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Ziemlich mitgenommen: Die „Crew Dragon“-Kapsel wird nach dem Flug zur ISS aus dem Meer gefischt. (Archivbild)

„Crew Dragon“

SpaceX-Raumkapsel explodiert bei Tests in Cape Canaveral

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In der „Crew Dragon“-Kapsel von SpaceX sollten eigentlich bald erstmals Astronauten zur ISS fliegen. Jetzt ist eine Kapsel bei einem Test explodiert.

Als im März die unbemannte „Crew Dragon“-Raumkapsel von SpaceX an der Internationalen Raumstation andockte, war der Jubel groß – schließlich brachte die erfolgreiche Mission „Demo-1“ das Raumfahrt-Unternehmen von Elon Musk einen Schritt in Richtung des großen Ziels: Wieder Astronauten von amerikanischem Boden ins All zu schießen. Doch ein Zwischenfall am Osterwochenende dürfte das Vorhaben nun wieder ein ganzes Stück zurückwerfen.

Bei Tests mit einer „Crew Dragon“-Kapsel im Landebereich in Cape Canaveral stieg am Samstag eine rötlich-orange Rauchwolke auf, die nach Angaben von Beobachtern „meilenweit“ zu sehen war. Wie „Florida Today“ meldet, hatten Arbeiter in der Nähe außerdem einen lauten Knall gehört. „SpaceX hat eine Reihe von Triebwerks-Tests an einer Testkapsel durchgeführt“, heißt es in einem Statement des Unternehmens. „Die ersten Tests wurden erfolgreich abgeschlossen, doch der letzte Test führte zu einer Anomalie“, so SpaceX weiter. Nasa-Administrator Jim Bridenstine erklärte auf Twitter, dass man die „Anomalie“ gemeinsam mit SpaceX untersuchen werde.

Worum genau es sich bei der „Anomalie“ handelt, erklären weder SpaceX noch die US-Raumfahrtorganisation Nasa, im Rahmen deren „Commercial Crew“-Programm SpaceX seine Raumkapsel entwickelt. Experten schlussfolgern jedoch aus der Farbe der Rauchwolke über Cape Canaveral, dass es sich um ein Problem mit hypergolen Treibstoffen gehandelt haben muss. Die Bestandteile hypergoler Treibstoffe werden getrennt gelagert – kommen sie miteinander in Berührung, reagieren sie jedoch heftig.

Video soll Explosion der „Crew Dragon“ von SpaceX zeigen

Ein Video, das in sozialen Medien kursiert, soll die Explosion der „Crew Dragon“-Kapsel zeigen. Zwar bestätigte SpaceX bisher nicht, dass das Video tatsächlich die „Anomalie“ zeigt, jedoch gehen Experten davon aus, dass das Video authentisch ist.

Offenbar führte SpaceX einen so genannten „Static Fire“-Test mit den „Draco“- und „SuperDraco“-Antrieben der „Crew Dragon“-Raumkapsel durch. Diese Antriebe werden unter anderem verwendet, um im Flug die Richtung zu ändern oder die Kapsel bei einem Problem mit der Rakete von dieser wegzumanövrieren. Bei der „Crew Dragon“ soll es sich um dieselbe Kapsel gehandelt haben, die im März an der ISS andockte und anschließend im Meer vor der Küste Floridas wasserte. Ob der Kontakt mit dem Salzwasser etwas mit der „Anomalie“ zu tun haben könnte oder ob der vorherige Flug damit in Zusammenhang steht, ist bisher völlig offen.

SpaceX wollte noch dieses Jahr erstmals Astronauten zur ISS transportieren

Feststehen dürfte dagegen, dass die „Anomalie“ den Plan der Nasa, Astronauten von US-Boden ins All zu schicken, weiter verzögern werden. Die „Crew Dragon“ von SpaceX sollte nach dem erfolgreichen unbemannten Start im März eigentlich noch einmal auf Herz und Nieren getestet werden, unter anderem war ein Test des Notfallsystems geplant. Noch in diesem Jahr - frühestens am 25. Juli - sollten dann erstmals Astronauten einsteigen und für eine bemannte Demonstration zur ISS fliegen.

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Es ist zwar möglich, dass die Explosion keine Bedeutung hat für künftige bemannte Missionen, bei denen nur unbenutzte Kapseln zum Einsatz kommen sollen. Doch die „Anomalie“ dürfte den Zeitplan der bemannten Missionen trotzdem verzögern: Nasa und SpaceX werden sicherlich auf Nummer sicher gehen und alles in ihrer Macht stehende tun, um Probleme bei einem künftigen bemannten Flug zu verhindern. Es wird wohl ganz genau untersucht werden, was die Explosion ausgelöst hat und wie man das künftig verhindern kann. „Das ist der Grund, weshalb wir Tests durchführen. Wir werden lernen, die nötigen Anpassungen machen und sicher fortfahren“, betonte Nasa-Chef Bridenstine.

Hintergrund: „Commercial Crew“-Programm der Nasa

Seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms im Jahr 2011 ist die Nasa auf russische Sojus-Kapseln angewiesen, wenn sie Astronauten zur ISS bringen will. Das kostet pro Sitz etwa 81 Millionen US-Dollar, heißt es aus Branchenkreisen.

2014 vergab die Nasa im Rahmen des „Commercial Crew“-Programms Verträge an SpaceX und Boeing. Sie sollten Raumschiffe entwickeln, mit denen Astronauten erstmals wieder von US-Boden ins All aufbrechen können. Neben der „Crew Dragon“ von SpaceX gibt es den „CST-100 Starliner“ von Boeing, dessen erster unbemannter Testflug noch bevorsteht. Derzeit ist er für August geplant, der erste bemannte Flug soll im November folgen.

Sowohl Boeing als auch SpaceX haben immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen, die Zeitpläne werden regelmäßig aktualisiert und die einzelnen Flüge weiter in die Zukunft geschoben.

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