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Ein kritischer Bericht über religiösen Fundamentalismus in den USA war Bayern zu einseitig.

Religionskritik

Schulbuch unter Druck

"Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott", gibt die bayerische Verfassung vor. Deswegen stößt sich das Bundesland an einem Kapitel über Religion und verlangt eine Überarbeitung des Buches. Von Iris Hilberth

Von Iris Hilberth

Bayerische Abiturienten sollen sich auskennen mit Religiosität in den Vereinigten Staaten. So sieht es der Lehrplan vor. Doch mit der Art und Weise, wie der Cornelsen-Verlag das Thema in seinem neuen Englisch-Buch "Context 21" für die Oberstufe behandelt, war das Bayerische Kultusministerium nicht einverstanden. Insbesondere die kritische Darstellung des religiösen Fundamentalismus in den USA stieß in München auf Kritik. Der Verlag musste das fünfseitige Kapitel nun überarbeiten. Das Land ist nun zufrieden: "Die neue Version ist völlig problemlos", sagt Ministeriumssprecher Ludwig Unger.

"Context 21" wurde für alle Bundesländer konzipiert. Thüringen und Sachsen gaben bereits ihr Okay für die ursprüngliche Version. In Bayern aber starten die Oberstufenschüler nach den Sommerferien nun mit der geänderten Version.

Wegen der Beanstandung des Buches durch das Ministerium von Ludwig Spaenle (CSU) war Kritik laut geworden, die Bayern hätten sich durch religiöse Hardliner beeinflussen lassen. Möglicherweise hatten Skeptiker dabei den Artikel 131 der bayerischen Verfassung vor Augen: "Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen..."

In der ursprünglichen Version von "Context 21" war ein kritischer Beitrag der amerikanischen Publizistin Susan Jacoby abgedruckt, die auf einen Zusammenhang zwischen religiösem Fundamentalismus und geringer Bildung hingewiesen hatte. Sie bezeichnete christliche Fundamentalisten in den USA als eine anti-intellektuelle, gefährliche Bewegung. Kreationismus, die religiöse Sicht der Entwicklung der Arten und der Welt, habe die öffentliche Bildung in vielen Regionen des Landes nachhaltig beeinflusst.

Zu viel Fundamentalismus

Eine Lehrerin aus dem Allgäu hatte Anstoß an diesem Text genommen und sich beim Verlag beschwert. Und auch das christliche Nachrichtenportal "Idea" hatte im Frühjahr beim Bayerischen Kultusministerium nachgefragt. "Damals lag uns das Buch noch gar nicht vor", betont Sprecher Unger. Es durchlaufe erst jetzt das Prüfungsverfahren und dabei seien die Seiten 60 bis 65 beanstandet worden. "Das hat aber nichts mit der Ehrfurcht vor Gott zu tun", betont er. Vielmehr hätte das Ministerium Anstoß daran genommen, dass dem Fundamentalismus mit zwei ganzen Seiten zu viel Gewicht beigemessen würde. Der Lehrplan verlange, dass die Religiosität in den USA in seiner ganzen Breite abgebildet werde.

Natürlich könne man auch den Fundamentalismus als Beispiel bringen, jedoch nicht in einem solchen Umfang. "Es stellte sich eine sehr einseitige Sicht der Dinge dar; wir erwarten mehr Pluralität." Unger begründet die Vorgabe auch mit dem Anspruch an bayerische Abiturienten, die möglicherweise in einer Prüfung umfassend über das Thema Religion Bescheid wissen müssten. Das Ministerium hätte allerdings nicht verlangt, den Text von Susan Jacoby aus dem Buch herauszunehmen. Wenn weitere Aspekte zum Thema Religion dargestellt würden, so Unger, sehe er in dem kritischen Beitrag der US-amerikanischen Autorin kein Problem.

Als viel problematischer aber hätte das Ministerium einen ursprünglich im Englischbuch abgedruckten Fragebogen gesehen. Die Schüler der Oberstufe sollten hier Fragen nach ihrer eigenen Religiosität beantworten. "Das ist nicht verfassungskonform", sagt Unger. Es könne den Schülern nicht zugemutet werden, sich zu outen.

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