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Ist der Saturn-Mond Enceladus bewohnbar? Studie gibt deutlichen Hinweis

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Von: Tanja Banner

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Der Saturn-Mond Enceladus könnte Leben beherbergen, glauben Forschende. (Archivbild)
Der Saturn-Mond Enceladus könnte Leben beherbergen, glauben Forschende. (Archivbild) © imago/Modelist

Im Ozean des Saturn-Monds Enceladus könnte es ausreichend Phosphor geben, um Leben zu ermöglichen, zeigt ein Modell. Nun müssen Forschende es finden.

Frankfurt – Der Saturn-Mond Enceladus gilt als einer der Himmelskörper im Sonnensystem, auf dem es Leben geben könnte. Der große Mond ist mit Eis bedeckt, doch unter der eiskalten Oberfläche vermuten Forschende einen Ozean, an dessen Boden es möglicherweise hydrothermale Quellen gibt. Diese machen sich in Form von Dampf- und Gaswolken an der Oberfläche des Mondes bemerkbar, die in der Nähe des Südpols ausgestoßen werden.

Dass es auf Enceladus Wasser gibt, gilt als so gut wie sicher – doch Wasser alleine reicht nicht, um Leben zu ermöglichen. Dazu sind auch andere Elemente vonnöten, beispielsweise Phosphor, ohne das keine Zellen aufgebaut werden können. Doch bisher wurde das Material noch nicht auf Enceladus nachgewiesen. „Wir wissen nicht, ob Phosphor in Enceladus‘ Ozean vorhanden ist“, erklärt der Planetenforscher Christopher Glein vom Southwest Research Institute dem Portal Inverse. „Die Ergebnisse unseres Modells machen uns jedoch optimistisch, dass es Phosphor gibt“, betont Glein. Gemeinsam mit dem Planetenforscher Jihua Hao von der Universität für Wissenschaft und Technologie in China und einem Team weiterer Forschender hat Glein Enceladus untersucht. Die Studie wurde im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Saturn-Mond Enceladus: Ist sein Ozean bewohnbar? Studie gibt Hinweis

Die Forschenden um Glein und Hao nutzten alle Daten über Enceladus‘ Ozean, die verfügbar sind – ein Großteil davon stammt von der Nasa-Sonde „Cassini“, die durch die Dampfschwaden tauchte und Daten zur Zusammensetzung des ausgestoßenen Materials sammelte. Außerdem verwendete das Forschungsteam alles, was man darüber weiß, wie Meerwasser auf der Erde mit Steinen interagiert. Entstanden ist eine Computersimulation des Ozeans unter Enceladus‘ Eisschicht.

Das Modell zeigt Spannendes: Im Laufe der Zeit wird Phosphor aus dem Gesteinskern des Saturn-Mondes ausgelaugt und gelangt in das darüberliegende Wasser. Im Modell dauerte es nur etwa 100.000 Jahre, bis der simulierte Ozean etwa die gleiche Menge an Phosphor aufgelöst hatte wie die Ozeane auf der Erde. „Wir haben festgestellt, dass die vorhergesagte Konzentration über einen weiten Bereich von Modellmöglichkeiten relativ hoch blieb“, erklärt Glein. „Das macht uns zuversichtlich, dass Phosphor reichlich vorhanden sein wird, um Leben zu unterstützen, falls es Leben auf Enceladus gibt.“

Im Ozean von Enceladus könnte es genug Phosphor geben, um Leben möglich zu machen

Derzeit sind Forschende damit beschäftigt, die Daten auszuwerten, die „Cassini“ bei einem Flug durch die Dampfschwaden des Enceladus im Jahr 2017 gesammelt hat. Die am häufigsten darin vorkommenden Chemikalien wurden bereits identifiziert, doch die Materialien, die nur selten vorkommen, sind deutlich schwieriger zu ermitteln. Das Modell von Hao, Glein und deren Forschungsteam könnte nun bei der Suche nach Phosphor auf Enceladus helfen: Die Forschenden bekommen so Hinweise, wie viel Phosphor sie erwarten können – und erfahren, dass es sich offenbar lohnen kann, weiter nach Phosphor-Vorkommen zu suchen.

Phosphor kommt häufig in Form von Phosphat vor – das Molekül bindet sich an Sauerstoff-Moleküle. „Wenn Phosphat in der Nähe des oberen Bereichs unserer Konzentrationsvorhersagen vorkommt, dann könnten wir sozusagen auf fruchtbaren Boden stoßen“, betont Glein. „Der Fund von Phosphat wäre sehr aufregend, denn er würde einen weiteren Beweis dafür liefern, dass der Ozean von Enceladus bewohnbar ist.“

Name:Enceladus
Typ:Mond
umkreist Planet:Saturn
Entdeckung:28. August 1789
Entdecker:Wilhelm Herschel
Temperaturen:minimal -240,3°C bis maximal -128 °C

Saturn-Mond Enceladus: Auch andere Elemente werden für Leben benötigt

Finden die Forschenden nicht nur Phosphor oder Phosphat, sondern andere Phosphor-Verbindungen, könnte das sogar ein Hinweis auf bestehendes Leben auf Enceladus sein: Auf der Erde produzieren manche Mikroben solche Verbindungen. Ein Fund von Phosphor alleine löst das Rätsel um die mögliche Bewohnbarkeit des Ozeans im Inneren von Enceladus jedoch nur teilweise: Auch andere Zutaten sind für die Entstehung von Leben nötig – beispielsweise Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff oder Schwefel, aber auch Metalle wie Kupfer, Eisen oder Nickel.

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Im nächsten Schritt müsse man deshalb bedenken, welche anderen Elemente für Leben noch gebraucht werden, erklären Hao und Glein. „Wir sind nicht sicher, wie viele andere Zutaten im Ozean von Enceladus vorhanden sind“, so die beiden Forscher. „Die Entdeckung von Leben ist solch eine wichtige Frage, dass man sich nicht auf einen Biomarker alleine verlassen sollte, um einen endgültigen Schluss zu ziehen“, betont Glein deshalb. „Wir müssen eine große Menge an Beweisen zusammentragen, um uns selbst davon zu überzeugen, dass nur Leben diese Daten erklären kann.“ (tab)

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