+
Zum Schulanfang ist die Welt noch in Ordnung. (Archivbild)

Europäische Bildungsziele

Schlechtes Zeugnis für Deutschland

Die EU hatte ehrgeizige Pläne: Sie wollte den "wettbewerbsfähigsten" Wirtschaftsraum schaffen und dabei auch in Sachen Bildung große Sprünge machen. Doch vor allem Deutschland fällt weit hinter die Ziele für 2010 zurück..

Von Yvonne Globert

Von Musterland kann nicht die Rede sein. Zumindest wenn es um die für 2010 gesteckten europäischen Bildungsziele geht, hinkt Deutschland deutlich hinterher. Nach der OECD in der vergangenen Woche kommt zu dieser Einschätzung nun in einer aktuellen Studie auch das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
Überwiegend mittelmäßig bis unterdurchschnittlich sei das, was die Bundesrepublik bislang zustande gebracht habe, so das Fazit der Autoren Rita Nikolai und Christian Ebner. Beispiel Lesekompetenz: Die 27 Länder der Europäischen Union (EU) hatten sich hier das laut Autoren ohnehin reichlich unambitionierte Ziel gesetzt, den Anteil der 15-Jährigen mit gravierender Leseschwäche auf maximal 15,5 Prozent zu begrenzen. Tatsächlich liegt die EU-Durchschnittsquote bei 22,5 Prozent (Stand 2006); in Deutschland sind es 20 Prozent. Vorbild ist Finnland: Hier sind es nicht einmal fünf Prozent, die Probleme mit dem Lesen haben.

Problematisch auch die Zahl der Schulabbrecher: Ihr Anteil sollte in diesem Jahr unter zehn Prozent liegen, Deutschland liegt mit 11,8 Prozent (Stand 2008) weiter drüber. Und so geht es nahtlos weiter – auch für die Ziele, den Anteil der 22-Jährigen mit einem Abschluss der Sekundarstufe II (auf über 85 Prozent und die Weiterbildungsaktivitäten europaweit auf 12,5 Prozent anzukurbeln: Beides verfehlt ein Großteil der EU. Deutschland liegt mit 74,1 beziehungsweise 7,9 Prozent weit hinter den EU-Zielen zurück.
Inzwischen hat die Union ihre Ziele für die kommenden zehn Jahr ein wenig nachjustiert: Mindestens 95 Prozent aller Kinder zwischen vier Jahren und dem Einschulungsalter sollen eine vorschulische Einrichtung besuchen, was Deutschland jetzt schon gelingt.

Zudem sind weitergehende Abschlüsse nach Schule oder Ausbildung künftig verstärkt das Ziel: Auf mindestens 40 Prozent soll bis 2020 der Anteil der 30- bis 34-Jährigen steigen, die einen FH- oder Uni-Abschluss gemacht oder eine Ausbildung zum Meister oder Techniker abgeschlossen haben.

Die Autoren weisen in ihrer Untersuchung auch auf das Problem unterschiedlicher nationaler Bildungssysteme hin: Während im internationalen Vergleich als Schulabbrecher gelte, wer mit Anfang 20 weder (Fach-)Abitur noch eine Berufsausbildung nachweisen könne, zähle Deutschland hier auch Abschlüsse dazu, die nicht zu einem „voll qualifizierenden Berufsabschluss führten. So etwa das Berufsgrundbildungsjahr, das durchläuft, wer keine Lehrstelle gefunden hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare