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Oberärztin Anna-Theresa Seitz behandelt eine Patientin.

Schuppenflechte

Lässt sich Schuppenflechte durch die Ernährung beeinflussen?

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Kann eine spezielle Diät Menschen mit Schuppenflechte weiterhelfen? Das will eine Studie an der Uniklinik Leipzig herausfinden.

Trockene, gerötete Haut, dazu schuppiger, silbern glänzender Ausschlag – und das oft an verschiedenen Körperstellen: So sieht das klassische Erscheinungsbild einer Psoriasis, einer Schuppenflechte, aus, unter der allein in Deutschland rund zwei Millionen Menschen leiden. Anders als es auf den ersten Blick scheinen könnte, ist die Schuppenflechte kein Leiden allein der Haut, sondern des gesamten Körpers. Sie zählt zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem nicht nur gefährliche fremde Strukturen bekämpft, sondern sich auch gegen eigenes Gewebe richtet, was chronische Entzündungen auslöst. Bei der Psoriasis bewirkt diese Fehlfunktion unter anderem ein stark beschleunigtes Wachstum der Oberhautzellen, was sich dann im typischen Jucken und Schuppen äußert. Neben der Haut können auch Gelenke Nägel und Haare befallen sein. Wer an einer Psoriasis leidet, hat häufig eine genetische Veranlagung dafür. Gleichwohl nehmen nicht-erbliche Faktoren erheblichen Einfluss auf das Ausmaß der Erkrankung. Dazu zählt wie so oft der Lebensstil, insbesondere die Ernährung.

So belegen Studien, dass Übergewicht eine Psoriasis verschlimmern kann. Ärzte und Wissenschaftler der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) haben in einer vor wenigen Monaten publizierten, prämierten Forschungsarbeit zudem gezeigt, dass bereits eine ungesunde Ernährung die reich an gesättigten Fettsäuren ist, das Krankheitsgeschehen befeuern kann. Reich an gesättigten Fettsäuren sind Backwaren wie Pizza, Kuchen oder Kekse, Fleisch- und Wurstwaren, Burger, Pommes viele Fertigprodukte, aber auch Käse – insgesamt eine Fülle von Waren im Sortiment von Supermärkten, Bäckern und Metzgern. Menschen, die viel davon essen, leiden häufig an Übergewicht – handelt es sich um Patienten mit Schuppenflechte, so laufen sie Gefahr, ihrer Erkrankung damit „Nahrung“ zu geben.

Übergewicht und gesättigte Fettsäuren - Zusammenhang mit Schuppenflechte?

Bedeutet das im Gegenzug, dass eine Reduktion der gesättigten freien Fettsäuren zu einer Linderung führen kann? Die bisherigen Untersuchungen der Leipziger Wissenschaftler legen das laut dem Leiter der Forschungsgruppe, Klinikdirektor Jan-Christoph Simon, nahe. Auch haben die Forscher in Modellen beobachtet, dass eine Ernährungsweise, die arm an gesättigten, aber reich an ungesättigten Fettsäuren ist, mit einem geringeren Schweregrad der Schuppenflechte einhergeht.

Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler dieser Frage nun gezielt nachgehen. In dieser Woche startet an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie in Zusammenarbeit mit dem Ernährungsteam der Uniklinik Leipzig dazu eine Studie.

Schuppenflechte: Diäten können zu Behandlungserfolgen führen

Sie soll zeigen, ob eine Änderung der Essgewohnheiten und eine bestimmte Diät Einfluss auf den Behandlungserfolg nehmen können. Die Patienten bekommen neben einer Behandlung ihrer Schuppenflechte eine Ernährungsberatung und müssen eine spezielle Diät einhalten, die arm an gesättigten Fettsäuren ist. Dabei arbeiten die Forscher auch mit einem bekannten Diätprodukt. Das Präparat – ein Pulver zum Anrühren – wird den Patienten von der Klinik kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Studie startet in der kommenden Woche und soll über einen Zeitraum von sechs Monaten laufen. Patienten, die teilnehmen möchten, können sich jetzt noch melden. Voraussetzung ist, dass sie in den ersten Monaten alle zwei Wochen in der Uniklinik Leipzig zur Untersuchung vorstellig werden, im weiteren Verlauf der Studie reduziert sich das auf einmal im Monat.

Dass Adipositas sich negativ auf Schuppenflechte (wie auch auf viele andere Erkrankungen) und die Wirksamkeit der Therapien auswirkt und beide auffällig oft in Kombination miteinander auftreten, gilt in der Medizin als gesichert. Stark übergewichtige Patienten leiden deutlich häufiger unter einer schweren Psoriasis als Normalgewichtige. Dazu passt, dass die Zahl der Erkrankungen nach den Weltkriegen deutlich zurückging, während sie mit wachsendem Wohlstand gestiegen ist.

