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Coronavirus: Die Blutgruppe beeinflusst das Infektionsrisiko

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Von: Nadja Austel

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Eine Corona-Studie aus Frankreich zeigt, in welchem Zusammenhang die Blutgruppe mit der Ansteckungsgefahr steht.

Frankfurt – Bereits in ersten Jahr der Corona-Pandemie beobachteten Forschende, dass sich Menschen mit der Blutgruppe 0 seltener mit dem Coronavirus infizieren als Menschen mit den Blutgruppen A, B oder AB. Doch lange blieb ungeklärt, welche Mechanismen zu diesen Unterschieden führen. Forschende der Universität Nantes in Frankreich veröffentlichen in ihrer Studie nun Erkenntnisse, die die Antworten liefern könnten.

Völlig neu ist diese Beobachtung allerdings nicht. Auch bei anderen Krankheiten und deren Übertragbarkeit hatte man die Relevanz der Blutgruppe zuvor schon vermutet: So auch, dass Menschen mit Blutgruppe 0 stärker gefährdet waren, an der Pest zu erkranken, als mit anderen Blutgruppen. Beim Corona-Virus scheint es sich nun umgekehrt zu verhalten.

Corona-Infektionsgefahr: Blutgruppe beeinflusst Risiko von Ansteckung und Weitergabe

Hypothesen zu den dahinter liegenden Mechanismen hatte es bereits gegeben: Peter Ellis etwa, Dozent für Molekulargenetik und Reproduktion an der School of Biosciences der University of Kent (Großbritannien) vermutete, dass sich ähnliche Prozesse wie bei einer Bluttransfusion abspielen, wenn jemand mit dem Coronavirus in Kontakt kommt.

Blutgruppe als Corona-Risiko
Die Blutgruppe beeinflusst das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus. (Symbolfoto) © SNA/Imago Images

Denn ein Mensch mit Blutgruppe A verfügt über Antigene gegen Blutgruppe B und umgekehrt. Blutgruppe AB bildet gegen keines der beiden Antigene Antikörper, Blutgruppe 0 gegen beide. Dadurch sind die Blutgruppen bei Transfusionen unterschiedlich gut miteinander kompatibel. Und ein Mensch mit Blutgruppe 0 kann kein Blut einer anderen Blutgruppe empfangen, ist aber selbst universeller Spender.

Ergebnis der Studie: Corona-Infizierte mit Blutgruppe 0 übertragen das Virus sehr leicht

Für die Studie wurden mit Corona infizierte Klinikmitarbeitende und deren Partner, mit denen sie in einem gemeinsamen Haushalt leben, befragt. Die untersuchten Infektionen passierten zwischen Januar 2020 und Mai 2021. Paare, bei denen eine Infektion über den Partner unwahrscheinlich war, also die etwa kein gemeinsames Schlafzimmer hatten, wurden bei der Analyse nicht berücksichtigt.

Insgesamt wurde die Übertragung des Virus bei 333 Paaren beobachtet und auf die Wahrscheinlichkeit der Virusweitergabe in Abhängigkeit von der Blutgruppe untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Infizierte mit der Blutgruppe 0 das Virus sehr leicht an alle anderen Blutgruppen weitergeben können – so wie sie auch ihr Blut an alle anderen Blutgruppen spenden können. Einerseits ist also ihr Risiko sich mit dem Coronavirus zu infizieren zwar geringer, wenn sie dann doch Covid-19 entwickelt haben, sind sie andererseits gefährliche Superspreader.

Corona: Ist die Blutgruppe 0 der Superspreader in der Pandemie?

Personen der Blutgruppe AB wiederum haben laut den Studienergebnissen das höchste Risiko, sich selbst anzustecken, aber das geringste, die Infektion dann auch weiterzugeben. „Da die Blutgruppe A häufiger vorkommt als die Blutgruppen B und AB, treffen Personen der Blutgruppe A in einer Bevölkerung westeuropäischer Herkunft seltener auf inkompatible Infizierte“, so die Forschenden. Das alles zusammengenommen erklärt, warum Angehörige der Blutgruppe A bislang bei den Infektionen besonders stark vertreten sind, während Angehörige der Blutgruppe 0 unterdurchschnittlich oft infiziert sind.

Für Mediziner:innen sind diese Erkenntnisse im Behandlungsalltag durchaus relevant. So sagte Christian Drosten bereits im Jahr 2020 im Podcast „Coronavirus-Update“ des NDR zu den Zusammenhängen von Blutgruppen und Infektionsrisiken: Kliniker:innen werden sich immer „Sorgen machen bei einem Patienten mit einem bestimmten Profil: vielleicht älter, vielleicht Übergewicht, vielleicht mit einer liegenden Herzerkrankung.

Wenn er dann auch noch sieht: Blutgruppe A, dann würde er sich noch mehr Sorgen machen und ein bisschen genauer hinschauen.“ Allerdings sei das nur im Rahmen einer Risikoabwägung ein relevanter Faktor, „aber es bedeutet nicht für die Normalbevölkerung, dass jeder mit Blutgruppe A sich furchtbare Sorgen machen muss.“ Ebenso solle sich jemand mit Blutgruppe 0 auch nicht als frei von jedem Risiko betrachten. (Nadja Austel)

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