Mehr Frauen als Männer leiden an Migräne.
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Mehr Frauen als Männer leiden an Migräne.

Neue Studien

Demenz, Herzinfarkt, Schlaganfall: Müssen sich Migränepatienten besonders große Sorgen machen?

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Wissenschaftler untersuchen, ob die heftigen Kopfweh-Attacken mit einer Demenzerkrankung zusammenhängen können.

  • Gilt Migräne als Risikofaktor für Demenz, Schlaganfälle und Herzinfarkte?
  • Neue Studien zeigen, wo Zusammenhänge bestehen.
  • Doch Migräne ist offenbar nicht für alle drei Krankheiten ein Risikofaktor.

Frankfurt – Sie quält Millionen Menschen, Frauen häufiger als Männer. Wer gerade von einer Attacke heimgesucht wird, fühlt sich meist hundeelend und regelrecht lahmgelegt: Migräne, jener anfallsartige pulsierende, stechende Kopfschmerz, der oft mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit einhergeht, ist eine neurologische Erkrankung – eine Funktionsstörung des Gehirns und der Hirnhaut, bei der auch die Blutgefäße eine zentrale Rolle spielen.

Migräne als Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle

Schon seit längerem wird deshalb untersucht, ob bei Migränepatientinnen und –patienten das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sowie für die Entwicklung einer Demenz erhöht ist. Als sehr wahrscheinlich gilt mittlerweile, dass Menschen mit Migräne stärker als andere gefährdet sind, einen Herzinfarkt und Schlaganfall zu erleiden. Dabei scheint das Schlaganfallrisiko vor allem bei Migräne mit Aura zu steigen.

Unter einer Aura versteht man, wenn die Kopfschmerzattacken von Sehstörungen wie Lichtblitzen oder Gesichtsfeldausfällen oder auch von Taubheitsgefühlen in den Gliedmaßen begleitet werden. Etwa zehn bis 15 Prozent der Patientinnen und Patienten leiden unter einer Migräne mit Aura. Die genauen Ursachen sind noch nicht geklärt, im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde jedoch eine verminderte Durchblutung in verschiedenen Hirnarealen festgestellt.

Erhöhtes Risiko von Demenz durch Migräne? Studien widersprechen sich

Kontroverser diskutiert wird die Frage des Demenzrisikos von Migränikern. Eine kanadische Studie von 2019 sah es als doppelt so hoch wie beim Durchschnitt der Bevölkerung an. Forscher aus Kalifornien hingegen sind in einer aktuellen Untersuchung zu einem anderen Ergebnis gekommen. Demnach stellt die Migräne allein keinen unabhängigen Risikofaktor für eine Demenz dar. Ein Hintergrund für die Vermutung, dass zwischen dem neurologischen Leiden und neurodegenerativen Erkrankungen ein Zusammenhang bestehen könnte, ist unter anderem die Tatsache, dass in MRT-Aufnahmen von Migränepatienten manchmal Veränderungen in der weißen Substanz des Gehirns sowie Läsionen, wie sie ähnlich von Schlaganfällen verursacht werden, zu sehen sind.

Die weiße Substanz bezeichnet einen Teil des zentralen Nervensystems, der aus markhaltigen Nervenfasern besteht. Solche Veränderungen im Hirngewebe gelten allgemein als ungünstig im Hinblick auf Einbußen der kognitiven Leistungsfähigkeit.

Migräne als Risikofaktor für Demenz? Studie aus den USA liefert eindeutige Antwort

Das Forscherteam um Kristen George vom Department für Epidemiologie der University of California in den USA hat den Zusammenhang zwischen Migräne und Demenz in Form einer sogenannten prospektiven Kohortenstudie untersucht, bei der die Probanden über einen vorab definierten Zeitraum beobachtet werden – wobei sie zu Beginn noch keine Symptome einer bestimmten Erkrankung – in diesem Fall Demenz – zeigen.

An der kalifornischen Studie nahmen 12.495 Frauen und Männer im Alter zwischen 51 und 70 Jahren teil, 1397 von ihnen leiden unter Migräne. Die mittlere Nachbeobachtungszeit lag bei 21 Jahren. In diesem Zeitraum trat bei 18,5 Prozent der Teilnehmer ohne Migräne eine Demenz auf, bei den Migränikern waren lediglich 16,7 Prozent betroffen. Die Auswertung ergab demzufolge, dass trotz der aufgeführten Veränderungen im Gehirn kein Zusammenhang zwischen Migräne und dem Auftreten einer Demenz besteht.

Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es daher keine Hinweise darauf, dass die bei Migränepatienten auftretenden Veränderungen in der weißen Substanz eine klinische Bedeutung oder einen Krankheitswert hätten, kommentiert Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, die Studie.

Genetische Verwandtschaft zwischen Migräne und Alzheimer untersucht

Auch eine genetische „Verwandtschaft“ zwischen Migräne und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer besteht offenbar nicht. In einer groß angelegten weltweiten Studie von mehr als 600 wissenschaftlichen Einrichtungen unter Leitung des Broad Institute der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology waren dafür Gene von etwa einer Million Menschen analysiert worden.

Die Forscher untersuchten das Material auf Muster, die mit einer Erkrankung des Gehirns zusammenhängen könnten. Die Ergebnisse zeigten Gemeinsamkeiten bei den Erbanlagen für Migräne und denen für psychiatrische Erkrankungen. Sowohl Migräne als auch psychiatrische Erkrankungen wie Depression oder Bipolare Störungen haben eine genetische Komponente und treten deshalb familiär gehäuft auf.

Mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer hingegen gab es keine Überschneiden – weder bei Migräne und auch nicht bei den psychiatrischen Erkrankungen. (Von Pamela Dörhöfer)

Zudem sind sich Forscher uneins, ob die Art der Blutgruppe ein entscheidender Faktor für den Krankheitsverlauf von Covid-19 ist.

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