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Sonne, Mond und Sterne im November - Leoniden aktiv

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Sternschnuppen der Leoniden
Wie jedes Jahr kreuzt die Erdbahn im November den Meteorstrom der Leoniden. © Matthias Balk/dpa

Wie jedes Jahr kreuzt die Erdbahn im November den Meteorstrom der Leoniden. Mit etwas Glück sind dann Sternschnuppen am Nachthimmel zu sehen - in diesem Jahr ist sogar mit Überraschungen zu rechnen.

Stuttgart - Mit der Umstellung der Uhren auf Mitteleuropäische Normalzeit setzt die Abenddämmerung früh ein. Als erster heller Lichtpunkt leuchtet der Riesenplanet Jupiter am Osthimmel auf. In der zunehmenden Dunkelheit ist auch der Ringplanet Saturn am Südhimmel zu erkennen - auch wenn er nicht so so auffällig hell ist wie der Jupiter. Der Riesenplanet beherrscht die erste Nachthälfte, aus der zweiten zieht er sich allmählich zurück.

Als dritter heller Planet erscheint der rötliche Mars kurz nach 19 Uhr über dem Nordosthorizont. Der äußere Nachbarplanet der Erde hält sich im Sternbild Stier auf. Er wird im laufenden Monat zum Planeten der gesamten Nacht. Ende November geht Mars schon um halb fünf Uhr nachmittags auf. Seine Helligkeit nimmt weiter kräftig zu, da ihm die Erde immer näherkommt. Die innerhalb der Erdbahn laufenden Planeten Merkur und Venus zeigen sich uns im November nicht. Erst Ende Dezember erscheinen beide am Abendhimmel.

Das Licht von Uranus erreicht die Erde nach zweieinhalb Stunden

Der sonnenferne Uranus kommt am 9. November im Sternbild Widder in Gegenschein - in Opposition - zur Sonne. Der grünliche Planet ist die ganze Nacht am Firmament vertreten. Er ist so lichtschwach, dass man ihn nur unter extrem guten Sichtbedingungen theoretisch mit bloßen Augen sehen kann. Im Fernglas ist der Planet, der erst 1781 von Wilhelm Herschel entdeckt wurde, gut zu erkennen. Zur Opposition trennen uns 2795 Millionen Kilometer von Uranus. Das Licht von Uranus erreicht die Erde nach zweieinhalb Stunden.

Der Gasplanet ist ein ganzes Menschenleben lang, nämlich 84 Jahre, um einmal die Sonne zu umrunden. Fünf große Monde - Miranda, Ariel, Umbriel, Titania und Oberon - begleiten ihn auf seinem Weg. Die Raumsonde „Voyager 2“, die bisher als einziger Späher im Januar 1986 an Uranus vorbeiflog, hat mehr als ein Dutzend Minimonde aufgespürt. Insgesamt sind bis dato 27 Uranustrabanten bekannt. Außerdem wird Uranus von dreizehn Ringen umgeben. Sie sind allerdings viel dunkler und dünner als die Saturnringe, weshalb sie in irdischen Teleskopen nicht zu sehen sind.

Als Kuriosum erscheint die Tatsache, dass Uranus offensichtlich umgekippt ist. Seine Rotationsachse ist um 98 Grad zu seiner Umlaufebene geneigt. Simulationsrechnungen am Institute for Computional Cosmology der Durham University in England mit Höchstleistungsrechnern haben ergeben: In der Frühzeit unseres Sonnensystems vor rund vier Milliarden Jahren wurde der im Entstehen begriffene Proto-Uranus von einem gewaltigen Einschlagkörper getroffen, der ihn gewissermaßen umwarf.

Weltall wird überwacht

Auch die Erde wurde in vergangenen Zeiten öfter von kosmischen Geschossen getroffen. Im Schnitt alle hundert Millionen Jahre kollidiert ein Planetoid von einem Kilometer Durchmesser oder größer mit unserem Heimatplaneten. Sollte ein solcher Kleinplanet die Erde treffen, so wäre dies wohl das Ende der Menschheit. Deshalb wird das Weltall überwacht und es werden Abwehrmaßnahmen entwickelt. In einer Test-Mission der US-Weltraumbehörde NASA wurde der Planetoid Dimorphos kürzlich erfolgreich in seiner Bahn etwas abgelenkt. Die Nasa-Wissenschaftler hatten dazu Ende September die Sonde „Dart“ gezielt mit Dimorphos kollidieren lassen.

