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Die meisten mobilen Geräte enthalten wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien.
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Die meisten mobilen Geräte enthalten wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien.

Elektronik

Schwachstelle Akku

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Batterien sind in Smartphones und Tablets oft schwer zugänglich verbaut - deshalb werden sie meist nicht ausgetauscht. Der Druck auf die Hersteller, das Problem zu lösen, wächst.

Wer Handys schon etwas länger nutzt, erinnert sich noch: Ausgediente Akkus mit zu schwacher Speicherkapazität konnte man mit ein paar Handgriffen austauschen, und die Ersatzteile waren im Handy-Laden oder im Internet für ein paar Euro leicht zu kriegen. Heute ist das anders. Fast nur alternative Hersteller wie Fairphone oder Shiftphone bauen ihre Geräte so, dass das möglich ist. Wer einen neuen Akku braucht, muss ihn teuer im Laden oder beim Hersteller wechseln lassen. Oder legt sich gleich ein neues Smartphone zu.

Das Problem gibt es inzwischen auch bei vielen anderen Geräten. Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Austauschbarkeit und Reparaturfreundlichkeit der meisten Akkus in Unterhaltungselektronik, aber auch etwa bei E-Rollern, mangelhaft ist. Das führe zu kürzeren Produktlebensdauern, steigenden Elektroschrottmengen, dem Verlust seltener Rohstoffe und unnötigen Ausgaben für Verbraucher:innen.

Zu dem Schluss kommt die Studie, die vom NGO-Dachverband Europäisches Umweltbüro, der „Right-to-Repair“-Kampagne und einem Forschungsteam der Universität Lund in Schweden veröffentlicht wurde.

Recht auf Reparatur: Es mangelt an Ersatzteilen

Laut den Angaben ist es die erste umfassende Untersuchung zu diesem Thema. Ohne die wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien geht heute nichts mehr. Sie finden sich in den meisten mobilen Geräten – von Smartphones, Tablets, Laptops bis hin zu E-Scootern und E-Bikes. Ein schwacher Akku ist eines der häufigsten Probleme in der Unterhaltungselektronik und oft auch die erste Komponente, die bei den elektrischen Antrieben versagt. Laut der Studie sind 42 Prozent der Reparaturen von Smartphones und 27 Prozent der Reparaturen von Laptops auf den Wechsel der Batterien zurückzuführen.

austauschbare akkus

Bei Smartphones geht der Trend seit Jahren zu fest eingebauten Akkus. Es lassen sich jedoch noch Modelle finden, bei denen man ihn selbst wechseln kann. Bei alternativen Herstellern wie Fairphone gehört die modulare Bauweise, die den Austausch auch von anderen Bauteilen möglich macht, zum Konzept; aktuelles Modell: 4 5G. Samsung bietet mit Wechselakku das Outdoor-Gerät Galaxy Xcover 5 an.
Weitere Modelle kommen unter anderem vom deutschen Hersteller Gigaset (GS5), dem Seniorenhandy-Spezialisten Emporia (Smart 5) und dem finnischen Unternehmen HMD Global (Nokia 1.3). Apple hat unterdessen angekündigt, Smartphone-Kunden künftig Ersatzteile, Werkzeug und Anleitungen anzubieten, damit sie ihre Geräte selbst reparieren können, vorerst aber nur in den USA. jw

Die Untersuchung, die unter anderem auf Umfragen und Interviews mit Menschen aus der Reperatur- und Recyclingbranche beruht, zeigt: Viele Batterien sind schwer zugänglich verbaut, verklebt – letzteres bei Handys und Smartphones zu fast 100 Prozent – oder durch Softwaresperren blockiert. Zudem mangelt es häufig an Ersatzteilen, Werkzeug und Reparaturinformationen. Deshalb würden viele Akkus nie ausgetauscht, repariert oder recycelt. Und das Problem wächst, denn Schätzungen zufolge wird die Nachfrage in den nächsten zehn Jahren weiter steigen – um bis zu 60 Prozent bei Batterien in Unterhaltungselektronik und 15 Prozent bei E-Scootern und E-Bikes.

Chloé Mikolajczak von der Right-to-Repair-Kampagne verwies darauf, dass die Akkus bei diesen Produkten durchschnittlich nur drei Jahre hielten. „Die meisten Reparateur:innen, mit denen wir gesprochen haben, gaben an, dass das Risiko, ein Gerät beim Entfernen des Akkus zu beschädigen, in den letzten Jahren gestiegen ist.“ Eine beträchtliche Anzahl von Geräten werde aufgrund von Problemen mit der Batterie vorzeitig entsorgt. Right to Repair ist ein Zusammenschluss von über 80 Organisationen aus 18 EU-Ländern, die sich für länger haltbare und besser reparierbare Produkte einsetzen.

Recht auf Reparatur: Verbraucher:innen könnten viele Geld sparen

Das Team der Universität Lund rechnet vor: Wären alle neuen Smartphones und Tablets, die im Jahr 2030 voraussichtlich in der EU verkauft werden, mit leicht austauschbaren Akkus ausgestattet, ließen sich 30 Prozent der Jahres-CO2-Emissionen dieser Geräte einsparen. Zudem würde sich durch besseres Recycling der Verlust von wichtigen Rohstoffen wie Kobalt und Indium verringern. Und die Verbraucher:innen könnten pro Jahr 19,8 Milliarden Euro einsparen.

Der Druck auf die Hersteller, das Akku-Problem besser zu lösen, wächst. So plant die EU eine „Batterieverordnung“, die den gesamten Lebenszyklus von Akkus von der Lieferkette bis zur Entsorgung regeln soll. Sie wird derzeit im Europäischen Parlament und im Europäischen Rat verhandelt. In dem Vorschlag der EU-Kommission geht es vor allem um die Entnehmbarkeit von Batterien. Kritiker monieren, dass darin bisher die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und das Problem der Softwaresperren, die eine Batteriereparatur verhindern, nicht angegangen werde. Zudem würden leichte E-Fahrzeuge nicht erfasst.

Unterdessen hat ein Bündnis von Elektronikreparatur-Betrieben, Unternehmen der Recyclingindustrie und Nichtregierungsorganisationen dazu eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Die über 500 Organisationen fordern darin, die Anforderungen an die Hersteller gegenüber den bisherigen Plänen zu verschärfen. Jean-Pierre Schweitzer vom Europäischen Umweltbüro sagte: „Die Hersteller verschwenden wertvolle Ressourcen und zwingen die Verbraucher:innen dazu, Geräte vorzeitig zu ersetzen.“ Der Europäische Rat und das EU-Parlament hätten nun die Chance, diese Probleme anzugehen.

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