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Das erste Farbbild von "Ultima Thule", aufgenommen aus einer Entfernung von 137.000 Kilometern. Zu sehen ist die rote Färbung des Himmelskörpers und die Zweiteilung. Links: Farbbild, aufgenommen von der Multispectral Visible Imaging Camera (MVIC), Mitte: Bild aufgenommen vom Long-Range Reconnaissance Imager (LORRI), Rechts: Die Farbe des linken Bildes wurde über die LORRI-Aufnahme gelegt.

"Ultima Thule"

Ein Schneemann im Kuipergürtel

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Die Raumsonde "New Horizons" erforscht den Himmelskörper "Ultima Thule" ? ein neuer Rekord.

Kaum hatte das neue Jahr begonnen, schrieb die US-Raumfahrtbehörde Nasa wieder einmal Geschichte: Die Raumsonde „New Horizons“ flog am frühen Morgen des 1. Januar am Himmelskörper „Ultima Thule“ vorbei. Der ist etwa 6,4 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt – und einen derart weit entfernten Himmelskörper hatte bis zu diesem Zeitpunkt kein vom Menschen gemachtes Objekt je besucht.

In einer Entfernung von etwa 3500 Kilometern und mit einer Geschwindigkeit von etwa 48.000 Kilometern pro Stunde rauschte „New Horizons“ an dem Objekt mit dem offiziellen Namen (486958) 2014 MU69 vorbei und sammelte dabei zahlreiche Daten. „Dieser Flyby ist eine historische Leistung“, betont der wissenschaftliche Leiter der „New Horizons“-Mission, Alan Stern. „Noch nie zuvor wurde ein so kleiner Himmelskörper so weit in den Tiefen des Alls vom Team einer Raumsonde verfolgt.“

Seit dem Vorbeiflug an „Ultima Thule“ schickt „New Horizons“ Daten und Fotos zur Erde. Bis Ende 2020 wird es dauern, bis alle Daten bei den Wissenschaftlern angekommen sind. „In den kommenden Monaten wird ‚New Horizons‘ Dutzende von Datensets zur Erde schicken und wir können neue Kapitel in der Geschichte von ‚Ultima Thule‘ und dem Sonnensystem schreiben“, betont die „New Horizons“-Projektmanagerin Helene Winters.

Zwar werden die richtig hochauflösenden Bilder erst in Zukunft erwartet, doch die Daten, die bereits eingetroffen sind, haben es schon in sich: Dank ihrer Auswertung können die Forscher quasi täglich neue Entdeckungen verkünden. Über „Ultima Thule“ weiß man deshalb mittlerweile schon deutlich mehr als vor dem Vorbeiflug: Der kleine Himmelskörper besteht eigentlich aus zwei Teilen, die früher offenbar umeinander rotiert sind, sich mittlerweile jedoch berühren. Der gesamte Himmelskörper ist 31 Kilometer lang. Der größere Teil (genannt „Ultima“) ist 19 Kilometer breit, der kleinere Teil („Thule“) ist 14 Kilometer breit. Insgesamt sieht das Gebilde aus wie ein rötlicher Schneemann.

Die beiden Teile des Himmelskörpers sind farblich nahezu identisch, haben die ersten Analysen ergeben. Die Farbe ist außerdem vergleichbar mit der Färbung von ähnlichen Himmelskörpern im Kuipergürtel, der Region des Weltalls, in dem sich „Ultima Thule“ befindet. Bisher haben die Forscher keine Hinweise darauf gefunden, dass „Ultima Thule“ Ringe wie der Planet Saturn hat. Auch Satelliten, die einen Durchmesser von mehr als 1,6 Kilometer haben, umkreisen den Himmelskörper nicht. Nach Hinweisen auf eine Atmosphäre hat man bisher ebenfalls vergeblich gesucht.

„‚New Horizons‘ ist wie eine Zeitmaschine, die uns zurück zur Geburt des Sonnensystems bringt“, freut sich Jeff Moore, der sich im „New Horizons“-Team mit Geologie und Geophysik beschäftigt. „Durch das Studieren von Ultima Thule lernen wir zu verstehen, wie sich Planeten entwickeln – sowohl die in unserem eigenen Sonnensystem als auch die, die andere Sterne in unserer Galaxie umkreisen.“

„Ultima Thule“ ist nicht das erste Ziel, das „New Horizons“ untersucht hat. Im Juli 2015 flog die Raumsonde als erstes vom Menschen gebautes Objekt am Zwergplaneten Pluto vorbei und schickte erstmals hochauflösende Bilder des Himmelskörpers zur Erde. Als die Raumsonde 2006 zum Pluto startete, war der Himmelskörper noch nicht zum Zwergplaneten degradiert worden – und sein aktuelles Ziel „Ultima Thule“ war noch nicht einmal entdeckt. Denn der Himmelskörper wurde erst 2014 mit Hilfe des „Hubble“-Weltraumteleskop entdeckt und nach dem Vorbeiflug an Pluto zum nächsten Ziel der Raumsonde auserkoren.

Der Name „Ultima Thule“ ist das Ergebnis einer Online-Abstimmung und steht sprichwörtlich für das Ende der bekannten Welt. Doch offiziell gilt für den Himmelskörper immer noch der komplizierte Name (486958) 2014 MU69. Die Stelle, die für die Benennung von Himmelskörpern zuständig ist, ist die Internationale Astronomische Union (IAU). Sie teilt mit, dass „der Entdecker des Objekts das Privileg erhält, einen Namen vorzuschlagen“. Gemäß der IAU-Richtlinien erhalten Objekte außerhalb der Neptun-Umlaufbahn mythologische Namen. Beispielsweise ist der Zwergplanet nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt, der Zwergplanet Erist ist nach der griechischen Göttin der Zwietracht und des Streits benannt. Bis ein offizieller Name für den von „New Horizons“ erforschten Himmelskörper festgelegt wurde, heißt das  Objekt also weiter (486958) 2014 MU69 – und mit Spitznamen „Ultima Thule“.

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