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Astronomie in Sorge: Satellit „BlueWalker 3“ ist heller als die meisten Sterne

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Von: Tanja Banner

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Der „BlueWalker 3“-Satellit ist im September 2022 gemeinsam mit „Starlink“-Satelliten ins All gestartet. (Archivbild)
Der „BlueWalker 3“-Satellit ist im September 2022 gemeinsam mit „Starlink“-Satelliten ins All gestartet. (Archivbild) © Imago/Joe Marino

„BlueWalker 3“ ist der größte kommerzielle Satellit, der die Erde umkreist. Die Astronomie-Community fürchtet die Auswirkungen für den Nachthimmel.

Frankfurt – Als das private Raumfahrtunternehmen SpaceX die ersten „Starlink“-Satelliten ins Weltall schickte, führte das zu einem Aufschrei in der Astronomie-Community: Die hellen Satelliten sind deutlich am Himmel zu sehen und können – obwohl SpaceX mittlerweile Verbesserungen vorgenommen hat – die Forschung empfindlich stören.

Nun befindet sich ein neuer Satellit im Erdorbit, der deutlich heller als die „Starlink“-Satelliten ist: „BlueWalker 3“. Gestartet ist er im September gemeinsam mit einer „Starlink“-Flotte, mittlerweile hat er sich komplett entfaltet, wie die Betreiberfirma AST SpaceMobile mitteilt.

Satellit „BlueWalker 3“ ist heller als die „Starlink“-Satelliten

Dass „BlueWalker 3“ sich entfaltet hat, haben Astronominnen und Astronomen jedoch bereits vor der offiziellen Mitteilung bemerkt: Der Satellit wurde heller – darauf wiesen Forschende auf Twitter hin, noch bevor AST SpaceMobile die Entfaltung bestätigte. Mittlerweile hat sich die Helligkeit des Satelliten Astronominnen und Astronomen zufolge um das 40-fache erhöht – er soll laut Berichten im US-Portal Spaceweathergallery auf eine Magnitude von +1 kommen. Nur noch etwa 15 Sterne, fünf Planeten und der Mond wären dann heller als der Satellit.

„Das ist genau das, was Astronomen nicht wollen“, erklärt die Astronomin Meredith Rawls vom „Zentrum für den Schutz des dunklen und ruhigen Himmels vor Störungen durch Satellitenkonstellationen“ der Internationalen Astronomischen Union (IAU) gegenüber science.org. „Er wird als sehr heller Streifen in Bildern auftauchen“, so Rawls, die befürchtet, dass die Kameras von Observatorien mit der Helligkeit überfordert sein könnten.

„BlueWalker 3“ soll Weltraum-basiertes Handynetz ermöglichen

Der 64 Quadratmeter große „BlueWalker 3“ ist der bisher größte kommerzielle Satellit, der die Erde umkreist und deutlich heller als die „Starlink“-Satelliten. Er ist der Prototyp für eine Konstellation von 168 noch größeren „BlueBird“-Satelliten, mit denen AST SpaceMobile ein Weltraum-basiertes Handynetzwerk aufbauen will. Geplant ist, dass Smartphones direkt in Kontakt mit den Satelliten treten, statt dass die Signale über Funkmasten weitergeleitet werden. Aus diesem Grund besitzen die Satelliten riesige reflektierende Antennen, die hell blinken, während sie die Erde umkreisen.

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Heller „BlueWalker 3“-Satellit stört Astronomie

Die hellen Objekte sorgen vor allem bei Astronominnen und Astronomen für Stirnrunzeln, die mit erdbasierten Teleskopen den Himmel nach möglicherweise gefährlichen Asteroiden absuchen. Aber auch Radioastronomen fürchten, dass die Funksignale des neuen Angebots ihre Arbeit stören könnten. Auf der Erde gibt es spezielle Regionen, in denen der Betrieb von Rundfunksendeanlagen stark eingeschränkt wird, um den Funkempfang von Radioteleskopen zu verbessern. Außerdem sind bestimmte Frequenzen der Radioastronomie vorbehalten. Für das Weltall gibt es solche Regelungen jedoch nicht.

Radioastronominnen und -astronomen haben aus diesem Grund eine Beschwerde bei der in den USA zuständigen Federal Communications Commission (FCC) eingereicht. Für „BlueWalker 3“ wurde von der Behörde eine Experimental-Lizenz vergeben, doch für die geplante Flotte der größeren „BlueBird“-Satelliten gibt es bisher noch keine Entscheidung.

Während unklar ist, wie es mit den geplanten „BlueBird“-Satelliten weitergeht, umkreist der Prototyp „BlueWalker 3“ weiter die Erde. Auch von Deutschland aus kann er bei gutem Wetter zu sehen sein, wie Daten auf der Website Heavens Above zeigen. (tab)

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