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Die Astronauten Victor Glover (l.) und Mike Hopkins (r.) sollen bei der ersten bemannten Mission an Bord der Crew Dragon (hinten) sein.

SpaceX und Boeing

Schon 2019 könnten Astronauten aus den USA starten

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Noch in diesem Jahr ist der erste unbemannte Testflug geplant - und 2019 dann der Start einer menschlichen Crew. Möglich macht das eine Kooperation mit Unternehmen.

Es war ein schwerer Schlag für die stolze Raumfahrernation USA, als 2011 das „Space Shuttle“-Programm eingestellt wurde. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der US-Raumfahrt waren die USA nicht mehr in der Lage, Astronauten selbst ins All zu schicken. Bis heute hat sich daran nichts geändert, doch im Gegensatz zur Zeit zwischen dem Ende des „Apollo“-Programms 1975 und dem Start des ersten Space Shuttles 1981 kaufen sich die USA derzeit Plätze für ihre Astronauten in der Sojus-Raumkapsel der Russen. Das kostet pro Sitz zwischen 70 und 80 Millionen US-Dollar – Geld, das sich die USA in Zukunft wieder sparen wollen.

Deshalb fördert die Nasa über das „Commercial Crew Program“ seit Jahren Unternehmen, die dabei helfen sollen, in Zukunft wieder Astronauten ins All zu transportieren. Ursprünglich gab es die Vorstellung, durch das Programm könnten bis 2014 oder 2015 wieder bemannte Missionen aus den USA ins All aufbrechen – doch wie bei den meisten großen Projekten kam es teils aus finanziellen, teils aus technischen Gründen mehrfach zu Verzögerungen.

Doch in letzter Zeit mehren sich die Anzeichen, dass die beiden letzten im Programm verbliebenen Firmen – Boeing und SpaceX – tatsächlich auf die Zielgerade einbiegen. Anfang August stellte die US-Raumfahrtorganisation Nasa die neun Astronauten vor, die bei den ersten Flügen an Bord der neuen Raumschiffe sein werden. Und auch einen aktualisierten Zeitplan gibt es: Demnach soll es noch in diesem Jahr mit dem ersten Testflug losgehen. Die unbemannte Mission „Demo-1“ von SpaceX soll nach dem aktuellen Plan der Nasa im November starten, SpaceX-Chef Elon Musk sprach kürzlich von einem Start im Dezember. Die Kapsel „Crew Dragon“ soll dabei zur ISS fliegen, für einige Wochen angedockt bleiben und anschließend im Ozean wassern. Für April 2019 ist die erste bemannte Mission „Demo-2“ zur ISS geplant. Die Zeitangaben für Boeing’s „Starliner“ sind dagegen noch etwas vage: Das Zeitfenster für den ersten unbemannten Testflug wird mit „Ende 2018/Anfang 2019“ angegeben, der erste bemannte Flug des „Starliners“ ist für „Mitte 2019“ geplant.

Unterdessen hat SpaceX auf dem geschichtsträchtigen Startplatz 39A des Kennedy Space Centers in Florida einen „Crew Access Arm“ installiert. Durch diese Konstruktion – vergleichbar mit einer Fluggastbrücke am Flughafen – sollen die Astronauten später die „Crew Dragon“-Raumkapsel betreten. Von Startplatz 39A sind in der Vergangenheit die „Apollo“-Missionen zum Mond und anschließend auch die Space Shuttles gestartet – in Zukunft sollen von dort wieder Astronauten ins All aufbrechen.

Mit der Installation des Crew-Arms ist in Cape Canaveral ein weithin sichtbares Zeichen entstanden: Die USA sind wieder auf dem Weg dorthin, wo sie schon einmal waren – hin zu einer Raumfahrtnation, die auch wieder in der Lage ist, selbst Astronauten ins All zu befördern und die nicht mehr von anderen Nationen abhängig ist. Ganz im Gegenteil: Gelingen die Testflüge, könnten sich die USA bald in der erfreulichen Situation wiederfinden, dass sie selbst Sitzplätze zur ISS verkaufen können – schließlich haben die wenigsten Nationen, die an der Internationalen Raumstation ISS beteiligt sind, derzeit die Möglichkeit, selbst ins All zu fliegen. Derzeit sind alle auf die altmodischen aber robusten und zuverlässigen russischen Sojus-Kapseln angewiesen. Doch das könnte sich ändern.

Die SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell bremst die Euphorie, die durch die Präsentation der Astronauten und die sichtbaren Fortschritte entstehen, jedoch etwas ein: „Wir werden nicht fliegen, bis wir bereit sind, sicher zu fliegen“, sagte sie bei einer Veranstaltung, auf der SpaceX einen Einblick in die „Crew Dragon“-Kapseln gab. „Sicherheit ist unser Hauptanliegen. Wir wollen die Astronauten sicher hoch und wieder zurück bringen und wir wollen sicherstellen, dass die Kapsel ein zuverlässiges Transportmittel ist“, so Shotwell, die sich über eine neue Entwicklung freuen dürfte: Die Nasa hat eine weitere Hürde für SpaceX aus dem Weg geräumt. Das Unternehmen plant, die Rakete erst zu betanken, wenn die Astronauten bereits an Bord sind. Diese als „Load and Go“ bezeichnete Methode ist eigentlich nicht üblich, weil sie als gefährlich gilt – im September 2016 explodierte eine „Falcon 9“-Rakete von SpaceX beim Betanken. Generell werden Raketen betankt, wenn niemand in der Nähe ist, anschließend dürfen sich nur noch wenige Personen der Rakete nähern. Trotz der ursprünglichen Bedenken hat die Nasa nun vorübergehend dem Plan von SpaceX zugestimmt. „Unsere Teams haben sich die SpaceX-Bodenoperationen genau angeschaut und analysiert. Sie haben festgestellt, dass der Plan das geringste Risiko bedeutet“, wird die Chefin des „Commercial Crew Program“, Kathy Lueders, in einem Nasa-Statement zitiert. Allerdings muss SpaceX noch weitere Punkte erfüllen, um die endgültige Genehmigung für die „Load and Go“-Methode zu erhalten. Unter anderem muss das Unternehmen fünf Tank-Demonstrationen durchführen.

Während das Programm für die bemannte Raumfahrt sich nun langsam seinem Ziel nähert, kann man die Ergebnisse des „Commercial Cargo Programs“ schon seit geraumer Zeit im Einsatz sehen. Es war – genau wie das „Commercial Crew Program“ eingeführt worden, um die Anstrengungen von privaten Firmen in der Raumfahrt zu fördern. Das Ergebnis: Die Entwicklung der beiden Raumtransporter „Dragon“ (SpaceX) und „Cygnus“ (Orbital Sciences). Beide Transporter beliefern regelmäßig und – bis auf jeweils einen Ausfall – zuverlässig die ISS. Aus der „Dragon“-Raumkapsel wurde die „Crew Dragon“-Kapsel entwickelt, die in Zukunft bis zu sieben Astronauten zur ISS transportieren soll. Dass es tatsächlich bald soweit ist, zeigt auch eine Aussage von Mike Pence: „Sehr bald werden amerikanische Astronauten in amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden starten“, sagte der US-Vizepräsident Ende August bei einer Veranstaltung im Johnson Space Center in Houston. Der Applaus, den er dafür bekam, war ohrenbetäubend.

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