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Ibuprofen: Entzündungshemmende Medikamente können chronischen Schmerzen auslösen

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Von: Sophia Lother

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Gibt es einen Zusammenhang zwischen chronischen Rückenschmerzen und der Einnahme bestimmter Medikamente? (Symbolfoto)
Gibt es einen Zusammenhang zwischen chronischen Rückenschmerzen und der Einnahme bestimmter Medikamente? (Symbolfoto) © Panthermedia/Imago

Eine neue Studie zeigt: Eine regelmäßige Einnahme von Ibuprofen oder anderen entzündungshemmenden Medikamenten kann zu chronischen Schmerzen führen.

Frankfurt – Chronische Schmerzen gehören für rund 15 Millionen Menschen in Deutschland zum Alltag. Der Schmerz begleitet die Betroffenen zu jeder wachen Stunde, beeinträchtigt oft auch die kleinsten Aufgaben, ob im Job oder in der Freizeit. Laut dem Verein Deutsche Schmerzliga gelten fast fünf Millionen von ihnen als stark beeinträchtigt.

Die Therapieansätze variieren dabei, denn der Schmerz hat oft unterschiedliche Ursachen. Während bei akuten Schmerzen eher Schmerzmedikamente wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol verschrieben werden, ist der Therapieansatz bei chronischen Beschwerden oft umfassender. Dieser beinhaltet auch Aspekte wie kognitive Verhaltenstherapie, erklärt gesundheitsinformationen.de. Oft ist der Übergang von akuten zu chronischen Schmerzen fließend. Doch wann werden sie überhaupt zum Alltag? Jeffrey Mogil von der kanadischen McGill University und seine Kolleg:innen haben nun einen verheerenden Zusammenhang zwischen dem Schmerzmittel Ibuprofen und chronischen Schmerzen aufgedeckt, der weitreichende Folgen haben könnte.

Beispiele für chronische Schmerzerkrankungen
Arthrose
Rückenschmerzen
Diabetes mellitus
Fibromyalgie
Rheuma (rheumatoide Arthritis)
Quelle: gesundheitsinformation.de

Zusammenhang zwischen Ibuprofen und chronische Schmerzen? Neue Studie

Für ihre Studie, die sie im Fachmagazin Science Translational Medicine veröffentlichten, untersuchte das Forschungsteam insgesamt 98 Patientinnen und Patienten. Sie alle hatten zum ersten Untersuchungszeitpunkt eines gemeinsam: akute Schmerzen am unteren Rücken. Nach drei Monaten wurden sie nochmals befragt. Ihre Schmerzen sollten sie auf eine Skala von 1 bis 10 bewerten. Doch während die eine Gruppe nach drei Monaten kaum noch unter Rückenschmerzen litt, hielt der Schmerz bei der anderen Gruppe weiter an.

Sollte man vor oder nach der Corona-Impfung auf Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen verzichten? Das verrät ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand.

Doch warum empfanden die einen noch immer starke Rückenschmerzen, während die anderen deutliche Linderung verspürten? „Bei der Analyse der Gene von Menschen, die an Schmerzen im unteren Rückenbereich leiden, haben wir bei denjenigen, deren Schmerzen verschwunden sind, im Laufe der Zeit aktive Veränderungen in den Genen festgestellt. Veränderungen in den Blutzellen und ihrer Aktivität schienen der wichtigste Faktor zu sein“, berichtet Luda Diatchenko eine Mitautorin der Studie in einer Pressemitteilung. Doch was hat dies mit Ibuprofen zu tun?

Langzeitwirkung von Ibuprofen und anderen entzündungshemmenden Medikamenten

Die Veränderungen bei den Blutzellen waren besonders bei den sogenannten neutrophile Zellen nachweisbar, einer Unterform der weißen Blutkörperchen. Diese sind vor allem zu Beginn von Entzündungsprozessen im Körper in hoher Zahl vorhanden und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Gewebe repariert wird, so die Fachleute. Im nächsten Schritt betrachteten die Forschenden Untersuchungen mit Mäusen. Hier zeigte sich Folgendes: Wurden die speziellen weißen Blutkörperchen mit nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten (NSAR) geblockt, dann litten die Tiere bis zu zehnmal länger unter Schmerzen.

Ibuprofen: Zusammenhang zwischen entzündungshemmenden Medikamente und chronische Schmerzen

„Neutrophile dominieren die frühen Phasen der Entzündung und schaffen die Voraussetzungen für die Reparatur von Gewebeschäden. Die Entzündung hat ihren Grund, und es scheint gefährlich zu sein, sie zu stören“, betont Forscher Mogil in der Mitteilung. Diese Erkenntnisse testeten die Forschenden im Anschluss, indem sie die Werte von 500.000 Rückenschmerz-Patien:innen in einer weitreichenden Datenbank verglichen.

„Wir fanden heraus, dass Personen mit akuten Rückenschmerzen ein 1,76-fach höheres Risiko hatten, chronische Rückenschmerzen zu entwickeln, wenn sie NSAR eingenommen hatten“. Andere Schmerzmittel oder Antidepressiva zeigten keinen solchen Effekt. „Unsere Schlussfolgerungen können erhebliche Auswirkungen auf die medizinische Behandlung dieser Schmerzen haben“, so die Wissenschaftler:innen. Im nächsten Schritt seien klinische Studien notwendig, in denen die Auswirkungen verschiedener Medikamente nochmals untersucht werden. (Sophia Lother)

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

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