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Amazon bucht 83 Raketenstarts für Internet-Satelliten – nur SpaceX bleibt außen vor

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Von: Tanja Banner

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Amazon hat 83 Raketenstarts für die Satelliten-Konstellation „Project Kuiper“ gekauft – doch keine der gebuchten Raketen ist jemals geflogen und SpaceX blieb außen vor. (Symbolbild)
Amazon hat 83 Raketenstarts für die Satelliten-Konstellation „Project Kuiper“ gekauft – doch keine der gebuchten Raketen ist jemals geflogen und SpaceX blieb außen vor. (Symbolbild) © ZUMA Wire/Imago Images

Für eine große Satelliten-Konstellation kauft Amazon fast den gesamten Markt für Raketenstarts leer – nur SpaceX bleibt außen vor.

Seattle – Die Raumfahrt-Branche in den USA ist schon seit vielen Jahren ein Betätigungsfeld für Milliardäre. Amazon-Gründer Jeff Bezos bringt mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin regelmäßig Tourist:innen an den Rand des Weltraums, während Tesla-Chef Elon Musk mit seiner Raumfahrtfirma SpaceX Astronaut:innen zur Internationalen Raumstation ISS befördert, aber auch Weltraumtourist:innen um die Erde kreisen lässt. Immer wieder überschneiden sich die Tätigkeitsfelder der beiden Milliardäre – mal öffentlichkeitswirksam, mal so subtil, dass es nur Branchen-Insidern auffällt.

Gerade erst wurde der letzte Zusammenstoß der beiden Milliardäre – sie stritten sich um einen Nasa-Auftrag für den Bau der nächsten Mondlandefähre – final entschieden. SpaceX baut eine Mondlandefähre, weitere Unternehmen – darunter Blue Origin von Bezos – dürfen sich um einen weiteren Nasa-Auftrag bemühen.

Nun überschneiden sich die Tätigkeitsfelder der beiden Milliardäre erneut. Dieses Mal geht es um „Starlink“ und „Project Kuiper“, die geplanten Satelliten-Konstellationen der Unternehmen SpaceX und Blue Origin. Zuletzt hatten sich Jeff Bezos und Elon Musk über Umlaufbahnen der Satelliten gestritten, dieses Mal treffen sie eher indirekt aufeinander.

Satelliten-Konstellationen von SpaceX und Amazon sollen schnelles Internet bringen

Beide Konstellationen sollen aus tausenden Satelliten bestehen, die die Erde umkreisen und in allen Winkeln des Planeten schnelles Internet ermöglichen. Die „Starlink“-Konstellation von SpaceX ist bereits weit vorangeschritten: Das Unternehmen von Elon Musk hat im Jahr 2019 die ersten „Starlinks“ ins All geschossen und mittlerweile mehr als 2000 aktive Satelliten in der Erdumlaufbahn. Das macht SpaceX zum größten Satellitenbetreiber. Im Zuge des Ukraine-Kriegs hatte Musk erst kürzlich das „Starlink“-Internet in der Ukraine aktiviert und damit große Aufmerksamkeit auf sein Projekt gelenkt. Meist wird „Starlink“ jedoch kritisiert: Von der Nasa und von Fachleuten aus der Astronomie.

Ein Vorteil von SpaceX ist, dass das Unternehmen eigene Raketen hat und mit der teilweise wiederverwertbaren „Falcon 9“ die Satelliten verhältnismäßig günstig selbst in die Erdumlaufbahn schicken kann. So hat SpaceX innerhalb von 20 Jahren die Raumfahrt-Branche verändert.

Die Lage bei Amazons „Project Kuiper“ ist eine andere: Bisher sind noch keine Satelliten ins All gestartet, die ersten beiden Prototypen sollen im vierten Quartal 2022 in eine Erdumlaufbahn geschossen werden. Erst nach diesem Test will man bekannt geben, wann der Aufbau der Satelliten-Konstellation beginnen soll. Ein Problem von Amazon ist, dass das Unternehmen im Vergleich zu SpaceX nicht über eigene Raketen verfügt. Da gibt es nur Blue Origin, das Raumfahrtunternehmen von Jeff Bezos – das jedoch bisher noch keine Rakete in eine Umlaufbahn um die Erde geschickt hat.

