Vereinzelt leuchtet es schon heute grün in der Sahara. Forscher glauben, dass bis zum Ende des Jahrhunderts noch viele weitere Pflanzen im Süden der Wüste wachsen werden.
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Vereinzelt leuchtet es schon heute grün in der Sahara. Forscher glauben, dass bis zum Ende des Jahrhunderts noch viele weitere Pflanzen im Süden der Wüste wachsen werden.

Grüngürtel entsteht

Klimawandel: Sahara ergrünt – ein bisschen

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Wissenschaftler gehen davon aus, dass der menschengemachte Klimawandel die Sahara-Wüste in Afrika zurückdrängt – wenn auch nur für eine gewisse Zeit.

  • Die Sahara hat mehr als 25 Mal so viel Fläche wie Deutschland
  • Vor 11.000 bis 5000 Jahren gab es in der Wüste eine grüne Savanne mit vielen Flüssen und Seen
  • Wegen des Klimawandels könnte es in der Region bald wieder deutlich feuchter werden

Die Sahara ist die größte Wüste der Welt. Sie reicht von der afrikanischen Atlantikküste bis zum Roten Meer, umfasst neun Millionen Quadratkilometer und damit mehr als 25 Mal so viel Fläche wie Deutschland. Die Sandwüste, die die meisten mit dem Stichwort verbinden, macht zwar nur rund 20 Prozent der Sahara aus; ansonsten besteht sie aus Fels- und Geröllwüste. Gemeinsam ist allen Ausprägungen aber eines: Für Menschen, Tiere und Pflanzen ist es eine extreme Umgebung, in der das Überleben hohe Anpassung erfordert. Doch es gab in der Erdgeschichte auch schon Phasen mit einer grünen Sahara. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass die Wüste als Folge der menschengemachten Erderwärmung wieder zurückgedrängt wird – zumindest zeitweise.

Wissenschaftler stellen sich seit den 1990er Jahren die Frage, welchen Einfluss der Klimawandel auf die heutige Wüste haben wird. Die Folie, vor der das geschieht, ist eine Sahara, wie sie zuletzt im frühen und mittleren Holozän existierte – vor etwa 11.000 bis 5000 Jahren. Es gab dort zwar keinen Regenwald wie in den Tropen, aber eine grüne Savanne mit vielen Flüssen und Seen, an deren Rand üppige Galeriewälder wuchsen.

Sahara: Vor rund 5500 Jahren dehnte sich die Wüste auf die heutige Größe aus

Solche Perioden mit viel Vegetation in der Sahara hat es mindestens in den vergangenen 500.000 Jahren immer wieder gegeben, ausgelöst durch eine Änderung der Erdbahn um die Sonne – im Gegensatz zum heutigen Klimawandel ein ganz allmählicher Prozess.

Vor rund 5500 Jahren dehnte sich die Sahara auf ihre heutige Größe aus. Seit etwa 1920 ist sie laut einer US-Studie aus dem Jahr 2018 um rund zehn Prozent gewachsen. Als Ursache dafür identifizierten die Wissenschaftler von der University of Maryland vorrangig natürliche Klimaveränderungen; ein Drittel sei jedoch höchstwahrscheinlich durch den menschengemachten Klimawandel bedingt. Dieser lasse die Sahara vor allem an ihrem Nordrand wachsen. Das entspräche auch der festgestellten Verschiebung der Klimazonen in Richtung der Pole, die einer der Gründe für die zunehmende Trockenheit im Mittelmeerraum ist.

Doch es gibt auch einen anderen Trend – und der betrifft vor allem den Süden der Sahara und die sich daran anschließende Sahelzone. Die Frage, ob das Treibhaus die Sahara ergrünen lassen wird, wird heute mit einem eingeschränkten Ja beantwortet. Aus den kargen Ausläufern der Sahara, wo Viehhirten und Bauern traditionell mit der Trockenheit kämpfen, könnten bereits in den kommenden Jahrzehnten grüne Regionen werden – wenn der menschengemachte Klimawandel weiter so voranschreitet wie bisher. Zumindest sagt das eine Reihe der Klimamodelle voraus, in denen mit einem anhaltenden CO2-Anstieg in der Atmosphäre – also ohne wirksamen Klimaschutz – kalkuliert wurde.

