Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Region von Hummeln besiedelt wird, ist heute deutlich niedriger als früher.
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Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Region von Hummeln besiedelt wird, ist heute deutlich niedriger als früher.

Öko-logisch

Rettet die Hummeln

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Gemütlich-dick, in einen bunten Pelz gekleidet, kommen sie im Sommer angebrummt. Ihre Vorkommen sind erheblich geschrumpft, wie eine Untersuchung von Biologen von der Universität im kanadischen Ottawa jetzt zeigt. Die Kolumne „Öko-logisch“.

Das haben sie nicht verdient, die Hummeln. Das Image der kleinen fliegenden Tierchen bei den Menschen ist doch prima, fast wie ein Panda der Lüfte. Gemütlich-dick, in einen bunten Pelz gekleidet, kommen sie im Sommer angebrummt – und dann betätigen sie sich als eifrige und effektive Blütenbestäuber. Durch ihre lange Zunge und das sogenannte Vibrations-Sammeln sind sie in der Lage, auch tiefe Blüten zu bestäuben. Die Perfektion in diesem Job hat sogar dazu geführt, dass Hummeln inzwischen rund ums Jahr für die Bestäubung in Gewächshäusern gezüchtet werden.

Draußen hingegen, in der freien Natur, setzt der Mensch den possierlichen Brummern umso stärker zu. Für die Hummeln in Europa und Nordamerika haben Erderwärmung und industrialisierte Landwirtschaft nämlich fatale Folgen. Ihre Vorkommen sind erheblich geschrumpft, wie eine Untersuchung von Biologen von der Universität im kanadischen Ottawa jetzt zeigt.

Besser anders ackern

In Zahlen ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Region von Hummeln besiedelt wird, ist heute deutlich niedriger als früher. Verglichen mit dem Zeitraum 1900 bis 1974 ist sie

in den Jahren 2000 bis 2014 in Europa um 17 Prozent gesunken und in Nordamerika sogar um 46 Prozent. Die Forscher haben dazu 550 000 Einzelbeobachtungen zu 66 Hummelarten ausgewertet. Verantwortlich für den Rückgang sind nach ihrer Bewertung häufigere Temperaturextreme und veränderte Niederschläge.

Nun haben die Hummeln offenbar ein spezielles Problem, was sie noch sympathischer macht. Sie sind heimattreu. Während viele Insektenarten sich wegen des Klimawandels in den kühleren Norden ausgebreitet haben, etwa aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa, versuchen die Hummeln, am alten Standort zurecht zu kommen – und schauen zunehmend in die Röhre. In den USA treffen sie es dabei offenbar noch schlimmer als bei uns. Dort wird, etwa im „Corn Belt“ im Mittleren Westen, eine so intensive Landwirtschaft betrieben, dass der Hummel-Lebensraum extrem geschrumpft ist.

In Europa ist es noch etwas besser. Hier sind häufiger noch kleine „Ersatz-Habitate“ in der Nähe der Agrarflächen zu finden – und viele Hummeln können auf diese ausweichen. Aber der Trend ist ebenfalls negativ. Und das kann ja nur heißen: Klima schützen und anders ackern. Dann müssen die Hummeln nicht verhungern.

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