Raumfahrt: Amazon sichert sich 83 Raketenstarts – SpaceX bleibt außen vor

Nun hat Amazon bekannt gegeben, sich für sein „Project Kuiper“ bis zu 83 Raketenstarts bei drei unterschiedlichen Anbietern gesichert zu haben. Raketen der Firmen Arianespace, Blue Origin und United Launch Alliance (ULA) sollen die Mehrheit der Satelliten des „Project Kuiper“ ins All befördern. Ein Auftrag, der Amazon insgesamt wohl mindestens zehn Milliarden US-Dollar gekostet haben dürfte, vermutet der Fachjournalist Eric Berger auf dem Portal Ars Technica. Geld, das die Raumfahrt-Branche gut gebrauchen kann – und bei dem ein Unternehmen auffällig außen vor bleibt: SpaceX von Elon Musk. Dort hätte Amazon sicherlich nur ein Drittel bezahlt, mutmaßt Berger.

AnbieterRakete + Anzahl Starts
Arianespace18 Starts der Rakete Ariane 6
Blue Origin12 Starts der Rakete New Glenn (+ Option auf 15 weitere)
United Launch Alliance (ULA)38 Starts der Rakete Vulcan

Trotzdem ist SpaceX nicht bei den Unternehmen dabei, bei denen Amazon Raketenstarts gebucht hat. Das liegt jedoch wohl weniger daran, dass SpaceX oder Elon Musk einen solchen Deal mit der Konkurrenz abgelehnt hätte: Erst kürzlich hat SpaceX einen Vertrag mit OneWeb abgeschlossen, einem weiteren Unternehmen, das gerade eine Satelliten-Konstellation für schnelles Internet aufbaut und dem im Ukraine-Krieg die russischen Sojus-Raketen weggebrochen sind. Ob es eine Anfrage von Amazon gab oder ob SpaceX bewusst ignoriert wurde, ist unklar. Letzteres dürfte jedoch wahrscheinlicher sein.

Amazon hat einen großen Teil der freien Raketenkapazitäten jenseits von SpaceX aufgekauft

Fest steht jedenfalls, dass Amazon – abgesehen von SpaceX – den größten Teil aller freien Startkapazitäten größerer Raketen in den USA und Europa für die nächsten fünf Jahre aufgekauft hat, wie Ars Technica berichtet. Eine beträchtliche Geldsumme fließt dadurch in drei Raumfahrtunternehmen, von denen zwei – ULA und Arianespace – schon seit einiger Zeit unter der Dominanz von SpaceX leiden. Beide Firmen haben potenzielle Aufträge von kommerziellen Kunden oder der Nasa an das deutlich günstigere SpaceX verloren. Da könnte das Geld von Amazon gerade rechtzeitig kommen.

Doch Amazon geht auch ein Risiko ein: Keine der drei Raketen, auf die das Unternehmen für seine Satelliten-Konstellation setzt, ist je geflogen. Die „Ariane 6“ von Arianespace und die „Vulcan“ der United Launch Alliance könnten im Laufe der nächsten zwölf Monate ihren Jungfernflug unternehmen. „New Glenn“, eine Rakete von Blue Origin, dürfte noch mindestens zwei Jahre bis zu ihrem ersten Flug benötigen. Das verschmähte SpaceX dagegen kann die eigene „Falcon 9“-Rakete bis zu 60 Mal im Jahr starten und dabei noch teilweise wiederverwenden.

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Amazon-Geld ist ein zweischneidiges Schwert für Raumfahrt-Unternehmen

Für die Raumfahrtfirmen ist Amazons Kauf ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite das Geld – auf der anderen Seite muss beispielsweise die „Ariane 6“ nun möglicherweise deutlich häufiger pro Jahr starten als bisher geplant. Denn neben den Amazon-Aufträgen soll die Rakete auch Aufträge übernehmen, die eigentlich mit einer russischen Sojus-Rakete ins Weltall geschickt werden sollten. Die ist wegen des Ukraine-Kriegs und der Sanktionen gegen Russland nicht mehr verfügbar.

Es scheint, als könnten der Ukraine-Konflikt und der Raketen-Großeinkauf von Amazon die Raumfahrt-Branche gewaltig durcheinanderwirbeln. Am Ende könnte Elon Musk der große Gewinner sein: Während Jeff Bezos und Amazon auf die Raketen der Konkurrenz warten, kann er seine Satelliten-Megakonstellation „Starlink“ weiter aufbauen und Kunden einsammeln, die nicht auf „Project Kuiper“ warten wollen. (Tanja Banner)

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