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Bluthochdruckpatienten sollten ergänzend zu den halbjährlichen Checks beim Arzt, regelmäßig selbst Kontrollen vornehmen. Zum Beispiel zweimal täglich, morgens und abends.

Bluthochdruck

„Sie sind übergewichtig? Das ist wunderbar!“

Experten geben Ratschläge zur Therapie des Bluthochdrucks. Neben den Checks beim Arzt ist auch Selbstkontrolle wichtig. Eine Nachlese der Telefonaktion der Berliner Zeitung.

Experten geben Ratschläge zur Therapie des Bluthochdrucks. Neben den Checks beim Arzt ist auch Selbstkontrolle wichtig. Eine Nachlese der Telefonaktion der Berliner Zeitung.

Wer unter Bluthochdruck leidet, hat viele Fragen. Das wurde deutlich bei der von der Deutschen Herzstiftung unterstützten Telefonaktion der Berliner Zeitung zu dem Thema. Zwei Stunden lang standen zwei Berliner Kardiologen Rede und Antwort. Rund 50 Leser hatten in dieser Zeit die Gelegenheit, mit den Experten ihre gesundheitlichen Probleme zu erörtern. Die Fragen, die Professor Dietrich Andresen, Direktor der Klinik für Innere Medizin im Vivantes-Klinikum Am Urban und im Friedrichshain in Berlin, und Privatdozent Philipp Stawowy, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin/Kardiologie des Deutschen Herzzentrums in Berlin-Wedding, beantworteten, betrafen fünf wichtige Bereiche: die Kombination von Arzneimitteln, nicht-medikamentöse Möglichkeiten der Hypertonie-Therapie, die neue Operation gegen Bluthochdruck, die Blutdruckmessung und die Folgen der Krankheit. Ein Überblick.

Sollten auch Gesunde ihren Blutdruck regelmäßig messen?

Schon bei Kindern ist es empfehlenswert, ab und zu den Blutdruck zu messen – zumindest einmal bei Schuleintritt und einmal im Jugendalter. Im frühen Erwachsenenalter sollte mindestens eine weitere Messung erfolgen. „Wenn es in der Familie bereits Fälle von Bluthochdruck gibt, ist es ratsam ab 30 Jahren mit jährlichen Messungen zu beginnen, ohne familiäre Vorbelastung kann man damit bis zum 40. Geburtstag warten“, sagt Andresen.

Ab dem 50. Lebensjahr werde die Messung halbjährlich empfohlen. Bluthochdruckpatienten rät der Kardiologe ergänzend zu den halbjährlichen Checks beim Arzt, regelmäßig selbst Kontrollen vorzunehmen. Zum Beispiel zweimal täglich, morgens und abends.

Was muss bei der Eigenkontrolle des Blutdrucks beachtet werden?

Wichtig ist es, stets zweimal die Werte zu ermitteln, und zwar kurz hintereinander. Im Zweifelsfall ist der zweite Wert aussagekräftiger. „Außerdem sollte man in den fünf Minuten davor bereits ruhig sitzen und darauf achten, dass sich die Manschette oder das Handgelenkmessgerät auf Herzhöhe befinden“, sagt Stawowy. Grundsätzlich ist es dem Kardiologen zufolge wichtig, darauf zu achten, dass das Gerät genau misst und geeicht ist. Ob ältere Geräte noch korrekte Werte angeben, kann man in vielen Apotheken prüfen lassen oder zum Beispiel durch einen Vergleich mit dem vom Hausarzt gemessenen Wert herausfinden. Wichtig zu wissen: Ein paar Ausreißer kann es geben, es kommt auf die Gesamtheit der Werte im Tagesverlauf an.

Wann muss der Blutdruck gesenkt werden?

Wenn der Wert bei Messung in Ruhe bei mehrfacher Bestimmung über 140 (systolisch) oder 90 (diastolisch) Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) liegt.

Lässt sich erhöhter Blutdruck auch ohne Medikamente senken?

Wenn die Hypertonie nicht zu stark ausgeprägt ist, sollten diese Möglichkeiten zuallererst ausgeschöpft werden. Professor Andresen fragte die Patienten am Telefon deshalb zunächst stets, ob sie übergewichtig seien. „Das ist wunderbar“, antwortete er einem Vierzigjährigen, der bei 1,80 Metern Körperlänge 90 Kilogramm wiegt. „Denn über das Körpergewicht lässt sich der Blutdruck gut regulieren. Nehmen Sie zehn Kilogramm ab, dann wird er sinken.“ Seine Tipps dazu: Nie den Teller ganz leer essen; keine gesüßten Getränke sondern nur noch Wasser; das Essen nicht nachsalzen; jeden Tag das Gewicht kontrollieren. Auch Sport ist wichtig: Mindestens drei- besser fünfmal pro Woche 30 Minuten Ausdauerbelastung wie flottes Gehen, Radfahren, Joggen oder Schwimmen. Außerdem: Entspannungsmethoden, wenig Alkohol und keine Zigaretten.

Drei verschiedene Mittel gegen Bluthochdruck einnehmen – muss das sein?