Adipositas und Schuppenflechte - bislang nur Vermutungen

Wie genau Adipositas und Schuppenflechte zusammenhängen, dazu gibt es bislang jedoch nur Vermutungen. „Es ist unklar, ob Psoriasis die Entstehung von Übergewicht begünstigt oder ob Adipositas die Entstehung einer Psoriasis durch einen chronisch pro-inflammatorischen Zustand fördert“, heißt es in der Leipziger Studie. Die Medizin weiß heute, dass starkes Übergewicht zu einer chronischen Entzündungsreaktion führt. Im Fall der Schuppenflechte liegt durch die Fehlfunktion des Immunsystems bereits eine chronische Entzündung vor. Man nimmt an, dass diese chronische Entzündung durch die erhöhte Aktivität der Adipozyten – Fettzellen – weiter angeheizt wird. Denn das Fettgewebe von schwer Übergewichtigen produziert verschiedene an das Immunsystem gerichtete Botenstoffe unter anderem solche, die eine Psoriais befeuern

Nun haben die Leipziger Wissenschaftler gezeigt, dass gesättigte Fettsäuren genau dieselben entzündliche Vorgänge im Körper begünstigen. Ungesättigte Fettsäuren hingegen sollen sich eher positiv auswirken. Worin aber genau liegt der Unterschied zwischen beiden? Chemisch gesehen besteht Fett aus Glycerin, an dem drei Kohlenwasserstoffketten, die Fettsäuren, hängen. Je nach Länge und Aufbau dieser Molekülketten unterscheidet man zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren.

Palmöl und Palmitinsäure könnten krebserregend sein

Zu den gesättigten Fettsäuren gehören die Palmitin- und die Stearinsäure, die beide in großen Mengen in vielen Lebensmitteln vorkommen. Die Stearinsäure ist unter anderem Bestandteil von Butter – auch Kakaobutter – und Schmalz – ebenso wie die Palmitinsäure, die, wie es der Name schon sagt, auch in Palmöl enthalten ist, das überdies im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Bei den ungesättigten Fettsäuren liegt das besondere Augenmerk der Mediziner einmal mehr auf der Omega-3-Fettsäure. Sie soll nicht nur Arterien vor Verschleiß schützen, sondern auch entzündungshemmend wirken. In großer Menge enthalten ist sie vor allem in fettem Fisch wie Hering, Makrele oder Lachs, wobei der Gehalt in Wildlachs wesentlich höher ist als der in Zuchtlachs. Als alpha-Linolensäure finden sich Vorstufen unter anderem in Raps-, Walnuss- und Leinöl.

Auch Infektionen und Medikamente können Schuppenflechte auslösen

Neben der Ernährung können noch andere nicht-erbliche Einflüsse eine Schuppenflechte verstärken oder zum Ausbruch bringen. Dazu gehören Infektionen (zum Beispiel des Rachens) oder bestimmte Medikamente. So könne die Einnahme von Betablockern zum Senken des Blutdrucks bei einer entsprechender Veranlagung dazu führen, dass eine Psoriasis sich manifestiert oder verschlimmert – ein Grund, warum etliche Patienten erst ab einem Alter von 50 Jahren erkranken. Auch liefern Studien aus mehreren Ländern Hinweise, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Entstehen einer Schuppenflechte begünstigen oder eine bestehende verschlimmern kann.

Patienten, die sich für die Ernährungsstudie am Uniklinikum Leipzig interessieren, können sich telefonisch unter der Nummer 0341-97-18666 oder per E-Mail an hau-kfe@medizin-uni-leipzig.de melden.

Therapie

Die Schuppenflechte (Psoriasis) zählt zu den von der WHO anerkannten chronischen Erkrankungen. Je nach Schweregrad stehen verschiedene Möglichkeiten der Behandlung zur Verfügung, die entweder äußerlich oder innerlich wirken. Eine kausale Therapie, mit der versucht wird, die Ursachen einer Erkrankung zu beseitigen, existiert im Fall der Psoriasis noch nicht.

Für die äußere Behandlung gibt es eine Reihe von Cremes mit verschiedenen Wirkstoffen. Bewährt haben sich vor allem Mittel mit chemisch verändertem Vitamin D3. Sie sollen die Entzündung der Haut und das übermäßige Wachstum der Hautzellen reduzieren. Urea-Cremes binden Flüssigkeit und sollen ein weiteres Austrocknen der Haut verhindern. Kortisoncremes sind für die kurz und mittelfristige Therapie der Psoriasis und an besonderen Körperstellen, etwa dem behaarten Kopf sinnvoll. Auch eine Lichttherapie mit UV-Licht kann helfen.

Zur innerlichen Behandlung werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt: Methotrexat dämpft die Aktivität des Immunsystems , Retinoide normalisieren das gestörte Wachstum der Oberhautzellen. Die psoriatische Entzündung wird durch Cyclosporin A unterdrückt, auf den gleichen Effekt zielen Mittel auf Basis verschiedener Fumarsäureester.

Direkt in Mechanismen des Krankheitsgeschehens greifen sogenannte Biologika ein - die jüngste Medikamentenklasse, die auch bei anderen Autoimmunerkrankungen wie Rheuma verstärkt eingesetzt wird. Der Ansatz dieser Mittel ist es, bestimmte Botenstoffe wie TNFalpha, Interleukin 12, 17 oder 23 zu unterdrücken, die bei der Psoriasis im Vergleich zur gesunden Haut vermehrt gebildet werden – um damit die Entzündungs-Kaskade zu durchbrechen.

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