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Schon Al und Peggy Bundy wussten: In einer gesunden Ehe heißt es nehmen und geben.

Studie

Schatz, mach mich nicht krank

Verheiratete Männer leben länger. Sie sind froh, wenn überhaupt jemand an ihrer Seite ist. Bei Frauen entscheidet die Qualität der Partnerschaft über ihre Gesundheit.

Von Stanislaw Dick

Verheiratete und fest gebundene Menschen sind im Schnitt glücklicher als Alleinstehende. Und sie leben länger. Jedenfalls hat das die psychologische Forschung ganz allgemein bestätigt. Doch gilt dies für beide Partner, für Frauen und Männer gleichermaßen?

Jüngst haben die Psychologen Howard Friedman und Leslie Martin Daten einer klassischen Langzeitstudie analysiert, um herauszufinden, welche Umstände die Lebenserwartung eines Menschen beeinflussen: Seit dem Jahr 1921 wurden 1?500 US-Amerikaner von den Forschern auf ihrem Lebensweg im Auge behalten, vom Grundschulalter bis zum Tod. Die Auswertung bestätigte einmal mehr, dass eine stabile Lebenspartnerschaft der Gesundheit förderlich ist und das Leben statistisch um mehrere Jahre verlängert – bei Männern. Bei Frauen hingegen hatte eine langjährige Ehe keinen nennenswerten Einfluss auf die Lebenserwartung.

Fest steht: Männer profitieren von der Ehe stärker als Frauen – und sie sind gefährdeter, wenn das Zusammenleben ein tragisches Ende findet: Die Sterberate von Witwern liegt im ersten Jahr nach dem Tod der Frau um das Anderthalbfache höher als die von verheirateten Männern. Witwen verkraften den Tod des Mannes deutlich besser – wohl auch deshalb, weil sie zeitlebens ein dichteres soziales Netz mit Freundinnen, Kindern und Verwandten geknüpft haben.

Frau ist für Mann Stabilität an sich

Und noch eine Geschlechtererkenntnis zeichnet sich ab: Für Männer ist das gemeinsame Leben mit einer Frau an ihrer Seite ein Wert an sich, ein stabilisierender, haltgebender Fixpunkt. Für Frauen jedoch hängt der emotionale und gesundheitliche Wert einer Beziehung viel stärker von deren Qualität und von der Einfühlsamkeit des Partners ab.

Linda Gallo und ihr Team von den Universitäten in San Diego und Pittsburgh begleiteten in den neunziger Jahren knapp 500 Frauen mittleren Alters über ein Jahrzehnt hinweg. Die Teilnehmerinnen wurden immer wieder medizinisch untersucht und psychologisch befragt. Das Ergebnis: Denjenigen Frauen, die zufrieden mit ihrer Ehe und ihrem Partner waren, ging es psychisch und körperlich besser als denen, die nicht sonderlich zufrieden mit ihrer Partnerschaft waren. Es ging den glücklich gebundenen Frauen aber auch besser als denen, die ledig, geschieden oder verwitwet waren. Sie waren nicht so häufig depressiv, ängstlich oder missmutig, hatten ein günstigeres Gewicht und bessere Blutdruck- und Blutfettwerte. Quintessenz: Glücklich verheiratete Frauen waren gesünder.

Doch was genau macht Ehezufriedenheit aus Sicht der Frauen aus? Der von Linda Gallo verwendete Fragebogen rechnet zur Habenseite einer Beziehung zum Beispiel Ähnlichkeit mit dem Partner in Persönlichkeit, Interessen und Lebensstil. Ferner zählten die Forscherinnen zur Ehezufriedenheit, dass die beiden Partner viel und nicht nur Belangloses miteinander redeten und viel Zeit beisammen verbrachten.

