Gibt es in unserm Sonnensystem einen neunten Planeten? Bisher hat niemand „Planet 9“ zu Gesicht bekommen.
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Gibt es in unserm Sonnensystem einen neunten Planeten? Bisher hat niemand „Planet 9“ zu Gesicht bekommen.

Astronomie

Mysteriöser „Planet 9“: Wie Forscher herausfinden wollen, ob es sich um ein schwarzes Loch handelt

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Könnte der mysteriöse „Planet 9“ ein primordiales schwarzes Loch in unserem Sonnensystem sein? Forscher aus Harvard haben einen Plan, wie sie das Mysterium innerhalb eines Jahres lösen können.

  • Forscher suchen nach „Planet 9“, der Teile unseres Sonnensystems beeinflussen soll
  • Mancher Wissenschaftler glaubt, dass es sich nicht um einen Planeten, sondern um ein schwarzes Loch handelt
  • Wenn es dieses schwarze Loch in unserem Sonnensystem gibt, könnte es nun bald gefunden werden

Gibt es weit draußen in unserem Sonnensystem einen bisher unbekannten neunten Planeten? Diese Theorie haben Forscher vor einigen Jahren aufgestellt und seitdem wird nach „Planet 9“ intensiv gesucht. Die Forscher kamen auf diese Theorie, weil die Bewegung einiger Himmelskörper jenseits des Planeten Neptun nur dann Sinn ergibt, wenn sie von der Schwerkraft eines anderen, bisher unbekannten Himmelskörpers beeinflusst werden.

Dieser Planet müsste den Berechnungen zufolge die fünf- bis fünfzehnfache Masse der Erde haben, zwanzig Mal weiter von der Sonne entfernt sein als Neptun und 10.000 bis 20.000 Jahre für einen Umlauf um die Sonne brauchen. Doch bis heute hat die Suche nach „Planet 9“ keinen Erfolg gebracht. Bereits in den Jahren 2010 und 2011 hatte das Nasa-Weltraumteleskop „Wise“ (das 2020 unter dem neuen Namen „Neowise“ einen Kometen entdeckt hat, der mit bloßem Auge am Himmel zu sehen ist) den gesamten Nachthimmel abgesucht - und bis in eine Entfernung von 26.000 astronomischen Einheiten (AE, ein AE entspricht etwa 150 Millionen Kilometern) um die Sonne keinen Planeten gefunden, der so groß ist wie Jupiter.

Auf der Suche nach dem mysteriösen „Planet 9“ - Handelt es sich um ein schwarzes Loch?

Trotzdem geben die Vertreter der „Planet 9“-Theorie nicht auf. Man habe „Planet 9“ bisher nicht entdeckt, weil in die Region, in der er sich mutmaßlich aufhält, nur wenig Sonnenlicht dringt, so eine gängige Erklärung. Andere Forscher können sich wiederum vorstellen, dass „Planet 9“ längst vom Weltraumteleskop „TESS" entdeckt wurde. Vor einiger Zeit stellten jedoch Forscher eine ganz andere Theorie auf: Bei „Planet 9“ könnte es sich um ein primordiales schwarzes Loch in unserem Sonnensystem handeln, so die Vermutung. Primordiale schwarze Löcher sind sehr klein und leicht und haben sich - im Gegensatz zu allen anderen Arten von schwarzen Löchern - bereits beim Urknall gebildet. Das besagt zumindest die Theorie, die zuerst Stephen Hawking in den 1970er Jahren aufstellte. Bis heute wurde die Existenz primordialer schwarzer Löcher jedoch nicht bestätigt.

Doch ein solches schwarzes Loch in unserem Sonnensystem würde zwei Dinge gut erklären: Die seltsamen Bahnen einiger transneptunischer Himmelskörper und den Umstand, warum man „Planet 9“ noch nicht gefunden hat. Das schwarze Loch, das die Forscher im Sonnensystem vermuten, wäre nämlich winzig: ein primordiales schwarzes Loch mit der Masse von fünf Erden hätte etwa einen Radius von fünf Zentimetern.

Ist „Planet 9“ ein schwarzes Loch? Dann könnte er bald von einem neuen Teleskop gefunden werden

Nun melden sich erneut Forscher zu Wort, die eine gute Nachricht haben: Sollte tatsächlich ein schwarzes Loch am Rande unseres Sonnensystems existieren, dann sollte es das neue „Vera C. Rubin Observatory“ in Chile binnen eines Jahres entdecken können - oder die Theorie vom primordialen schwarzen Loch im Sonnensystem widerlegen. Die Studie von Amir Siraj and Abraham Loeb, die beide am Astronomie-Institut der Harvard University forschen, wurde vom Fachjournal „The Astrophysical Journal Letter“ zur Veröffentlichung angenommen.

Die beiden Forscher führen darin aus, dass das Rubin-Observatorium das erste Teleskop sein wird, das die Spuren von Objekten nachweisen kann, die in ein schwarzes Loch gerissen werden. Das müsste das hypothetische schwarze Loch mehrmals jährlich tun - und sich dabei letztendlich verraten.

Suche nach mysteriösem „Planet 9“ im Sonnensystem: Forscher kennen nur die grobe Region

Die Technik, die derzeit im Einsatz ist, um unter anderem nach "Planet 9" zu suchen, kann nach Einschätzung der Forscher vor allem bestimmte Stellen des Himmels untersuchen - was bei der Suche nach „Planet 9“ nicht sehr hilfreich ist. „Wir wissen nicht genau, wohin wir schauen müssen“, so Forscher Siraj in einer Harvard-Mitteilung. „Wir kennen nur die grobe Region, in der der Planet sein könnte.“ Das Rubin-Observatorium dagegen kann den kompletten zugänglichen Himmel innerhalb von drei Tagen fotografieren - und dabei auch in einem großen Areal die Spuren von Objekten erkennen, die in ein schwarzes Loch hinein gerissen werden, so die Forscher. Das „Vera C. Rubin“-Observatorium soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.

„Die Außenbezirke des Sonnensystems sind unser Hinterhof“, erklärt Forscher Loeb. „Planet 9“ zu entdecken vergleicht er damit, zu entdecken, dass es einen Schuppen hinter dem eigenen Haus gibt, den man bisher nicht kannte und dass dort ein Cousin wohnt. „Das stellt sofort die Frage, gibt es mehr davon?“ (Von Tanja Banner)

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