Sahara: im Süden der Wüste entwickele sich ein breiter Grüngürtel

„Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird es nach den Berechnungen im zentralen und westlichen Sahel sowie am Südrand der Sahara tatsächlich deutlich grüner werden“, sagt der Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M), Martin Claußen. Nicht die ganze Wüste werde wieder zur Savanne, aber im Süden der Region entwickele sich ein breiter „Grüngürtel“.

Hauptgrund für das erwartete Ergrünen ist der Düngeeffekt, den die steigende CO2-Konzentration in der Luft auf die Vegetation hat. Pflanzen benötigen für die Photosynthese CO2: Sie „atmen“ das Gas ein und wandeln es mithilfe von Sonnenlicht in Baustoffe für ihre Zellen um. Ist mehr CO2 verfügbar, wachsen die Pflanzen besser – vorausgesetzt, es gibt genügend Niederschläge.

Wie letztere sich entwickeln, ist noch nicht ganz klar. Die Klimamodelle sagen für den Sahel im Schnitt nur einen leichten Trend zu mehr Niederschlägen in einem wärmeren Klima voraus, wie Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung 2017 herausfanden. Doch es könnte in der Region deutlich feuchter werden – durch eine Verlagerung des westafrikanischen Sommermonsuns nach Norden. Immerhin sieben der betrachteten 30 Modelle prognostizieren für 2100 rund 40 bis 300 Prozent mehr Regen als heute.

Sahara ergrünt: Für die Landwirtschaft könnte es bessere Bedingungen geben

Diese Modelle deuten auf einen möglichen Kipppunkt im Klimasystem hin: Erreicht der Anstieg der Temperaturen der Meeresoberflächen im Mittelmeer und im tropischen Atlantik einen bestimmten Schwellenwert, verändert sich hier das Klima grundlegend. Träte dies ein, wäre die südliche Sahara ein Kippelement. Die Vegetation nähme deutlich zu, und für die Landwirtschaft gäbe es bessere Bedingungen. Allerdings könnte die Übergangszeit vom einen in das andere Klima große Probleme mit sich bringen – zum Beispiel Schwankungen zwischen Dürren und Überflutungen. Zwischen dem Sudan und Mauretanien könnte das mehr als 100 Millionen Menschen treffen; in einer Region, die heute schon instabil ist, bedingt durch Terrorismus und Kriege.

Ob Sahara und Sahel tatsächlich ein Kippelement sind, wird in der Wissenschaft allerdings noch diskutiert. Auch Claußen schließt nicht aus, dass ein veränderter Sommermonsun zum Ergrünen des Sahel und der Süd-Sahara einen Teil beitragen könnte. Auf Satellitenbildern sei eine stärkere Vegetation bereits heute erkennbar. Doch er leitet aus den Ergebnissen der am MPI-M benutzten Klimamodelle ab, dass der Grüngürtel bei weiterer globaler Erwärmung wahrscheinlich nur relativ kurz bestehen wird: „Wenn nach einem kräftigen Anstieg in diesem Jahrhundert die CO2-Emissionen im übernächsten Jahrhundert wieder deutlich sinken – und das würden sie unweigerlich tun, wenn die fossilen Kohlevorräte erschöpft oder nur noch sehr schwer zugänglich sind –, dann gewinnen Hitze und Wassermangel die Oberhand, und die Vegetation geht wieder zurück.“

Zudem warnt er davor, die Aussicht auf bessere Lebensbedingungen für die Sahel-Bewohner als Argument gegen aktiven Klimaschutz zu nutzen. „Nach bisherigen Untersuchungen dominieren die negativen Folgen des Klimawandels.“

Die Serie: Klima-Kipppunkte

Das Klima kann sichabrupt ändern. Wenn bestimmte Kipppunkte überschritten werden – wenn etwa der Amazonas-Regenwald austrocknet oder die Permafrostböden tauen –, kann es zu Kettenreaktionen kommen. Die Erderwärmung könnte sich dann unkontrollierbar verstärken. Doch noch können wir bei den meisten Kippelementen verhindern, dass sie ausgelöst werden. Wie – das stellt die FR in dieser Serie vor. Mehr Informationen zur Serie finden Sie auf: fr.de/kipppunkte

Von Joachim Wille

Das abflauende Golfstrom-System ist ein weiteres Kippelemente des Klimas. Für Nord- und Mitteleuropa ist der Golfstrom das Lebenselixier - und nun ist er in Gefahr.

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