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Und los geht‘s: Eine „Falcon 9“-Rakete von SpaceX bringt die „Crew Dragon“ auf den Weg.

Raumfahrt

Nasa und SpaceX testen unbemannte Crew-Kapsel

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Seit 2011 ist kein Astronaut mehr von US-Boden ins All geflogen. Das könnte sich bald ändern. Die Demo-Mission der „Crew Dragon“ bereitet den Weg.

Der Raketenstart, der am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) am historischen Launchkomplex 39A in Cape Canaveral stattfindet, sieht eigentlich ganz gewöhnlich aus. Eine Falcon-9-Rakete von SpaceX, oben auf der Rakete sitzt die Fracht, die auf ihren Weg ins All gebracht werden soll: eine Raumkapsel. Etwa zehn Minuten nach dem Start landet die erste Stufe der Rakete auf dem autonomen Schiff "Of course I still love you" - auch das war bei SpaceX-Raketenstarts bereits mehrfach zu sehen. Doch die Fracht der Rakete hat es in sich: Es handelt sich nicht um einen Satelliten oder Experimente für die ISS, sondern um die "Crew Dragon". Das ist der Name der von SpaceX entwickelten Raumkapsel, die in absehbarer Zeit einen großen amerikanischen Traum verwirklichen soll: Endlich wieder Astronauten von amerikanischem Boden ins Weltall schicken.

Seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms im Jahr 2011 ist kein Astronaut mehr von den USA aus ins All geflogen. Die große Raumfahrernation USA und alle anderen Länder, die Astronauten zur ISS schicken, sind seitdem auf die russischen Sojus-Kapseln angewiesen. Etwa 80 Millionen Dollar kostet ein Platz in der Sojus die Nasa, heißt es in Branchenkreisen.

Da kommt die „Crew Dragon“ ins Spiel: Sie wurde vom privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX im Rahmen des "Commercial Crew"-Programms der Nasa entwickelt. An diesem Programm nimmt auch Boeing teil, dessen „Starliner“ in den kommenden Monaten ebenfalls einen ersten Testflug absolvieren soll. Die "Demo-Mission-1" der "Crew Dragon" ist ein Test aller Systeme: Gelingt der Flug, ist es für künftige Astronauten an Bord sicher? Gelingt das Andocken an die ISS und das Abdocken? Wie sieht es mit dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und der Landung im Meer aus? Um diese Fragen zu beantworten, befinden sich zahlreiche Sensoren in der Raumkapsel, außerdem ist ein "Dummy" an Bord. Die Puppe mit dem Spitznamen „Ripley“ wurde ebenfalls mit Sensoren ausgestattet, die unter anderem zeigen sollen, welche Kräfte auf Astronauten an Bord einwirken.

Die „Crew Dragon“ ist eine Weiterentwicklung der Transportkapsel "Dragon" von SpaceX, die bereits seit mehreren Jahren zuverlässig die ISS mit Fracht beliefert. Die bemannte Raumkapsel hat im Gegensatz zum Frachter jedoch Fenster und bis zu sieben Sitze. Außerdem gibt es an Bord Lebenserhaltungssysteme, Touchscreen-Displays und ein Abbruch-System, das aus acht kleinen Schubdüsen besteht, die in die Kapsel eingebaut sind. Während der Transporter "Dragon" vom Roboterarm der ISS eingefangen werden muss, kann die „Crew Dragon“ autonom an der ISS andocken. Beide Raumkapseln sind wiederverwertbar. Während die Dragon"-Kapsel bereits recycelt und erneut verwendet wurde, darf SpaceX für die ersten Flüge im „Commercial Crew“-Programm der Nasa nur neue Raumkapseln und Raketen verwenden.

Am späten Sonntagvormittag, mehr als 24 Stunden nach dem Start von Cape Canaveral, hat die „Crew Dragon“ die ISS erreicht und dort nach mehreren Test erfolgreich automatisch angedockt. Bis zum 8. März wird die Raumkapsel dort bleiben, dann soll die „Crew Dragon“ abdocken und sechs Stunden später im Atlantik nahe der Küste Floridas landen. Anschließend sollen die Daten der Sensoren ausgewertet werden.

Bei einem weiteren Test, der für Juni geplant ist, soll das Abbruch-System der Kapsel getestet werden. Es soll die Raumkapsel, in der später die Astronauten sitzen, bei Problemen mit der Rakete möglichst schnell von dieser entfernen. Gelingt auch dieser Test, dürfte bereits im Juni die erste bemannte Demo-Mission der "Crew Dragon" starten. Das besagt zumindest der aktuelle Zeitplan, den SpaceX und die Nasa veröffentlicht haben. Die Astronauten, die während der "Demo-2"-Mission an Bord sein werden, stehen jedenfalls bereits seit vergangenem Jahr fest: Bob Behnken und Doug Hurley sind Nasa-Astronauten, die jeweils zwei Mal mit dem Space Shuttle geflogen sind.

Mindestens eines dürfte den beiden Astronauten beim Start bekannt vorkommen: Der Launchkomplex 39A. Von diesem historischen Launchpad starteten sämtliche Shuttle-Missionen und auch die "Apollo"-Flüge zum Mond. In Zukunft dürften vom Launchkomplex 39A wieder Menschen ins All starten. Es ist - wie Nasa-Chef Jim Bridenstine bei einer Pressekonferenz nach dem gelungenen Start erklärte - der "Beginn einer neuen Ära" für die US-Raumfahrt.

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