Die Zahl der Mittel, die den Blutdruck senken, ist groß: Auf fünf Arzneimittelklassen verteilen sich mehr als 40 verschiedene Wirkstoffe. Sie erhöhen die Salzausscheidung über die Nieren (Diuretika), erweitern die Blutgefäße (ACE-Hemmer, Sartane und Calciumantagonisten) oder mäßigen die Herzkraft (Betablocker). „Zwei Drittel der Patienten brauchen für eine gute Regulierung ihres Blutdrucks mindestens zwei verschiedene Mittel, viele sogar drei“, sagt Philipp Stawowy. Welche Arzneien verschrieben werden, hängt von Begleiterkrankungen ab, wie gut die Medikamente vertragen werden und wie gut der Patient darauf anspricht. Wer mehrere Tabletten einnehmen muss, dem empfehlen die Experten Kombinationspräparate. „Damit ist die Gefahr geringer, dass einige Tabletten einfach mal weggelassen oder vergessen werden und es ist einfach praktisch“, sagt Andresen. Teurer seien Kombimittel in der Regel nicht. Falls doch, sei es möglich, bei der Krankenkasse einen Antrag auf Übernahme der Kosten stellen.

Wie merkt man, ob ein Mittel wirkt?

Das zeigt sich an einem gut eingestellten Blutdruck, aber das geschieht nicht von heute auf morgen. Nach einem Medikamentenwechsel oder bei Ersteinnahme eines Mittels sollte zur Kontrolle nach etwa vier Wochen eine Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden erfolgen. „Wenn ein Mittel zu stark oder zu rasch den Blutdruck senkt, macht sich das durch Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit und Abgeschlagenheit bemerkbar“, sagt Andresen. Oft muss sich der Körper aber auch erst an die Arznei gewöhnen.

Kann man auf die Medikamente verzichten, wenn der Blutdruck gut eingestellt ist?

„Auf keinen Fall!“, sagt Philipp Stawowy. „Dann würde der Blutdruck wieder ansteigen.“ Die medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks ist eine lebenslange Therapie, betont er. Eine 65-jährige Anruferin nimmt diese Information enttäuscht zur Kenntnis. Der Kardiologe tröstet sie: „Sie müssen die Mittel zwar ihr Leben lang nehmen, aber dafür leben Sie auch länger.“ Denn wer über Jahre mit zu viel Druck in den Adern lebt, riskiert schwere Folgeerkrankungen: Herzmuskelschwäche, Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine, Nierenversagen oder Erblindung können auftreten (siehe Grafik). Die häufigste Komplikation ist der Schlaganfall.

Was tun, wenn sich der Blutdruck auch mit mehreren Mitteln nicht ausreichend senken lässt?

Manchmal sind die Mittel noch nicht optimal dosiert oder es muss ein weiteres eingenommen werden. Eine 60-jährige Anruferin berichtete zum Beispiel, bereits drei Mittel einzunehmen: einen Betablocker, ein Diuretikum und einen Calciumantagonisten. Trotzdem habe sie immer noch hohen Blutdruck und dabei das Gefühl, als komme ihr das Herz zum Hals heraus. „Die Mittel reichen offensichtlich nicht aus“, sagt Stawowy.

Er empfiehlt ihr, mit dem Hausarzt das weitere Vorgehen zu besprechen und einen Kardiologen aufzusuchen.

Sind Hypertonie-Patienten immer ein Fall für den Kardiologen?

Nicht unbedingt. „Auch Allgemeinmediziner kennen sich in der Regel gut aus mit der Bluthochdruck-Therapie“, sagt Stawowy. Wer sich bei seinem Hausarzt gut aufgehoben fühlt und einen gut eingestellten Blutdruck hat, muss nicht unbedingt wechseln. „Für kompliziertere Fälle sind spezialisierte Fachärzte vorgesehen“, ergänzt Andresen.

Lässt sich Bluthochdruck operativ behandeln?Seit kurzem gibt es eine Methode, bei der Nerven verödet werden, die an der Entstehung von Bluthochdruck beteiligt sind. Nierenarterien-Ablation wird der Eingriff genannt. Dabei schieben Ärzte einen Katheter über die Oberschenkelschlagader bis in die Nierenarterie. Die Spitze des Katheters wird durch Strom erhitzt. Die entstehende Hitze verödet die Nervenfasern. Der obere (systolische) Blutdruckwert sinkt durch den Eingriff im Schnitt um 30 mmHg, der untere (diastolische) um 15 mmHg. „Dieser Eingriff kommt aber erst dann in Frage, wenn der Hypertonie auch mit drei verschiedenen Mitteln in ausreichender Dosierung nicht beizukommen ist“, sagt Andresen. Bislang gibt es gute Erfahrungen mit der Methode.

Aufgezeichnet von Anne Brüning.

Mehr zum Thema Bluthochdruck in dem 88 Seiten umfassenden Ratgeber „Bluthochdruck heute“ der Deutschen Herzstiftung.

Gegen drei Euro in Briefmarken erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Vogtstr. 50, 60?322 Frankfurt

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