Totale Mondfinsternis

Der zunehmende Halbmond begegnet schon am 1. November abends dem Ringplaneten. Er zieht südlich am Saturn vorbei. Drei Tage später wandert der Mond knapp südlich am Jupiter vorbei. Die Vollmondphase wird am 8. um 12.02 Uhr im Sternbild Widder erreicht. Da der Mond am gleichen Tag die Erdbahnebene von Süd nach Nord kreuzt, wird er vom Erdschatten getroffen, es ereignet sich eine totale Mondfinsternis. Bevor der Mond aber in den Erdschatten tritt, geht er in Deutschland unter. Somit entgeht uns hierzulande dieses kosmische Schattenspiel. Drei Tage nach Vollmond begegnet der abnehmende Mond dem rötlichen Mars im Stier an der Grenze zu den Zwillingen. Neumond wird am 23. drei Minuten vor Mitternacht erreicht.

In der zweiten Novemberhälfte wird der Meteorstrom der Leoniden aktiv. Die maximale Tätigkeit ist am 17. zu erwarten, wo pro Stunde mit etwa 15 Sternschnuppen zu rechnen ist. Die Leoniden führen ihren Ursprung auf den Kometen 55P/Tempel-Tuttle zurück, der Trümmerstücke seines nur knapp vier Kilometer großen Kerns auf seiner Bahn verstreut hat. Seine Umlaufzeit um die Sonne beträgt 33 Jahre. In vergangenen Jahren gab es teils erheblich höhere Fallraten. Teils wurden 300 und mehr Meteore pro Stunde gezählt. Die Leoniden laufen auf Gegenkurs zur Erde, die ihnen entgegenkommt. Sie dringen mit 70 Kilometer pro Sekunde, dies entspricht 252 000 Kilometer pro Stunde in die Erdatmosphäre ein und verglühen. Ein faustgroßer Meteoroid erzeugt dabei eine grelle Feuerkugel, die heller als der Vollmond leuchtet.

Erde kollidiert mit Trümmerwolke

Mit Überraschungen ist diesmal zu rechnen. Die Meteorforscher haben kalkuliert, dass im Jahre 1733 eine große Trümmerwolke vom Hauptstrom der Leoniden durch den Sonnenwind und gravitative Effekte abgespalten wurde. Mit dieser kollidiert die Erde am 18. November in den frühen Morgenstunden, wobei eventuell bis zu 300 Meteore stündlich aufflammen.

In der beginnenden Dunkelheit gegen 18 Uhr sind noch die Sommersternbilder zu sehen. Das Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Atair steht hoch am Südhimmel, Herkules und Nördliche Krone sind im Nordwesten auszumachen. Der Schütze hält seine Stellung im Südwesten. Vier Stunden später, zur Standardbeobachtungszeit um 22 Uhr, ist die Umstellung zum Herbsthimmel vollzogen. Hoch im Süden nimmt das Herbstviereck seinen Platz ein, bekannt als Pegasus-Quadrat. An das Herbstviereck schließt sich im Nordosten die Sternenkette der Andromeda an, gefolgt vom Perseus mit seinen Flügelschuhen. Südlich der Andromeda erspäht man das stumpfwinkelige Sternendreieck des Widders. Im Osten sind mit Stier, Zwillinge und Orion die ersten Wintersternbilder aufgegangen.

Doppelsonne im Nordosten

Hoch im Nordosten blinkt die helle, gelbliche Kapella im Fuhrmann. Sowohl mit bloßen Augen als auch im Teleskop sieht man nur einen einzelnen Lichtpunkt. Tatsächlich aber handelt es sich um eine Doppelsonne in 42 Lichtjahren Entfernung. Beide gelbe Riesensonnen umkreisen einander in nur 104 Tagen. Sie sind 97 Millionen Kilometer voneinander entfernt, das entspricht zwei Drittel der Distanz Erde – Sonne.

Die Sonne wandert am absteigenden Ast ihrer Jahresbahn und nähert sich dem Winterpunkt, den sie im nächsten Monat erreicht. Am 22. tritt sie vormittags in das Tierkreiszeichen Schütze. Einen Tag später wechselt sie nachmittags aus dem Sternbild Waage in das des Skorpions. Sie bleibt nur eine Woche im Skorpion. Schon am 30. überschreitet sie die Grenze zum Ophiuchus, dem Schlangenträger. Die Mittagshöhen der Sonne nehmen um gut sieben Grad ab, die Tageslänge schrumpft um eine Stunde und zwanzig Minuten. dpa

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