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Autonomes Fahren

Selbstfahrende Autos: Energiebilanz könnte schlecht ausfallen - Apple plant Allianz mit Hyundai

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Autonom fahrende Autos können helfen, Energie einzusparen. Die dazu nötige Datenübertragung und mehr Straßenverkehr drohen jedoch die Vorteile zunichte zu machen.

  • Autonomes Fahren könnte zu mehr Verkehrssicherheit und Klimaschutz führen.
  • Laut einem Berliner Thinktank sollte auf energieeffiziente Technologien gesetzt werden.
  • Apple will mit Hyundai zusammen arbeiten, doch der Produktionsbeginn wird noch dauern.

Keine Kavalierstarts an der Ampel mehr, ruhiges, gemächliches Fahren statt Rasen und Tempolimits werden strikt eingehalten: Verkehrsexpert:innen hoffen, dass autonom fahrende Autos künftig großen Nutzen bringen – für mehr Verkehrssicherheit und mehr Klimaschutz.

Eine neue Untersuchung zeigt jedoch, dass die Vorteile zumindest beim Thema Energieeinsparung leicht wieder zunichte gemacht werden können. Das hat vor allem zwei Gründe: Die Fahrleistung der Pkw könnte dank der bequemen Nutzbarkeit steigen, zudem sind für den nötigen Datenaustausch gigantische Energiemengen nötig.

Autonomes Fahren: Apple und Hyundai planen Zusammenarbeit

Der Hype beim Thema autonomes Fahren ist etwas abgeklungen. Doch weiterhin arbeiten die klassischen Autobauer ebenso wie Internet-Konzerne an der Entwicklung dieser Technologie. Vorige Woche wurde bekannt, dass Apple mit den südkoreanischen Hersteller Hyundai eine Allianz dazu plant. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte allerdings vorher berichtet, dass der Produktionsbeginn eines selbstfahrenden Apple-Autos noch mindestens fünf Jahre auf sich warten lassen werde. Das Prognos-Forschungsinstituts erwartet sogar, dass erst nach 2040 in größerer Zahl Autos angeboten werden, die völlig autonom von Tür zu Tür kommen und sich nicht nur auf Autobahnen alleine steuern.

Der Berliner Thinktank Agora Verkehrswende hat nun die wahrscheinliche Entwicklung bis zum Jahr 2050 unter die Lupe genommen. Ergebnis: Langfristig sei es möglich, dass die computergestützten Autos pro Kilometer mehr Energie durch harmonisiertes Fahren und einen besseren Verkehrsfluss sparen als sie für den Austausch von Daten verbrauchen.

2050 könnte der Effizienzgewinn des autonomen Fahrens bei vier bis zehn Prozent liegen

„Der Effizienzgewinn könnte 2050 bei vier bis zehn Prozent liegen“, teilt Agora mit. Allerdings: „Dieser Gewinn ginge schnell verloren, wenn die Autos mehr gefahren werden. Bereits ab einem Anstieg der Pkw-Fahrleistung von ein bis 2,6 Prozent pro Jahr wäre die Gesamtenergiebilanz des automatisierten und vernetzten Fahrens negativ.“ Erstellt wurde die Studie vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe.

Agora-Direktor Christian Hochfeld fordert, die Debatte über die Energiebilanz der Digitalisierung im Straßenverkehr müsse intensiver geführt werden.

„Bisher überwiegt die vage Hoffnung, dass verkehrsbedingte Emissionen gesenkt werden können.“ Dabei würden meist allein das Fahrzeug an sich und der Verkehrsfluss berücksichtigt.

Alle Faktoren zum autonomen Fahren müssen berücksichtigen werden

Hersteller, Entwickler und auch die Politik müssten aber alle relevanten Faktoren in den Blick nehmen. „Das automatisierte Auto tankt Strom – nicht nur an der Ladesäule, sondern gewissermaßen auch über das Internet, und dieses hat ebenfalls einen Auspuff.“

Der Berliner Thinktank empfiehlt, in allen Bereichen des automatisierten Fahrens auf energieeffiziente Technologien und Abläufe zu setzen. Im Fahrzeug gelte das vor allem für die Prozessoren und Speicher, die die Daten verarbeiten. Je weniger Strom diese Komponenten verbrauchten, desto weiter komme das Fahrzeug mit einer Batterieladung.

Bei der Vernetzung der Fahrzeuge sei es sinnvoll, wenn diese weitgehend unabhängig von Internetverbindungen durch Erkennung von Schildern, Ampeln und Straßen fahren können – nicht nur aus Energie-, sondern auch aus Sicherheits- und Kostengründen.

Die Datenübertragung, die beispielsweise für die Aktualisierung von Karten unerlässlich ist, solle möglichst über lokale Funknetze (WLAN) anstatt über Mobilfunknetze abgewickelt werden.

Nicht nur zur Beschleunigung wird Energie benötigt, sondern auch für die intelligenten Systeme.

Kritischer Faktor des autonomen Fahrens: Datenmengen möglichst gering halten

Ein kritischer Faktor bei der Bewertung der Energiebilanz ist laut der Agora-Analyse die Datenmenge, die aus dem Fahrzeug heraus übertragen werden muss. Pro Auto könnten in Zukunft 1,4 bis 19 Terabyte pro Stunde (TB/h) anfallen. Sobald davon mehr als 0,8 TB/h übertragen würden, wären die Effizienzgewinne laut der Studie aufgebraucht. Pkw-Hersteller, Zulieferer und Softwareentwickler seien deswegen in der Verantwortung, die übertragene Datenmenge möglichst niedrig zu halten und effiziente Verfahren zu entwickeln.

Des weiteren treibt den Berliner Thinktank die Sorge um, dass das autonome Fahren wegen der hohen Bequemlichkeit sogar zu mehr Verkehr führen könnte. Er empfiehlt daher, die selbstfahrenden Pkw in erster Linie gemeinschaftlich zu nutzen und gut in den öffentlichen Verkehr zu integrieren. Nur so lasse sich ein Anstieg der Pkw-Fahrleistung und des damit verbundenen Energieverbrauchs vermeiden.

„Das Auto der Zukunft ist Teil eines integrierten Verkehrssystems“, sagt Marena Pützschler, Projektmanagerin bei Agora Verkehrswende, „es ergänzt das Angebot von Bussen und Bahnen.“ Ob die Autohersteller das auch so sehen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. (Joachim Wille)

Rubriklistenbild: © Getty Images/iStockphoto

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