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Mit einer klimabewussten Ernährung könnten Weltweit sogar bis 14 Milliarden Menschen satt werden.

Leserfrage

Wie soll die Weltbevölkerung angesichts des Verlusts fruchtbarer Böden klimafreundlich ernährt werden?

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Für die FR-Serie haben Leserinnen und Leser Fragen eingeschickt, wir beantworten sie.

FR-Umweltexperte

Joachim Wille antwortet:

Die Weltbevölkerung wird nach Prognosen der Vereinten Nationen von derzeit 7,6 Milliarden Menschen bis Mitte des Jahrhunderts auf knapp zehn Milliarden ansteigen, also um rund ein Drittel. Das zeigt, dass es großer Anstrengungen bedarf, um die Ernährung sicherzustellen, und das möglichst klimafreundlich. Erschwert wird die Lage dadurch, dass Agrarböden zunehmend gefährdet sind – etwa durch Überbauung für Straßen und Siedlungen, Ausbreitung von Wüsten, Erosion, Überweidung und Auslaugung und Klimaveränderungen. 

Jedes Jahr gehen weltweit mehr als 24 Milliarden Tonnen wertvoller Bodenkrume verloren. Global hungern mehr als 800 Millionen Menschen, allein in Afrika rund 200 Millionen, dort sind 70 Prozent der Böden mehr oder weniger stark degradiert. Aussichtslos ist die Lage nicht. Tatsächlich fahren Landwirte aktuell nicht nur in absoluten Zahlen die historisch größte Ernte ein, sondern auch pro Kopf der Welt- Weltbevölkerung. Möglichst effektiv als Lebensmittel eingesetzt könnte diese Ernte laut Welternährungsorganisation FAO sogar zwölf bis 14 Milliarden Menschen ernähren. Mehr Klimaschutz und ein schonender Umgang mit den Böden sind auch möglich. Allerdings müssten dazu vor allem die Verluste an Lebensmitteln eingedämmt werden, die weltweit rund ein Drittel der Produktion ausmachen. Ein Schalthebel ist auch, den Konsum von Fleisch- und Milchprodukten zu reduzieren. 

Bereits 35 Prozent der weltweiten Getreide- und 70 Prozent der Sojaernte werden für die Tierfütterung eingesetzt: Bei der Umwandlung der Pflanzen in Tierprodukte geht viel Energie verloren. Für den Soja-Anbau wird zudem oft Regenwald vernichtet. Forscher der Uni Oxford zeigten, dass eine stärker pflanzenbasierte Ernährung das Potenzial hat, Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 30 bis 70 Prozent zu reduzieren. Das heißt, auch der Einzelne ist gefragt: Durch klimabewusste Ernährung und den Griff zu möglichst wenig industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Diese werden mit hohem Energieaufwand hergestellt. Beispiel: Tiefkühl-Pommes sind 28 Mal so klimaschädlich wie die entsprechende Menge Salzkartoffeln.

Diese Frage stellte Wolfgang Fladung aus Bad Camberg

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