Astronomie

Schwarzes Loch verschlingt Stern: Tod durch Spaghettisierung

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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Dass ein Schwarzes Loch einen Stern ansaugt, klingt wie Science Fiction. Wissenschaftler aber haben genau dieses Phänomen entdeckt.

  • Astronomen der Europäischen Südsternwarte (ESO) haben ein seltenes Phänomen beobachten können.
  • Ein Schwarzes Loch „saugt“ einen Stern an.
  • Dabei wird der Stern in feine Stränge zerrissen.

Wenn ein Objekt zu nah an einem Schwarzen Loch vorbeikommt, hört es meist auf zu existieren, da es von dem Schwarzen Loch verschluckt wird. In diesem Fall spricht man von einem „Tidal Disruption Event“. Vorher wird das Objekt aber noch „spaghettisiert“. Was sich hinter dem Begriff verbirgt, zeigt eine neue Beobachtung eines Astronomenteams der Europäischen Südsternwarte (ESO).

„Spaghettisierung“: Schwarzes Loch verschlingt Stern

„Die Vorstellung, dass ein Schwarzes Loch einen nahen Stern ‚ansaugt‘, klingt wie Science Fiction. Aber genau das passiert bei einem Tidal Disruption Event“, wie Matt Nicholl, Dozent und Forschungsstipendiat der Royal Astronomical Society an der Universität Birmingham und Hauptautor der neuen Studie, erklärt. Es sei äußerst schwierig, die Augenblicke, in denen Sterne von Schwarzen Löchern verschluckt werden, zu untersuchen. Insbesondere, wenn während des Prozesses die sogenannte „Spaghettisierung“ auftauche.

Letztes Jahr konnte das Forscherteam mit dem „Very Large Telescope“ (VLT) und dem „New Technology Telescope“ der ESO einen Lichtblitz wahrnehmen, der in der Nähe eines supermassereichen Schwarzen Lochs auftrat. Der Ursprung des Lichtblitzes: ein Stern, der von dem Schwarzen Loch verschlungen wurde. Die Forscher wollten das Phänomen genauer untersuchen.

Schwarzes Loch zerreißt Stern in dünne Fäden

In der Theorie ist klar, was passiert. Wenn ein unglückseliger Stern zu nahe an ein supermassereiches Schwarzes Loch im Zentrum einer Galaxie wandert, zerreißt die extreme Anziehungskraft des Schwarzen Lochs den Stern in dünne Fäden aus Materie“, schildert Studienautor Thomas Wevers. In diesem Moment spreche man von „Spaghettisierung“. Während der Stern dabei in dünne Fäden aus Materie zerrissen wird, können einige der feinen Stränge des Sterns in das Schwarze Loch fallen, was einen gewaltigen Energieschub freisetzt, der von Astronomen nachgewiesen werden kann.

Ein Schwarzes Loch verschluckt einen Stern, visualisiert in einer künstlerischen Darstellung.

Die Untersuchung des Lichtblitzes wurde in der Vergangenheit erschwert, das ein Schwarzes Loch beim Verschlingen eines Sterns Material nach Außen schleudern kann und damit eine Art Vorhang aus Staub und Trümmern bildet, was den Astronomen die Sicht erschwert. Bei dem beobachteten Vorgang handele es sich um einen Glücksgriff, so die Autoren. „Weil wir ihn früh erwischt haben, konnten wir tatsächlich beobachten, wie sich der Vorhang aus Staub und Trümmern aufbaute, als das Schwarze Loch einen mächtigen Ausstoß von Material mit Geschwindigkeiten von bis zu 10.000 km/s auslöste“, sagt Kate Alexander, Autorin der Studie. (Marvin Ziegele)

Rubriklistenbild: © ESO/ M. Kornmesser

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