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Ohne den Einsatz von Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse lägen die Treibhausgas-Emissionen hierzulande um ein Fünftel höher.

Erneuerbare Energie

Die solare Revolution

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Das Potenzial erneuerbarer Energien ist noch lange nicht ausgeschöpft.

„Die Sonne schickt uns keine Rechnung.“ Als der Publizist Franz Alt 1994 sein Buch mit diesem Titel herausbrachte, ahnte er wohl nicht, wie schnell sich erneuerbare Energien in Deutschland und auch weltweit etablieren würden. Es sollte zwar noch bis 2000 dauern, bevor der Boom der Ökoenergien beginnen würde – mit dem Start des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Das „1000-Dächer-Photovoltaik-Programm“ von 1992 bis 1994 war nur ein kleiner Vorläufer gewesen. Die vergangenen 20 Jahre glichen dagegen einer wahren Revolution im Stromsektor.

Inzwischen wird in Deutschland fast jede zweite Kilowattstunde erneuerbar produziert. Ohne den Einsatz von Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse lägen die Treibhausgas-Emissionen hierzulande um ein Fünftel höher, die Öko-Energien sparen rund 190 Millionen Tonnen CO2 jährlich ein. Und weltweit erreichen die Erneuerbaren inzwischen einen Anteil von einem Drittel an der gesamten Stromproduktion.

Berücksichtigt man allerdings den gesamten Energiebedarf, also auch den für Wärme, Verkehr und Industrie, ist die Entwicklung weit weniger positiv. Hier werden Kohle, Erdöl und Erdgas noch auf Jahre hinaus die wichtigste Quelle bleiben. Weltweit deckten die fossilen Energien 2018 noch rund 85 Prozent des gesamten Energiebedarfs ab. Auf die Erneuerbaren entfielen knapp elf und auf die Atomkraft etwa vier Prozent. Bei den Erneuerbaren bestreitet die Wasserkraft mehr als die Hälfte. Das heißt: Die Windkraft deckt erst zwei und die Solarenergie erst ein Prozent des Energieverbrauchs der Menschheit ab. Experten erwarten, dass der Anteil regenerativer Energien am weltweiten Gesamtverbrauch bis 2023 auf 12,4 Prozent wächst. Da ist also noch viel Raum nach oben.

Wände, die Strom erzeugen

Am stärksten bei den Erneuerbaren legt derzeit die Photovoltaik zu. Sie ist, vor allem im Vergleich zur Bioenergie und zur Wasserkraft, nicht nur am umweltverträglichsten – Solarstrom kann auch praktisch weltweit überall von jedem und jeder erzeugt und eingesetzt werden. Die Spannbreite reicht von riesigen, mehrere hundert Megawatt starken Freiflächenanlagen in Wüsten bis hin zu Solarmodulen, die in Regionen Elektrizität verfügbar machen, in denen es kein Stromnetz gibt.

Doch die Visionen gehen noch weiter. So kann die Photovoltaik in alle Lebensbereiche „einsickern“, sie wird dann zu einer „integrierten“ Energieerzeugung. Vorschläge und Projekte dafür gibt es zuhauf: So können E-Autos mit einer solaren Oberfläche ausgestattet werden, was Ladestrom spart und die Reichweite erhöht. Oder: Nicht nur das Hausdach, sondern auch die ganze Gebäudehülle werden mit Solarmodulen ausgestattet. Und: Entlang von Schienenstrecken oder Autobahnen entstehen Photovoltaik-Wände oder man lässt sie auf Gewässern schwimmen.

Ergänzt um Stromspeicher und „Wallbox“ zum Laden des E-Autos kann Solarenergie auch die Basis für ein klimaneutrales Wohnen und eine ebensolche Mobilität sein. Wissenschaftler der Polytechnischen Hochschule in Lausanne entwickelten sogar schon ein kühlschrankgroßes Gerät, mit dem im eigenen Haus mit Solarstrom Wasserstoff hergestellt und gespeichert werden kann. Das grüne Gas könnte das Haus an kalten Tagen heizen, außerdem als Treibstoff für Brennstoffzellen-Autos dienen.

In Deutschland liegt das Potenzial der Photovoltaik nach Berechnungen des Freiburger Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) bei kaum vorstellbaren 3400 Gigawatt, also dem 15-Fachen der heutigen Leistung aller hiesigen Kraftwerke. Nötig für eine erfolgreiche Energiewende in Deutschland sind laut ISE aber „nur“ bis zu 500 Gigawatt Photovoltaik-Leistung, zehnmal mehr als heute in diesem Sektor vorhanden.

Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft – ihre Klima- und Umweltschäden sind viel geringer als die von Kohle, Öl und Gas. Trotzdem muss auch hier auf die Umweltfolgen geachtet werden, siehe die Debatten um die Abstände von Windkraftanlagen oder die „Tank oder Teller“-Problematik bei den Bioenergien.

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