Die Qualität ihrer Partnerschaft ist für Frauen entscheidend fürs Wohlbefinden. Mehr noch: Sie kann buchstäblich lebenswichtig sein, wie jetzt eine amerikanische Studie an der Universität von Rochester demonstrierte. Kathleen King und Harry Reis verfolgten das Schicksal von 225 Frauen und Männern, die sich wegen eines drohenden Herzinfarkts einer Bypass-Operation hatten unterziehen müssen. 15 Jahre nach dem Eingriff hatten 83 Prozent der glücklich verheirateten Frauen überlebt – aber nur 28 Prozent der unglücklich verheirateten und 27 Prozent der nicht verheirateten. Ehezufriedenheit erwies sich damit für Frauen als ebenso wichtiger Überlebensfaktor wie die Klassiker Rauchen, Übergewicht oder Blutdruck.

Konflikt schlägt Frau auf's Herz

Bei Männern war der Zusammenhang weniger eindeutig: Auch hier überlebten 83 Prozent der glücklich gebundenen Männer. Doch bei den weniger zufriedenen Ehemännern betrug die Überlebensquote immerhin 60 Prozent, während bei den Singlemännern nur 36 Prozent überlebten. Wieder bestätigte sich also: Männern tut es schon gut, wenn da überhaupt jemand an ihrer Seite ist, Frauen hingegen brauchen Zuspruch und Unterstützung in ihrer Partnerschaft.

Dass eine konfliktträchtige Beziehung Frauen aufs Herz schlagen kann, bestätigte jüngst eine Studie der Universität von Utah. Timothy Smith und sein Team rekrutierten 154 Paare im Alter um die 60 Jahre. Mit einem Computertomografen durchleuchteten die Forscher die Herzkranzgefäße der Frauen und Männer und hielten nach Indizien für gefährliche Ablagerungen Ausschau, mögliche Vorboten eines Infarkts. Außerdem beobachteten sie die Paare dabei, wie sie über das konfliktträchtigste Thema ihrer Partnerschaft diskutierten.

Im Hinblick auf die Herzgefahr stellte sich heraus, dass nicht die Meinungsverschiedenheit selbst der springende Punkt war, sondern die Art, wie sie ausgetragen wurde. Für Frauen erwies es sich als Herzschutz, wenn ihr Mann sie selbst im Streit spüren ließ, dass er sich ihr emotional nahe fühlte. War für Frauen also ein gefühlskalter Gatte das größte Gesundheitsrisiko, so war es für die Männer eine Gemahlin, die um jeden Preis die Oberhand behalten und ihn kontrollieren wollte.

Hängt der Eheseegen schief, schläft's sich schlecht

Ständige Konflikte aktivieren die Stressachse des Körpers. Das kann auf unterschiedlichen Wegen die Gesundheit schädigen – zum Beispiel über den Schlaf. In einer streitbeladenen Ehe haben die beiden Partner mehr Ein- und Durchschlafstörungen. Dabei gibt es wiederum bezeichnende Geschlechtsunterschiede, wie Wendy Troxel und ihre Kollegen an der Universität von Pittsburgh feststellten. 32 Paare protokollierten zehn Tage lang, wie gut sie geschlafen hatten und ob sie sich am jeweiligen Tag von ihrem Partner liebevoll und unterstützend oder aber abweisend behandelt gefühlt hatten. Frauen reagierten wie erwartet: Nach einem Tag, an dem der Ehesegen etwas schief hing, schliefen sie schlechter. Bei den Männern war das nicht der Fall.

Grundsätzlich neigen Paare dazu, sich im Laufe der Ehe in ihrem Lebensstil immer ähnlicher zu werden. Die Soziologin Corinne Reczek von der Universität von Texas fragte 31 heterosexuelle, 15 schwule und 15 lesbische Paare nach Lastern wie Rauchen oder Junkfood. Wie sich herausstellte, hatten die Partner im Laufe der Beziehung oft die ungesunden Gewohnheiten des Lebensgefährten übernommen. Bei den heterosexuellen Paaren sei der schlechte Einfluss dabei fast immer vom Mann ausgegangen.

Forscher der Universität Nottingham bestätigten: Eheleute haben überzufällig häufig dieselben chronischen Krankheiten wie der Partner. Leidet einer an Asthma, Depressionen oder Magengeschwüren, so liegt das entsprechende Erkrankungsrisiko des anderen um 70 Prozent über dem der Allgemeinbevölkerung.

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