein ist Anlass genug - und die Tatsache, dass die niedrigen Kosten der Satelliten in den Megakonstellationen zwangsweise zu geringerer Zuverlässigkeit führen, verschärft die Situation“, betonte er.

SpaceX-Satellit zwingt Esa zu Ausweichmanöver

Erstmeldung vom 03.09.2019: Um die 60 „Starlink"-Satelliten, die das private Raumfahrtunternehmen SpaceX im Mai in eine Umlaufbahn um die Erde geschossen hat, ist es ruhig geworden. Der Aufschrei, dass die Satelliten hell am Nachthimmel zu sehen sind und den Nachthimmel „vermüllen“, ist längst verklungen. Doch nun gibt es erneut Ärger mit „Starlink“.

Wie die europäische Raumfahrtorganisation Esa auf Twitter mitteilt, musste die Organisation erstmals ein Manöver zur Vermeidung einer Kollision mit einem Satelliten einer so genannten „Mega-Konstellation“ durchführen. Der Erdbeobachtungs-Satellit „Aeolus“ habe am Montagmorgen seine Triebwerke gezündet, um einem Satelliten aus der „Starlink“-Konstellation auszuweichen. Experten hätten zuvor das Kollisionsrisiko berechnet und herausgefunden, dass es sicherer sei, die Höhe von „Aeolus“ anzuheben, um über den SpaceX-Satelliten hinwegzufliegen.

SpaceX-Satellit und Esa-Satellit auf Kollisionskurs

Holger Krag*, Experte für Weltraumsicherheit bei der Esa spricht gegenüber forbes.com von einem Kollisionsrisiko von eins zu tausend. Das habe das Risiko ab dem man ein Kollisionsvermeidungs-Manöver durchführen müsse, um das Zehnfache überschritten. „Wir haben SpaceX informiert, die geantwortet haben, dass sie nicht planen, etwas zu tun“, so Krag gegenüber Forbes. Daraufhin habe man beschlossen, selbst zu reagieren und dem SpaceX-Satelliten auszuweichen.

Der Esa-Satellit „Aeolus“* ist im August 2018 gestartet und bewegt sich in einer Höhe von etwa 320 Kilometern um die Erde. Er soll die Wettervorhersagen und das Verständnis des globalen Klimas deutlich verbessern. Dazu soll der Satellit erstmals Windprofile von sämtlichen Regionen der Erde erstellen.

Ein Großteil der 60 „Starlink“-Satelliten von SpaceX* umkreist die Erde in einer Höhe von 550 Kilometer. Der Satellit, der beinahe mit dem Esa-Satelliten kollidiert wäre, befindet sich in einer tieferen Umlaufbahn als die anderen „Starlink“-Satelliten, vermutlich weil mit ihm Deorbit-Technologien getestet werden. Das bedeutet, dass der „Starlink“-Satellit in einer Region geflogen ist, die "Aeolus" bereits seit längerer Zeit nutzt. Allerdings gibt es im Weltall keine Regeln, welcher Satellit* ausweichen muss, wenn eine Kollision droht. Gegenüber Forbes vermutet Krag, dass SpaceX den „Starlink“-Satelliten nicht bewegte, weil dessen elektrisches Antriebssystem möglicherweise langsamer reagiere als der chemische Antrieb von „Aeolus“.

SpaceX will mit „Starlink“-Satelliten Internet in entlegenste Ecken der Erde bringen

Die 60 „Starlink“-Satelliten*, die SpaceX im Mai ins All geschossen hat, sind nur der Anfang eines großen Projekts: Insgesamt will SpaceX bis zu 12.000 "Starlink"-Satelliten ins All bringen. Sie sollen dort eine „Mega-Konstellation“ bilden, die schnelles Internet bis in die entlegensten Ecken der Erde bringen soll. Für 2019 plant SpaceX noch vier Raketenstarts mit weiteren "Starlink"-Satelliten, der nächste Start ist derzeit für Oktober geplant. Auch andere Unternehmen planen eigene Internet-Satelliten.

Der Satellit „Aeolus“ hat das Ausweichmanöver nach Angaben der Esa gut überstanden. Kurz nach dem berechneten Zeitpunkt der Kollision habe er wieder Daten zur Erde geschickt, so die Raumfahrtorganisation auf Twittter.

Ausweichmanöver mit Satelliten sind aufwendig

Im Jahr 2018 hat die Esa nach eigenen Angaben 28 Ausweichmanöver mit ihren Satelliten durchgeführt - die meisten davon, um toten Satelliten oder herumfliegenden Bruchstücken von vorangegangenen Kollisionen auszuweichen. Manuelle Ausweichmanöver dieser Art würden viel Zeit zur Vorbereitung benötigen und seien unmöglich, wenn „Mega-Konstellationen“ wie „Starlink“ und andere geplante Satelliten-Netzwerke in ihren Umlaufbahnen seien, so die Esa. Deshalb will man dafür in Zukunft auch künstliche Intelligenz nutzen. (mit dpa)

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