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Für eine erfolgreiche Behandlung der Leukämie braucht Astrid G. einen Spender, der einen ähnlichen Genmix hat wie sie selbst.

Leukämie

Schwere Suche nach dem passenden Zwilling

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Astrid G. braucht dringend einen Stammzellenspender mit europäisch-nigerianischen Wurzeln. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit.

Der Gedanke, meine Kinder nicht aufwachsen sehen zu können, ist für mich unerträglich“, sagt Astrid G. Die 41-Jährige leidet an akuter myeloischer Leukämie (AML), einer besonders schweren Form von Blutkrebs. In einem Video auf der Internetseite www.help-astrid.com schildert sie ihre kritische Situation. Derzeit ist Astrid wieder zur Behandlung im Krankenhaus. „Doch die Chemotherapien reichen nicht“, sagt ihr Mann Florian. Ohne einen Stammzellenspender werde Astrid die Krankheit nicht mehr lange überleben. „Uns bleibt nicht viel Zeit.“

Deswegen setzen er und eine Unterstützergruppe schon seit einer Weile alle Hebel in Bewegung, um weltweit einen sogenannten „genetischen Zwilling“ zu finden, der Astrid helfen kann.

Grundsätzlich ist die Suche nach einem Spender kein unüberwindliches Problem mehr: Jedenfalls für Menschen, deren Eltern beide aus Europa stammen. Neun von zehn Deutschen ohne Migrationshintergrund könnten inzwischen mit den passenden Stammzellen versorgt werden, sagt Sonja Schlegel vom Zentralen Knochenmarkspender-Register für Deutschland (ZKRD).

Auch Astrid G. hat diese Erfahrung gemacht. „Alle anderen Patienten, die sie im Krankenhaus trifft, finden nach und nach ihre passenden Spender“, schildert ihr Mann Florian. Bei ihr selbst gestaltet sich die Suche nach dem „genetischen Zwilling“ jedoch weitaus schwieriger. Denn Astrids Eltern stammen aus Deutschland und Nigeria.

Für eine erfolgreiche Stammzellenübertragung braucht man einen Spender, der einen ähnlichen Genmix hat wie der Patient. Entscheidend seien die sogenannten HLA-Merkmale, die sich an der Oberfläche der menschlichen Zellen befinden, sagt Sonja Schlegel. Jeweils fünf würden vom Vater vererbt und fünf von der Mutter.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Für Astrid bedeutet das: Sie braucht einen Stammzellenspender, dessen einer Elternteil aus Europa kommt, der andere aus Westafrika, idealerweise aus Nigeria von der Volksgruppe der Igbo. Doch das gestaltet sich wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Denn weniger als drei Prozent aller weltweit registrierten Personen haben einen gemischten ethnischen Hintergrund. Und wiederum nur ein Bruchteil davon erfüllt die Kriterien, die im Falle von Astrid nötig sind.

Dennoch habe seine Frau weiterhin große Hoffnung, dass es irgendwo auf der Welt auch für sie einen passenden Spender gibt – „und wir ihn nur finden müssen“, sagt ihr Mann Florian. Leider komme niemand aus der Familie in Frage, deswegen müsse ein Fremdspender gefunden werden.

Und das versucht der Unterstützerkreis mit einer breit gestreuten Kampagne. Das Video sei auf Instagram inzwischen mehrere Millionen mal geteilt worden, sagt Alex D. vom Team „Help Astrid“. Viele Menschen hätten bereits ihre Hilfe angeboten, darunter Jugendfreunde, die Astrid vor Jahren aus den Augen verloren hatte. Aber auch Unternehmen und Sportvereine wie Eintracht Frankfurt oder die Basketballer von den Skyliners hätten sich eingeklinkt.

Entscheidend sei eine möglichst internationale Verbreitung, um Menschen mit den beschriebenen Voraussetzungen zu finden und zu motivieren, eine Stammzellenspende abzugeben, betont D.. Besonders bewegend sei es für Astrid und ihre Unterstützer gewesen, dass der Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby (SPD) Astrids Schicksal in einer Parlamentsdebatte thematisiert habe.

Trotzdem ist der „genetische Zwilling“ bislang noch nicht gefunden. Was im Falle der Familie zusätzliche Brisanz besitzt, da Florian G. seit fünf Jahren – nach einem schweren Unfall – auf einen Rollstuhl angewiesen ist und die beiden zwei Kinder im Alter von neun und elf Jahren haben.

Auch damals habe es eine Weile gedauert, bis die Familie wieder zur Normalität zurück gefunden habe, berichtet Florian G. Doch diese Erfahrung habe ihnen gleichzeitig verdeutlicht, „dass das Leben auch unter anderen Umständen weiter sehr lebenswert sein kann.“ Daraus schöpfe die Familie, die im Rhein-Main-Gebiet lebt, nun trotz des neuerlichen Schicksalsschlags ihre Kraft und ihren Optimismus. Für Florian G. steht fest: „Aufgeben ist für uns keine Option.“

Stammzellen spenden

Wer sich als Spender registrieren lassen will, kann sich an eine der 26 Spenderdateien in Deutschland wenden. Die Adressen finden sich auf der Webseite des Zentralen Knochenmarkspenderregisters Deutschland (ZKRD): www.zkrd.de

Alle gesunden volljährigen Personen kommen als freiwillige Spender in Frage. Neue Spender werden allerdings in der Regel nur bis zum Alter von 55 Jahren registriert.

Weltweit sind laut ZKRD derzeit 34,5 Millionen Stammzellenspender registriert. Weniger als drei Prozent davon haben eine gemischt-ethnischen Herkunft. In Deutschland gibt es 8,3 Millionen registrierte Spender. Allein im vergangenen Jahr sind knapp 700 000 hinzugekommen.

Mehr Informationen zur Situation von Astrid G. und zu Hilfsmöglichkeiten gibt es auf der folgenden Internetseite: www.help-astrid.com.

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