1. Startseite
  2. Wissen

Beschädigte Sojus-Kapsel an der ISS: Noch ist keine Entscheidung gefallen

Erstellt:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Große Sorgen an Bord der ISS und beim Bodenpersonal: Eine Sojus-Raumkapsel ist beschädigt – der Crew fehlt im schlimmsten Fall ein „Rettungsboot“.

Update vom Dienstag, 10. Januar 2023: Noch ist offiziell keine Entscheidung zur beschädigten Sojus-Raumkapsel gefallen. Gerüchte, wonach die Kapsel als nicht mehr flugtauglich bewertet wurde und eine Rettungsmission mit einer neuen Sojus sowie einer „Crew Dragon“-Kapsel von SpaceX starten sollen, sind noch nicht bestätigt. Es wird jedoch erwartet, dass in den kommenden Tagen eine Entscheidung getroffen und kommuniziert wird.

Eine russische Sojus-Raumkapsel im Weltraum. (Archivbild)
Eine russische Sojus-Raumkapsel im Weltraum. (Archivbild) © dpa/Roscosmos State Space Corporation/AP/Sergei Korsakow

Beschädigte Sojus-Kapsel befindet sich an der ISS

Update vom Mittwoch, 4. Januar 2023: Wie es mit der beschädigten Sojus-Raumkapsel, die an der Internationalen Raumstation ISS angedockt ist, weitergeht, ist immer noch unklar. Während sich die russische Seite weiter in Schweigen hüllt, steht auf Seiten der Nasa die Aussage im Raum, dass man bei SpaceX angefragt habe, ob das Unternehmen im Notfall in der Lage sei, zusätzliche Crewmitglieder zu transportieren.

Eins ist klar: Schickt Roskosmos eine Ersatz-Sojus zur ISS oder sendet SpaceX eine weitere „Crew Dragon“-Kapsel, dürfte das die geplanten Crew-Rotationen der nächsten Zeit durcheinanderbringen. Der nächste Sojus-Start mit einer neuen, dreiköpfigen Crew ist eigentlich für März 2023 geplant. Wird die Kapsel früher und ohne Crew zur ISS geschickt, fehlt eine neue ISS-Besatzung. Gleiches gilt für die Nasa: Schickt SpaceX eine leere „Crew Dragon“ zur ISS, fehlt die Kapsel für die Crew, die eigentlich frühestens am 19. Februar 2023 zur ISS aufbrechen soll.

Weltraum-Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen Weltraum-Newsletter und lassen Sie sich zweimal im Monat über die wichtigsten Themen aus Astronomie und Raumfahrt informieren.

Sicherheitsexperte: Beschädigte Sojus an der ISS ist ein Risiko

Auch wenn derzeit wenig über die beschädigte Sojus zu hören ist, handelt es sich nach Einschätzung des Direktors der International Association for the Advancement of Space Safety (IAASS) um ein großes Risiko. Tommaso Sgobba erklärt gegenüber dem Fachportal Space.com, dass es „höchstwahrscheinlich das erste Mal“ sei, „dass die Raumstation nicht über ein vollwertiges Rettungsboot verfügt“.

Sgobba, der einst für die Raumfahrt-Sicherheit bei der europäischen Raumfahrtorganisation Esa verantwortlich war, fügt hinzu: „Das ist mein persönliches Gefühl, aber wenn es stimmt, haben wir ein großes Problem auf der Raumstation. Uns fehlt das Rettungssystem für die Besatzung.“

Beschädigte Sojus: ISS-Crew fehlt möglicherweise ein „Rettungsboot“

Erstmeldung vom Sonntag, 1. Januar 2023: Washington D.C./Moskau – Die Zeit zwischen Weihnachten, Silvester und Neujahr wird nicht nur auf der Erde meist etwas ruhiger angegangen – auch an Bord der Internationalen Raumstation ISS wird es in der Regel festlich. Da wird weihnachtlich geschmückt, Weihnachtsbotschaften für die Lieben auf der Erde werden aufgenommen und ein Festessen gibt es natürlich auch. Doch im gerade zu Ende gegangenen Jahr 2022 dürften sich bei der aktuellen ISS-Crew zwischen der Arbeit und den Feiern auch Sorgen eingeschlichen haben.

