Deutschland kann seinen kompletten Strombedarf mit erneuerbaren Energien decken.
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Deutschland kann seinen kompletten Strombedarf mit erneuerbaren Energien decken.

ÖKO-LOGISCH

Die Sonne muss aushelfen

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Das bisherige „Zugpferd“ Windkraft an Land ist beim Zubau abgestürzt, umso wichtiger ist künftig die Solarenergie.

Die erneuerbaren Energien haben einen Lauf, zumindest im Stromsektor. Die Sensation: Im ersten Quartal 2020 lieferten Sonne, Wind, Wasser und Biomasse erstmals mehr als die Hälfte der in Deutschland in Netz eingespeisten Elektrizität – genau 51,2 Prozent. Die Windkraft war dank windreicher Wetterlagen mit gut einem Drittel (34,9 Prozent) sogar der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung. Es folgen Kohle (22,3 Prozent), Erdgas (12,7 Prozent) und Atomkraft (11,6 Prozent).

Vorbei die Zeiten, als Kritiker der Energiewende unkten, mehr als ein paar Prozent Ökostrom könnte die Netze aus technischen Gründen – wegen der Unberechenbarkeit der Einspeisung – sowieso nicht verkraften. Trotzdem gibt es keinen Grund sich zurückzulehnen.

Denn die nächsten 48,8 Prozent bis zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien im Elektrizitätssektor werden alles andere als ein Spaziergang. Das bisherige „Zugpferd“ Windkraft an Land ist beim Zubau abgestürzt, und auch die Zukunft der Solarenergie steht in den Sternen, weil der Bund sich mit der Abschaffung des „Solardeckels“ von 52 Gigawatt bei der Förderung so lange Zeit lässt, der die Investoren verunsichert.

Bis 2050 Strom ohne CO2

Gut, wenn in solcher Lage der Horizont geöffnet wird. Getan hat das jetzt das Berliner Beratungsunternehmen „Aurora Energy Research“. Es weist in einer Studie nach, dass Deutschland seinen kompletten Strombedarf mit erneuerbaren Energien decken kann. Das geografisch-technische Potenzial reicht danach sogar aus, um den heutigen Bedarf dreimal zu decken. Aktuell werden in Deutschland bei der Solarenergie und Windkraft offshore nur zehn Prozent des Potenzials genutzt, bei der Windkraft an Land ist es knapp ein Drittel.

Energiemangel wird es also auch in der Erneuerbaren-Energie-Welt nicht geben. Allerdings ist das kein Selbstläufer. Die Politik hat den Job, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. So muss, bleibt der Zubau der Windkraft an Land wegen Bürgerprotesten so niedrig wie zuletzt, die Solarenergie laut Aurora enorm gepusht werden, um die Lücke zu schließen – statt vier Gigawatt wie 2019 braucht es künftig pro Jahr mehr als doppelt so viel.

Und zusätzlich muss die Offshore-Windenergie um 1,5 Gigawatt pro Jahr zulegen. 2050 wäre die Stromversorgung dann praktisch CO2-frei.

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