Landefahrzeug für den chinesischen Mars-Rover
+
Landefahrzeug für den chinesischen Mars-Rover.

Marsmission

Rotes Prestigeobjekt

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
    schließen

Auch China will einen Rover, einen Orbiter und einen Lander auf den Mars entsenden. Womöglich noch in dieser Woche.

China ist eine aufstrebende Weltraumnation, die bereits einige Erfolge vorzuweisen hat, allen voran zwei weiche unbemannte Landungen auf dem Mond. Aber auch mehrere Astronauten, die ins All geflogen sind und eine kleine Raumstation, die die Erde umkreiste. Nun hat sich China ein neues Ziel vorgenommen: den Mars.

Der rote Planet gilt in der Raumfahrt als ein schwieriges Pflaster. Etwa die Hälfte aller Missionen zum Mars scheiterten, nur den USA ist es bisher überhaupt gelungen, unbemannte Raumsonden weich dort landen zu lassen. Im Mars-Orbit sieht es etwas besser aus: Neben Nasa-Orbitern umkreisen auch Raumsonden der Esa und der indischen Isro den Planeten, und die Vereinigten Arabischen Emirate haben eine Sonde auf den Weg gebracht (siehe oben).

China hat bereits eine umfangreiche Mars-Mission in den Startlöchern stehen: „Tianwen-1“ besteht aus einem Orbiter, einem Lander und einem Rover – ganz ähnlich wie bei den beiden erfolgreichen chinesischen Mond-Missionen „Chang’e 3“ und „Chang’e 4“, letztere ist noch auf der Rückseite des Mondes aktiv.

Die Mission „Tianwen-1“ soll zwischen Ende Juli und Anfang August mit einer „Langer Marsch 5“-Rakete vom Kosmodrom Wenchang zum Mars aufbrechen, Experten gehen derzeit von einem Start am 23. Juli aus, offiziell ist das Datum jedoch nicht bestätigt. Etwa sieben Monate soll die Reise dauern, die Ankunft ist im Februar 2021 geplant. Während es bei bisherigen Mars-Missionen Usus war, dass das Gerät nach der Ankunft relativ bald landet, haben dies die Chinesen anders geplant: Zuerst sollen Lander und Rover gemeinsam mit dem Orbiter zwei bis drei Monate lang den Mars umrunden, dann soll die Landeeinheit eine weiche Landung in der Region Utopia Planitia durchführen.

„Das Hauptziel der Mission ist, eine globale und ausführliche Übersicht des gesamten Planeten mit Hilfe des Orbiters zu bekommen“, heißt es in einer chinesischen Veröffentlichung im Fachjournal „Nature Astronomy“. Zudem solle der Rover zu Orten auf dem Mars geschickt werden, die von wissenschaftlichem Interesse seien. Dort solle er „detaillierte Untersuchungen mit hoher Präzision und Auflösung“ durchführen. Zu den wissenschaftlichen Zielen der Mission „Tianwen-1“ zählen die Kartierung der geologischen Struktur des Planeten, die Untersuchung der Oberfläche und die Verteilung von Wassereis, die Analyse des Oberflächenmaterials sowie die Erforschung der elektromagnetischen Felder und der Schwerkraft.

Insgesamt hat die Mission „Tianwen-1“ 13 wissenschaftliche Instrumente an Bord. Sieben davon sind auf dem Orbiter verbaut – darunter zwei Kameras, ein Radar, ein Spektrometer und ein Magnetometer. Der Orbiter soll nicht nur ein Jahr lang wissenschaftliche Beobachtungen machen, sondern dient auch als Relais für die Kommunikation zwischen Rover und Erde.

Auf dem Rover befinden sich sechs weitere Instrumente – darunter ebenfalls zwei Kameras, ein Radar und ein Magnetfeld-Detektor. Der Rover wiegt etwa 240 Kilogramm, ist solarbetrieben und soll rund 90 Tage auf dem roten Planeten seine wissenschaftliche Arbeit verrichten. Was genau seine Aufgaben sein werden, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass er nach Wassereis unter der Oberfläche suchen und die Zusammensetzung des Marsgesteins untersuchen soll. Gleichzeitig soll der Orbiter den Rover aus der Umlaufbahn beobachten. Die Region Utopia Planitia, in der der Rover wohl den Planeten erforschen wird, ist die Region, in der die Nasa-Sonde „Viking 2“ 1976 gelandet ist.

Doch trotz aller wissenschaftlicher Pläne, die China für die erste Mars-Mission vorgesehen hat, geht es noch um etwas anderes: Gelingt China die Mission im ersten Anlauf, wäre das – angesichts der Erfolgschancen von Mars-Missionen – ein Statement, das die Ambitionen des Landes im Weltall untermauern würde. „Es gibt fast eine fünfzig-prozentige Chance für Mars-Missionen, zu scheitern“, erklärt der Experte Andrew Jones gegenüber forbes.com. „Wenn China demonstriert, dass sie in der Lage sind, das zu tun, dann bringt das eine Menge Prestige“, so Jones weiter.

Zwischen den Zeilen kann man das auch in dem Paper lesen, das in „Nature Astronomy“ veröffentlicht wurde: „Tianwen-1 erreicht den Orbit, landet und setzt einen Rover aus – und das alles beim ersten Versuch“, heißt es darin. „Keine planetare Mission wurde bisher so durchgeführt. Wenn es Erfolg hat, ist es ein großer technischer Durchbruch“, schreiben die Autoren weiter. Außerdem würde China mit der gelungenen Landung in einen sehr exklusiven Klub aufgenommen: in die sehr kurze Liste der Nationen, denen eine weiche Landung auf dem Mars gelungen ist. Denn bisher stehen darauf nur die USA, die zuletzt im November 2018 erfolgreich eine Mission auf den roten Planeten gebracht haben: „Insight“.

Die US-Raumfahrtorganisation Nasa plant, das aktuelle günstige Zeitfenster für Flüge zum Mars zu nutzen – ebenfalls im Juli soll sich der Rover „Perseverance“ auf den Weg machen. Mit der Mission „Hope“ haben die Vereinigten Arabischen Emirate die Saison eröffnet. Denn eine solch günstige Konstellation von Mars und Erde ergibt sich nur alle 26 Monate.

Wer es im Sommer 2020 nicht zum Mars schafft, muss bis Herbst 2022 auf den nächsten möglichen Startzeitpunkt warten – die Europäische Weltraumorganisation Esa und die russische Roskosmos können ein Lied davon singen: Die Partner haben vor einigen Monaten beschlossen, die Mars-Mission des Rovers „Rosalind Franklin“ auf das nächste Zeitfenster zu verschieben.

Kommentare