Denn seit einem Problem mit einer Sojus-Raumkapsel in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember ist nicht klar, ob die Internationale Raumstation noch über ausreichend „Rettungsboote“ für die gesamte Besatzung verfügt. Mittlerweile ist bekannt, dass die Sojus-Kapsel, die zwei russische Kosmonauten und einen US-Astronauten zur ISS befördert hat, Kühlmittel verloren hat. Unklar ist jedoch bisher, ob die Raumkapsel noch in der Lage ist, ihre Crew bestehend aus Sergej Prokopjev, Dmitri Petelin und Frank Rubio zur Erde zurückzutransportieren.

Sojus-Kapsel wird im Gefahrenfall auf der ISS als „Rettungsboot“ genutzt

Doch das ist nicht alles: Im Gefahrenfall – beispielsweise, wenn Weltraumschrott der ISS zu nahe kommt – werden die angedockten Raumkapseln üblicherweise auch als „Rettungsboote“ für die Crew genutzt: Die Astronautinnen und Astronauten ziehen sich dann in die Kapseln zurück, mit denen sie gekommen sind und sind jederzeit bereit, von der ISS abzudocken und im schlimmsten Fall zur Erde zurückzukehren.

Mit einem Roboterarm untersucht die ISS-Crew die beschädigte Sojus-Raumkapsel.
Mit einem Roboterarm untersucht die ISS-Crew die beschädigte Sojus-Raumkapsel. © dpa/NASA TV

In der SpaceX-Raumkapsel „Crew Dragon“ ist jedoch nur Platz für die vier Crewmitglieder, die mit ihr angereist sind: Josh Cassada, Nicole Mann (beide Nasa), Koichi Wakata (Japan) und Anna Kikina (Russland). Was im Ernstfall passieren würde, wurde weder von der Nasa noch von der russischen Raumfahrtorganisation Roskosmos kommuniziert. Beide Behörden untersuchen den Vorfall seit Mitte Dezember, doch ob die Sojus-Kapsel tatsächlich noch für den Transport einer Crew genutzt werden kann, ist bisher nicht geklärt.

Sojus-Raumkapsel an der ISS wurde wohl von außen beschädigt

Nach Angaben von Roskosmos wurde bei einer Untersuchung der Sojus-Kapsel festgestellt, „dass der Kühler des Temperaturkontrollsystems aufgrund einer äußeren mechanischen Beschädigung gerissen ist“. Ein Meteoroid oder ein Stück Weltraumschrott könnte dafür verantwortlich sein, heißt es weiter. Anfang Januar soll es eine Entscheidung geben, wie Russland mit der beschädigten Sojus-Kapsel umgehen wird. Es gibt drei Möglichkeiten:

Nasa will herausfinden, ob SpaceX im Notfall helfen kann

Zur letzten der drei Möglichkeiten hat sich auch bereits die US-Raumfahrtorganisation geäußert: „Im Rahmen der Analyse hat sich die Nasa auch an SpaceX gewandt, um zu erfahren, ob das Unternehmen in der Lage ist, zusätzliche Besatzungsmitglieder zurückzubringen, falls dies in einem Notfall erforderlich ist“, heißt es auf der Nasa-Website. Der Fokus liege jedoch darauf, zu verstehen, wozu die beschädigte Sojus noch in der Lage ist.

Ob es darum geht, eine zusätzliche SpaceX-Kapsel zur Internationalen Raumstation zu schicken oder um zusätzliche Plätze an Bord der Kapsel, die sich bereits an der ISS befindet, ist nicht bekannt. Erschwert werden dürfte die Situation jedoch dadurch, dass Personen, die mit der SpaceX-Kapsel fliegen, in der Regel individuell angepasste Raumanzüge tragen. Ob das ein Problem darstellt, ist bisher ebenfalls unbekannt. (tab)

Auch interessant

Kommentare